Killwangen pflegt seine Streitkultur

In der 1800-Seelen-Gemeinde hat sich um den Kulturverein ein Konflikt entzündet.

«Einzelne Vereine wollen nicht, dass wir ihre Termine in den Veranstaltungskalender aufnehmen», sagt Andras Szasz, Vorstandsmitglied des neu gegründeten Vereins Kultur Killwangen. Gemeindeammann Cornelia Biasca geht es einzig ums Geld: «Nein, nein, wir haben keine Probleme, wenn der neue Verein Termine auf seine Homepage stellt, aber Geld wird er von der Gemeinde keines erhalten.» Ein Ansinnen, mit dem der Verein auch gar nie an die Gemeinde herangetreten war.

Reges kulturelles Leben

Der am 11. März gegründete Verein Kultur Killwangen definiert seinen Zweck wie folgt: «Die Unterstützung und Förderung des kulturellen Lebens in Killwangen. Der Verein sucht die Zusammenarbeit mit allen kulturinteressierten Personen und Organisationen von Killwangen.» Die Homepage ist ein interessanter Spiegel des regen kulturellen Lebens in der rund 1800 Einwohner zählenden Gemeinde. Cornelia Biasca anerkennt: «Sie haben eine wunderschöne Homepage.» Dass der Verein die Veranstaltungstermine anderer Organisationen in seiner Agenda publiziert, ist für sie kein Problem: «Bei uns ist jedermann frei, solches zu publizieren, aber Geld kriegt er dafür keines.»

Keine Feier ohne Party

In der neuen Agenda wird unter anderem auf das Osterbasteln, die Hip Hop Dance Week, die Bundesfeier, den Waldumgang oder das Anna-Würsch- Konzert hingewiesen. An der Bundesfeier hatte sich der Konflikt entzündet. Sie ist jeweils Teil der Beachparty im Meierbädli. Gemäss Roland Maurer, Präsident des organisierenden Turnvereins, soll der Kulturverein Anlässe seiner Mitglieder bewerben: «Mich störte, dass unsere Beachparty aufgeführt war, deshalb habe ich verlangt, dass sie gelöscht wird.» Vom Traditionsanlass ist in der Agenda lediglich die Bundesfeier übrig geblieben. Maurer gibt sich aber offen: «Ich kann mir vorstellen, dass ich in einigen Jahren der Publikation der Beachparty zustimmen werde.»

Kommission verteilt Geld

Bereits im Februar, also noch vor der Gründung, war der Gemeinderat in der «Limmatwelle» zum Verein Kultur Killwangen auf Distanz gegangen, mit den Worten: «Die Gruppierung wird durch die Gemeinde finanziell nicht unterstützt.» Um die Anliegen der Vereine im Dorf kümmere sich weiterhin die Vereins- und Kulturkommission Killwangen (VKK). «Die Vereine hatten damals Angst, die Gemeinde würde sie nicht mehr finanziell unterstützen», begründet sie den Vorbehalt gegenüber Kultur Killwangen. Aber daran soll sich nichts ändern. Die Kulturkommission erhält für ihre Aktivitäten pro Jahr rund 5000 Franken. «Das Geld wird mit dem Gemeindebudget bewilligt», sagt Biasca.

Weitere rund 5000 Franken lässt sich die Gemeinde das Anna-Würsch-Konzert kosten. Die Musikerin Anna Würsch hatte die römisch-katholische Kirchgemeinde und die Gemeinde mit einem Legat bedacht. In die Gemeindekasse flossen rund 1,6 Millionen Franken. «Meine Vorgänger haben das Geld zur Schuldentilgung verwendet», sagt Biasca. Im Gedenken an die Spenderin finde jährlich ein Konzert statt: «Es wird durch unsere Kommission organisiert.»

Mehr: www.kultur-killwangen.ch

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