Kindersitz
Kindersitze: Polizisten verteilen die ersten Bussen

Seit 30 Tagen gilt die neue Kindersitzpflicht. Wer sich nicht daran hält, bekommt eine Busse – Solothurn hat bereits ein Dutzend verteilt. Andere Kantone drücken noch ein Auge zu.

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Solothurner Zeitung

Jessica Pfister

Der Kanton Solothurn nimmt die neuen Kindersitzbestimmungen ernst. Bereits 12 Bussen à 60 Franken hat die Kantonspolizei seit dem 1. April verteilt. «Wir haben die Bussen auf den normalen Verkehrskontrollen ausgestellt, es gab also keine Jagd auf Fahrzeuge mit Kindern», sagt Mediensprecherin Thalia Schweizer. Bei den Betroffenen hätten vor allem diejenigen mit Unverständnis reagiert, die bisher für ihr Kind noch keinen Sitz gebraucht haben.

Auch im Kanton Zürich haben die Polizisten bereits den Bussenblock gezückt: «In den ersten drei Wochen waren es 10 Bussen», sagt Esther Surber vom Mediendienst. Für den ganzen Monat April könnten aber noch einige dazukommen, da die letzte Woche noch nicht ausgewertet wurde.

«Messen Kinder nicht aus»

Die Zuger Kantonspolizei musste bereits viermal 60 Franken einziehen - dies können aber sowohl Bussen für fehlende Kindersitze sein, wie auch solche für generell schlecht gesicherte Kinder.

Die Mehrheit der Kantone drückt bei der neuen Regelung allerdings noch ein Auge zu: «Wir haben sicher einzelne Fahrzeuge mit Kindern erwischt, die keinen Kindersitz installiert hatten. Doch das waren meist Grenzfälle - und wir messen die Kinder sicher nicht auf der Strasse aus», sagt Klaus Mannhart von der Kapo Basel.

Obligatorische Kindersitze

Seit dem 1. April müssen sämtliche Kinder in den Autos besser gesichert werden. Neu gilt der «Sitzli-Zwang» nicht mehr nur für Kinder bis sieben, sondern bis zwölf Jahre respektive bis zu einer Grösse von 150 Zentimetern. Die Regelung entspricht laut Bundesrat einer europäischen Richtlinie, welche einen Bestandteil des Landverkehrsabkommens bildet und daher umgesetzt werden muss. (JEP)

Dass die Polizeikorps in der Schweiz die neue Regelung so unterschiedlich streng kontrollieren, stört das Bundesamt für Strassen (Astra) nicht: «Eine neue Verkehrsregelung einzuführen heisst nicht zwingend, dass man zum Bussenblock greifen muss», sagt Sprecher Thomas Rohrbach. Wichtig sei, dass die Regelung auf Akzeptanz stosse.

Initiative hängig

Doch genau das ist nicht überall der Fall. Am 19. März hat die Organisation «Mobilitant» eine Petition mit über 20 000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht - diese fordert den gänzlichen Verzicht auf die neue Vorschrift. Die Massnahme sei viel zu restriktiv und zwinge Familien zu erheblichen zusätzlichen Auflagen, kritisiert der Verein.

Und auch im Parlament steigt der Druck. So sind mehrere Interpellationen hängig, die vom Bundesrat Beweise fordern, ob die erweiterte Kindersitzpflicht die Sicherheit tatsächlich gefährdet. Zudem soll in der Sommersession die Initiative von Nationalrat Carlo Sommaruga (SP/GE) behandelt werden, die eine Ausnahme für Taxis innerorts verlangt.

Für das Astra ist der Fall jedoch klar: «Die Regel gilt, ohne Ausnahmen», so Rohrbach. Man habe diese geprüft und sich dagegen entschieden. «Zu kompliziert», begründet das Astra. Erstaunlich: In Frankreich und Deutschland gibt es die Ausnahmeregelung für Taxifahrer - denn die EU-Richtlinien lässt dies ausdrücklich zu.