Jürg Rettenmund

Die Zerstörungskraft des Feuers erlebten die Huttwiler letztmals am 18. November, als die alte Möbelfabrik Meer in Vollbrand stand. Noch viel grösser war die Brandstätte, als in der Nacht vom 8. auf den 9. Juni 1834 das ganze Städtchen nach einem Blitzschlag bis auf die Grundmauern zerstört wurde.

Diese Brandnacht jährt sich im Juni zum 175. Mal. Gleichzeitig beginnt am 8. Juni die Baustelleninstallation für die Aussenrestauration der Kirche. Das Zusammentreffen des Baubeginns und des Gedenktages nimmt die Kirchgemeinde zum Anlass für eine Gedenkfeier am Samstag, 6. Juni.

Beschränkte Mittel erfahren

Da 1834 einer grossen Brandstätte die viel beschränkteren Einsatzmittel der Feuerwehr gegenüberstanden, kam Kirchgemeinderat Heinz Graf auf die Idee, dies am eigenen Leib erfahrbar zu machen. Konkret soll von der Langeten bei der Salze bis zur Kirche eine Menschenkette gebildet werden, die so wie früher das Löschwasser mit Kesseln von Hand zu Hand weiterreicht.

Dort geht die historische Handdruckspritze des Feuerwehrvereins Huttwil in Stellung und löscht ein Feuer, das symbolisch für die 1834 abgebrannte Kirche in Brand gesteckt wird. Die Spritze stammt von der Neuegg bei Sumiswald und stand 1834 in Huttwil im Einsatz.

Dass eine derartige Löschaktion nur mit vereinten Kräften möglich war, macht Heinz Graf deutlich. «Wir führen die Aktion nur durch, wenn wir mindestens 100 Zusagen haben», erklärt er. Das würde bedeuten, dass jeder Teilnehmer den Wasserkessel fünf Meter weit tragen muss. Eine richtige Wasserkette funktioniert so jedoch nicht, denn der Wasserkasten der Spritze fasst 400 Liter, und wenn gepumpt wird, wird dieser 2,5 Mal in der Minute geleert. Samuel Lanz, der Präsident des Feuerwehrvereins, organisiert deshalb vorsorglich auch das Tanklöschfahrzeug der heutigen Feuerwehr als Notspeisung.

Es braucht zwei Reihen

Heinz Graf hofft jedoch, dass sich viel mehr Menschen von der Idee begeistern lassen. Denn im Prinzip muss die Wasserkette doppelt besetzt werden: Eine Reihe reicht die vollen Eimer bis zur Spritze weiter, die andere die leeren von dort wieder zurück zum Wasserbezugsort.

Wie 1834 soll auch am 6. Juni jeder Wasserträger selbst einen mit seinem Namen angeschriebenen Henkelkessel mitbringen. Denn wenn das Feuer erloschen war, mussten die Feuereimer jeweils wieder den Besitzern zurückgebracht werden. Deshalb sind die alten Feuereimer, die noch da und dort in Ehren gehalten werden, mit dem Namen - oft ergänzt mit dem Familienwappen - angeschrieben.

Gottesdienst und Ausstellung

Die symbolische Aktion beginnt um 17 Uhr. Anschliessend findet ein Gedenkgottesdienst statt. Nach einem Apéro öffnet das Museum Salzbütte seine Ausstellung von 21 Uhr bis um Mitternacht. Diese thematisiert unter anderem den Städtlibrand. Einwohner-, Burger- und Herdgemeinde unterstützen den Anlass finanziell.

«Natürlich kann man sich auch spontan für eine Teilnahme entschliessen», sagt Kirchgemeinderat Heinz Graf. Da die Kirchgemeinde jedoch allen Wasserträgern ein Sandwich offerieren will, und damit niemand den Apéro durstig verlassen muss, bittet er um eine Anmeldung unter medien.kirchgem.huttwil@bluewin.ch oder 079 356 45 77.