Christof Forster

Falls die Stabilisierung des Euros gelingt, profitiert auch die Schweiz stark davon. Müssen wir dafür einen Solidaritätsbeitrag leisten?
Michael Reiterer:
Nein. Die Europäische Kommission hat keinerlei Forderungen an die Schweiz gestellt – und hat auch nicht vor, dies zu tun. Die Schweiz beteiligt sich als Mitglied des Internationalen Währungsfonds an der Euro-Hilfe. Zudem hat die Schweizerische Nationalbank mit Euro-Stützkäufen interveniert. Die Nationalbank beteiligt sich auch an Swap-Geschäften mit der Europäischen und der Amerikanischen Zentralbank. Die Schweiz hat ein Eigeninteresse an einem stabilen Euro.

Sie sehen die Schweiz also nicht als Trittbrettfahrerin?
Reiterer:
Wir haben keinerlei Forderungen an die Schweiz gestellt. Wenn das thematisiert wird, so ist das in einzelnen Mitgliedsstaaten. Es gibt auch innerhalb der EU verschiedene Meinungen. So wird sich Schweden am Euro-Schutzschirm finanziell beteiligen, obwohl das Land nicht Mitglied der Euro-Zone ist.

Können Sie sich vorstellen, dass es innerhalb der EU eine politische Dynamik in Richtung finanzieller Beteiligung
der Schweiz am Rettungspaket geben wird?

Reiterer:
Dies wird jetzt zwar hier und dort konstruiert. Doch wir haben nicht vor, Nicht-EU-Mitglieder oder Nicht-Euro-Länder zur Kasse zu bitten.

In der Schweiz machen sich viele Sorgen um den Euro. Wie steht es
um die Einheitswährung?

Reiterer:
Die Krise ist ernst, doch deren Ausmass wurde erkannt. Deshalb hat die EU solidarisch diese Massnahmen ergriffen. Damit signalisieren wir, dass wir zum Euro stehen. Der Euro als Währung ist nicht in Gefahr. Er ist weiterhin die zweitwichtigste Weltwährung und eine der grossen Reservewährungen. Der Euro hat zwar in den vergangenen Monaten verloren, doch in der Langzeitperspektive hat er sich seit seiner Einführung gegenüber dem Dollar gehalten.

Trotz des Rettungsschirms ist der Euro gestern Morgen unter die Fr. 1.40 gefallen. Was kann die EU denn noch tun, um die Währung zu stabilisieren?
Reiterer:
Es ist schwierig, das Vertrauen der Märkte zurückzuerlangen. Die EU-Finanzminister treffen sich deshalb und diskutieren vertrauensbildende Massnahmen, die ich nicht im Detail kenne. Das 750-Milliarden-Paket ist substanziell. Jetzt sind wir stark in der Psychologie. Wir müssen gegen spekulative Tendenzen ankämpfen.

Ist die Euro-Zone in der schwierigsten Situation seit dem Ersten Weltkrieg, wie dies Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, am Wochenende erklärte?
Reiterer:
Klar ist es eine schwierige Situation. Aber man sollte nicht Vergleiche anstellen, welche die Leute zusätzlich beunruhigen.