Basler Lehrerschaft

Keine Reform «von oben herab»

So nicht: Der Bildungsraum findet bei der Lehrerschaft keine Gnade. Gegen andere Projekte der Schulharmonisierung haben die Basler aber nichts.

Lehrerschaft

So nicht: Der Bildungsraum findet bei der Lehrerschaft keine Gnade. Gegen andere Projekte der Schulharmonisierung haben die Basler aber nichts.

Die Basler Lehrerschaft zeigt dem Bildungsraum Nordwestschweiz die rote Karte. Vor allem die vierjährige Basisstufe anstelle des Kindergartens lehnen die Basler Lehrkräfte «vehement» ab. Erziehungsdirektor Christoph Eymann zeigte sich enttäuscht über den Widerstand «seiner» Angestellten.

David Weber

Letztes Jahr konnte der Basler Bildungsdirektor mit der Idee der Elternpflichten, inklusive Bussen, bei den Lehrkräften punkten. An der gestrigen Jahresversammlung der Staatlichen Schulsynode (SSS) blies Christoph Eymann allerdings eine steife Widerstandsbrise entgegen. Das Meer von gelben Karten im grossen Saal der Messe Schweiz verhiess für den Erziehungsminister nichts Gutes.

Denn rund 1900 der 2027 anwesenden Lehrerinnen und Lehrer (95 Enthaltungen) zeigten dem Bildungsraum Nordwestschweiz nicht nur die gelbe, sondern die rote Karte. Sie unterstützten damit die Vernehmlassungsantwort der SSS zum Schul-Harmonisierungsprojekt Bildungsraum in den beiden Basel, Aargau und Solothurn.

«Sehr enttäuscht» und auch etwas frustriert nahm Eymann (LDP) das klare «Nein» zum Bildungsprojekt entgegen, auch wenn es zu erwarten gewesen sei. Hoffnung schöpfte der Bildungsdirektor allerdings daraus, dass allseits betont wurde, dass man nicht gegen eine Harmonisierung der Schulen sei (siehe Interview rechts). Denn eigentlich unterstützt die SSS grundsätzlich den gemeinsamen Umbau der Volksschulen der Nordwestschweizer Kantone. Konkret bedeutet das: Ja zum HarmoS- und Sonderpädagogik-Konkordat, aber Nein zum Bildungsraum.

Heini Giger, Präsident der SSS, bezeichnete diese Haltung zum Bildungsraum als «Nein, weil». Er versuchte so eine gewisse Differenz zum Baselbieter Lehrerinnen- und Lehrerverein zu schaffen, der mit seinem fundamentalen «Nein Nein Nein» zum Bildungsraum, wie Giger es nannte, im März für Schlagzeilen sorgte.

Nein zur Basisstufe

In der differenzierten Stellungnahme befürworten die Basler Lehrerinnen und Lehrer die gesamtschweizerische Annäherung der Bildungssysteme. Konkret wird die Verlängerung der Primarschule, das Verschwinden der Orientierungs- und Weiterbildungsstufe sowie die Errichtung einer dreistufigen Sekundarstufe für alle akzeptiert.

Aber, und das wurde gestern von der Kindergarten- bis zur Gymnasiumsstufe mehr als deutlich, die vierjährige Basisstufe wird vehement abgelehnt. In einer solchen sollen die zwei Kindergarten- und die ersten Primarschuljahre zusammengefasst werden. Dies solle nicht verbindlicher Teil des Staatsvertrages zum Bildungsraum sein. Die Basisstufe mit der stärkeren Durchmischung der Altersklassen würde zur Auflösung einer stabilen Beziehungsstruktur für die Kinder führen, warnte etwa Matthias Meier, Vorsteher der Primarlehrerkonferenz.

Einig, dass man sich nicht einig ist

Überhaupt sei das Mittel des Staatsvertrags zu starr. Die SSS befürchtet, dass dadurch das Bildungs-
system unflexibel wird. «Es darf nicht sein, dass jede kantonale Änderung des Schulsystems eine Anpassung des Staatsvertrags bedingt», sagte Giger. In der Vernehmlassungsantwort wird deutlich, dass die Lehrer den Bildungsraum als eine Reform «von oben herab» wahrnehmen. Das sei eine ineffiziente Unternehmung. Die Lehrerschaft müsse ins Boot geholt werden, forderte Giger.

«We agree to disagree» (Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind), sagte Eymann an der Schulsynode, die ohne harsche Worte über die Bühne ging. «Der Bildungsraum, der vielen zu weit ist», sagte Eymann, «hat für mich derzeit eine beklemmende Enge.» Man versuche ihn in einer Vielzahl von Details verschwinden zu lassen. Die Ausgestaltung der Details sollten aber dem Parlament überlassen und keinesfalls in eine Abstimmungsvorlage integriert werden.

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