Basel
Kindergärtnerinnen abgeblitzt

Das Kantonsgericht hat die Beschwerde der Kindergärtnerinnen abgewiesen: Ihr Teilpensum sei nicht geschlechtsspezifisch, sondern pädagogisch begründet. Die Gewerkschaft will nun für eine höhere Lohnklasse kämpfen.

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Gericht

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Aargauer Zeitung

Daniel Haller

Die Kindergärtnerinnen verliessen gestern das Gerichtsgebäude rasch, die Enttäuschung war ihnen ins Gesicht geschrieben: Das Kantonsgericht hatte ihre Beschwerde abgewiesen. Es bleibt bei der Lohneinstufung und der Festlegung des Arbeitspensums, wie sie die Regierung 2001 vorgenommen hat.

Damals wurden die Kindergärtnerinnen von der Lohnklasse 18 in die Lohnklasse 14 befördert. Zugleich aber wurden für Kindergarten und Primarschule 28 Lektionen pro Woche als Vollzeitstelle definiert. Mit den 23 Lektionen, die Gemeinden minimal anbieten müssen, kommen Kindergärtnerinnen auf ein Pensum von 82 Prozent. Dies bezeichnen sie als «Zwangs-Teilpensum». Gegen die ersten Lohnabrechnungen nach dem neuen System haben die Kindergärtnerinnen und die Gewerkschaft VPOD Beschwerde eingereicht.

Claudia von Wartburg, Anwältin der Klägerinnen, beantragte, dass ein Arbeitszeit-Gutachten klären solle, wie viel Kindergärtnerinnen arbeiten. Sie argumentierte, im Jahr 2000 habe das Verwaltungsgericht die Lektionen der Kindergärtnerinnen noch mit dem Faktor 1,65 in Normalarbeitsstunden umgerechnet. Bei Primarlehrkräften galt der Faktor 1,55. Mit der Revision 2001 sei für beide Berufsgruppen der Faktor auf 1,5 gekürzt worden. Diese stärkere Reduktion ohne sachliche Begründung bei einem typischen Frauenberuf sei eine indirekte Diskriminierung der Kindergärtnerinnen.

«Gemeinden müssen Suppe auslöffeln»

«Der Kanton hat die Suppe angerichtet, die Gemeinden müssen sie auslöffeln», stellte Michael Baader als Anwalt der Gemeinden fest. Angestellt sind die Kindergärtnerinnen von den Gemeinden. Um eine Prozessflut zu vermeiden, wurde stellvertretend für 60 Beschwerden aus 15 Gemeinden die Klage von sechs Muttenzer Kindergärtnerinnen gegen ihre Gemeinde als Pilotprozess verhandelt.

Baader zerpflückte das Arbeitszeitgutachten aus dem Kanton Zürich, das die Klägerinnen zur Unterstützung ihrer Argumentation eingereicht hatten: Dieses belege vielmehr, dass die Arbeitszeit der Kindergärtnerinnen ausserhalb der Lektionen geringer sei als jene von Primarlehrkräften. Kindergärtnerinnen seien also nicht schlechter gestellt. Da der Anteil der Frauen bei den Primarlehrkräften über 70 Prozent liege, sei auch dies ein typischer Frauenberuf. Es könne somit keine geschlechtsspezifische Diskriminierung geben. Dieser Argumentation schloss sich Catherine Zenhäusern als Vertreterin des Kantons an.

«Systemwechsel ohne Nachteil»

Gerichts-Vizepräsident Bruno Gutzwiller, der die Verhandlung leitete, führte aus, dass auch vor 2001 die Kindergärtnerinnen de facto Teilzeit gearbeitet hätten. Dies sei als Vollstelle bewertet und durch eine zu tiefe Lohnklasse kompensiert worden. Durch die Revision 2001 habe man diesen systemwidrigen Zustand beseitigt, ohne dass deshalb die Kindergärtnerinnen schlechter gestellt seien. Da auch Primarlehrerin ein typischer Frauenberuf sei, könne man nicht mit Diskriminierung argumentieren. Zudem schiesse die Forderung nach Anerkennung eines 100-Prozent-Pensums übers Ziel hinaus: «Dies würde eine Entschädigung wie in Lohnklasse 11 oder 12 bedeuten.» Fazit: Das Gericht weist die Beschwerde ab.

«Männer urteilten nach veraltetem Bild»

«Die steigenden Anforderungen des Berufs, die Frühförderung, die verlangten Integrationsbemühungen, die Mitarbeit in Schulentwicklungsprojekten und der Schulleitung der teilautonomen Schulen: Dieser ganze Professionalisierungsschub der letzten Jahre kam überhaupt nicht zur Sprache», ärgerte sich nach dem Prozess VPOD-Regionalsekretärin Marianne Meyer. Das Gericht, nur mit Männern besetzt, habe auf der Basis eines veralteten Kindergartenbildes geurteilt.

Die Gewerkschaft werde den Kampf fortsetzen und nun verlangen, dass Kindergärtnerinnen wie die Primarlehrerinnen in die Lohnklasse 13 eingereiht werden. «Sie sind schliesslich identisch ausgebildet. Und von ihnen wird das gleiche Pensum verlangt.»