Im März letzten Jahres war es, als Papst Benedikt XVI. auf dem Weg nach Kamerun sagte: «Kondome sind kein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Aids», vielmehr würden sie das Problem noch verschärfen. Und damit den Zorn weiter Teile Europas und den USA auf sich zog.

«Der Papst lebt anscheinend in einem totalen Autismus», entfuhr es einem erbosten Alain Juppé, Frankreichs ehemaligem Premierminister. Aus Spanien kam die Antwort postwendend - im wahrsten Sinne des Wortes: Die sozialistische Regierung Spaniens gleich eine Million Kondome nach Afrika.

Und schon vorher legten sich Spanier mit dem Papst an: Als die Bischofskonferenz der Iberer 2005 verlauten liess, sie akzeptiere das Kondom zur Bekämpfung von Aids als das kleinere Übel, intervenierte der Vatikan umgehend: Zwei Tage später teilten dieselben Bischöfe mit, der Gebrauch von Kondomen verstosse gegen die Moral.

Luzerner haben genug vom Papst

Nun reiht sich die katholische Kirche Luzern ein in die Runde der Aufmüpfigen. Ab Montag verteilt sie drei Tage lang Kondome auf dem Bahnhofplatz der Stadt Luzern.

Auf einen Angriff aus dem Kirchenstaat ist Pfarreileiter Alois Metz bereits gewappnet. In einem Pressecommuniqué beruft er sich auf einen Hamburger Weihbischof, der gesagt haben soll, «wer Aids hat und sexuell aktiv ist, wer wechselnde Partnerschaften sucht, muss andere und sich selber schützen.»

Zum Besuch eines Infostands sollen sich nach Kirchenangaben bereits 14 Schulklassen angemeldet haben. (mik)