Frauenquote

Keine Frauenquote: FDP-Bundesrat Didier Burkhalter unter Beschuss

Man spricht wieder über die Frauenquote. Denn noch immer sind Frauen im oberen Kader stark untervertreten. key

Man spricht wieder über die Frauenquote. Denn noch immer sind Frauen im oberen Kader stark untervertreten. key

Nur gerade vier Frauen, dafür aber 18 Männer, rekrutierte Aussenminister Didier Burkhalter 2012 für den diplomatischen Dienst. Er schaffte damit die paritätische Frauenquote ab, die Vorgängerin Micheline Calmy-Rey 2005 eingeführt hatte.

Nur gerade vier Frauen, dafür aber 18 Männer, rekrutierte Aussenminister Didier Burkhalter 2012 für den diplomatischen Dienst. Er schaffte damit die paritätische Frauenquote ab, die Vorgängerin Micheline Calmy-Rey 2005 eingeführt hatte. Das stösst den Frauen, vor allem den FDP-Frauen, sauer auf, wie Recherchen zeigen. «Der Entscheid hat den Zeitgeist nicht getroffen», bestätigt FDP-Frauenpräsidentin Carmen Walker Späh gegenüber der Zeitung „Der Sonntag". «Den geringen Frauenanteil nicht erhöhen zu wollen ist ein Schritt in die falsche Richtung.

Wir bedauern dieses Signal. Immerhin ist jede zweite Studienabgängerin eine Frau.» Dies hätten die FDP-Frauen ihrem eigenen FDP-Bundesrat Didier Burkhalter auch persönlich mitgeteilt, betont Walker Späh. «Wir FDP-Frauen gingen auf Bundesrat Burkhalter zu.» Der Staat habe für die FDP-Frauen klar Vorbildfunktion. „Er muss vorangehen und so ein Zeichen für die Wirtschaft setzen», betont sie - und fügt hinzu: «Ich befürchte, dass mit der Einführung der Frauenquote in der EU unsere gut ausgebildeten Frauen auswandern, da sie dort willkommener sind.»

In der Schweiz bestehe «dringender Handlungsbedarf, da das Phänomen der gläsernen Decke leider Realität ist». Frauen, die in der Schweiz Karriere machen wollten, sollten dies auch können. Walker Späh: «Immerhin hat der Staat viel Geld in ihre Ausbildung investiert.» Sie wünsche sich für die Zukunft, dass Burkhalter den Mut habe, eine Frauenquote von 30 Prozent anzustreben. Didier Burkhalter sei «genau so unbefriedigt über die Situation wie die FDP-Frauen selbst», sagt dessen Kommunikationschef Jean-Marc Crevoisier.

«Wir haben heute im diplomatischen Korps 15 Missionschefinnen. Das sind 14 Prozent aller Missionschefs. Das ist zu wenig. Es bleibt unser Ziel, diese Zahl zu erhöhen.» Klar sei allerdings, dass Burkhalter Frauenförderung nicht mehr auf Kosten des Nachwuchses oder durch die Bestrafung von Männern betreiben wolle.

Durch die Paritätspolitik von Micheline Calmy-Rey wurden zu wenig neue Diplomaten rekrutiert - es kamen nur so viele Männer pro Jahr in den diplomatischen Dienst wie sich auch Frauen qualifiziert haben - dadurch sei der «Nachwuchs ausgetrocknet» worden, sagt Crevoisier. Deshalb habe es 2012 einen Rekord neuer Rekrutierungen gegeben. Das sei eine Vorgabe Burkhalters gewesen.

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