Die jungen Männer wollten nicht in die Zivilschutzanlage in Kestenholz SO und campten dafür vor dem Solothurner Bahnhof. Unter freiem Himmel, dafür mit Tageslicht. Nun sind die zehn Asylbewerber in andere Unterkünfte einquartiert worden. Auf mehr Komfort sollen sie dabei nicht gestossen sein.

Die Wahrscheinlichkeit, als alleinstehender Asylbewerber den Asylentscheid in einer Zivilschutzanlage abwarten zu müssen, ist landauf, landab beträchtlich. Frauen, Kinder, Familien und Paare dagegen landen meist in einer Unterkunft Übertag.

Kantone halten Augenmass

Das Asylverfahren ist in der Schweiz auf mehreren Staatsebenen geregelt. Zuerst landen Asylsuchende in einem von fünf Empfangs- und Verfahrenszentren des Bundes. Mangelt es dort an Platz, dann werden sie in eine von derzeit sechs Notunterkünften platziert. Drei davon – auf dem Lukmanierpass, in Realp und in Châtillon – sind unterirdisch. «Wir quartieren grossmehrheitlich junge, gesunde Männer unterirdisch ein», bestätigt Sibylle Siegwart vom Bundesamt für Migration (BFM).

Schriftliche Weisungen, wer unterirdisch oder oberirdisch untergebracht wird, gibt es nicht. Die Aufenthaltsdauer in unterirdischen Bundesunterkünften beträgt laut Siegwart im Durchschnitt fünf bis sechs Wochen.

Asylsuchende, für die kein anderer der 30 europäischen Dublinstaaten zuständig ist oder deren Asylbegehren weitere Abklärungen in Anspruch nimmt, werden auf die Kantone verteilt. Diese sind autonom. Entsprechend gibt es 26 Unterbringungskonzepte.

Schriftliche Weisungen fehlen auch auf Kantonsebene, in den angefragten Kantonen der Nordwestschweiz fällt stattdessen das Stichwort Augenmass. So auch im Kanton Solothurn, wo Persönlichkeitsprofile erstellt und die Asylbewerber ihrem Profil entsprechend der Unterkunft zugeteilt werden.

Auch im Kanton Aargau muss man aus Platznot auf unterirdische Zivilschutzanlagen ausweichen. «Wenn der Notstand es erfordert, dann bringen wir allein reisende Männer meist unterirdisch unter», sagt Balz Bruder vom Departement für Gesundheit und Soziales. Das sei weder komfortabel, noch ideal, aber zumutbar. «Es ist ja für maximal wenige Monate.»

Wohnungsnot trifft Asylbewerber

«Was WK-Soldaten als Unterkunft dient, soll auch Asylbewerbern genügen», so der Tenor in Online-Kommentaren zur Berichterstattung über die protestierenden Männer von Solothurn. Das Argument mag einleuchten, ist aber nicht für alle Behördenmitglieder stimmig. Balz Bruder: «Der Soldat weiss, wann sein WK zu Ende ist. Der Asylbewerber dagegen steht vor einer ungewissen Zukunft.»

Ähnlich argumentieren NGOs. Alex Sutter von der Informationsplattform humanrights.ch betont: «Fensterlose Anlagen sind für eine längere Unterbringung von Leuten nicht nur ungeeignet, sondern auch unzumutbar.»

Trotzdem: In Basel werden alleinstehende junge Männer sogar ausschliesslich Untertag einquartiert. Zumindest in einer ersten Phase, wie Renata Gäumann von der Asylkoordination Basel-Stadt bestätigt. Das Vorgehen kommt einem Automatismus gleich, weil es an Wohnungen mangelt: Man suche zwar laufend nach günstigem Wohnraum, der ausgetrocknete Wohnungsmarkt mache die Suche aber schwierig, so Gäumann.

Basel-Landschaft unterhält gar keine eigenen Unterkünfte, sondern weist die zugeteilten Asylbewerber direkt den Gemeinden zu. Drei Gemeinden würden ihre Asylbewerber noch in unterirdischen Zivilschutzanlagen unterbringen, erklärt Rolf Rossi, der die Verteilung in Basel-Landschaft koordiniert. «Wir überlassen es den Gemeinden, was sie als adäquate Asyl-Unterkunft halten», so Rossi.