12 Jahre nach der Tat
«Keine einzige Spur»: Weshalb die Staatsanwaltschaft den Mordfall Ylenia nicht neu aufrollt

Zwölf Jahre nach dem gewaltsamen Tod der fünfjährigen Ylenia haben sich die St.Galler Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei noch einmal zum Fall geäussert. Hintergrund: Ein Buchautor und ein Ex-Polizist behaupten, dass alles ganz anders gelaufen sei als bisher bekannt.

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Am 31. Juli 2007 wollte Ylenia Lenhard im Hallenbad in Appenzell eine vergessene Shampoo-Flasche holen. Doch die damals 5-Jährige kehrte nie nach Hause zurück.
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Der Entführer Urs Hans von Aesch, ein in Spanien lebender Schweizer Rentner, tötete Ylenia an jenem Tag und nahm sich das Leben.
Schweizer Polizeibeamte durchsuchen am 10. August 2007 das Haus des 67-jährigen Rentners im spanischen Alicante.
Später fanden Spaziergänger Ylenias Rucksack mit ihren Kleidern und ihren Velohelm sowie ihr Kickboard.
In den folgenden drei Wochen wurde in den Wäldern der Umgebung sowohl von der Polizei als auch von Privatpersonen vergeblich nach Ylenia gesucht.
Auch in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst wurde der Fall geschildert, jedoch ohne nennenswerte Ergebnisse.
Am 15. September 2007 wurde Ylenias Leiche im Hartmannswald von einer Privatperson gefunden, welche bereits seit drei Wochen nach Ylenia gesucht hatte.
Ihr Körper war in etwa 50 Zentimetern Tiefe vergraben und von Wildtieren teilweise freigelegt worden.
Der Fundort lag zudem etwa 200 Meter entfernt von der Stelle, wo Ylenias Kickboard gefunden wurde.
Rechtsmedizinische und kriminaltechnische Untersuchungen ergaben, dass Ylenia keine körperliche Gewalt angetan wurde und sie nicht sexuell missbraucht worden war. Die abgeschlossenen Untersuchungen vom 19. November 2007 ergaben, dass Ylenia an einer Toluol-Vergiftung starb.
Kopie von Der Fall Ylenia in Bildern
2017 jährt sich das schreckliche Verbrechen zum zehnten Mal. Ylenias Mutter Charlotte Lenhard blickt zurück.
Kurz nach der schrecklichen Tat gründete Charlotte Lenhard eine Stiftung. Die Einrichtung unterstützt in Erinnerung an Ylenia Kinder in Not.

Am 31. Juli 2007 wollte Ylenia Lenhard im Hallenbad in Appenzell eine vergessene Shampoo-Flasche holen. Doch die damals 5-Jährige kehrte nie nach Hause zurück.

Keystone

An der Medienkonferenz lieferten die Strafverfolgungsbehörden Fakten, um die medialen Spekulationen zu entkräften. Urs Hans von Aesch war der alleinige Täter und Mörder im Fall Ylenia. So kommunizierten es die St.Galler Strafverfolgungsbehörden an einer Medienkonferenz zum Fall Ylenia im Jahr 2007.

Dasselbe taten sie auch heute, knapp zwölf Jahre später. Während einer Stunde legten der Erste Staatsanwalt Christoph ILL und Stefan Kühne, Leiter der Kriminalpolizei, Fakten dar, welche die aktuellen Spekulationen verschiedener Medien entkräften sollten, wonach Ylenias Mörder einen Mittäter gehabt haben soll.

«Verdacht ist nie entstanden»

Die im «Blick» und in Beiträgen von «TVO» geäusserten Vorwürfe, wonach die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft unsorgfältig gearbeitet hätten, liessen die Behörden nicht auf sich sitzen. ILL und Kühne betonten, dass die Strafverfolgungsbehörden während knapp eines Jahres im Fall Ylenia sorgfältigst gearbeitet und alles Wesentliche untersucht hätten.

Dabei sei nie der Verdacht entstanden, dass Urs Hans von Aesch einen Mittäter gehabt haben könnte, wie dies in verschiedenen Medien aktuell behauptet werde.

«Keine DNA-Spuren einer Drittperson»

Kühne begründete:

Weder im weissen Lieferwagen, an der Schusswaffe von Urs Hans von Aesch oder an seinem Werkzeug noch auf Ylenias Kickboard oder Rucksack fanden wir DNA-Spuren einer dritten Person. Auf allen Gegenständen waren lediglich die DNA-Spuren von Ylenia und von Aesch. Es gab keine einzige Spur, die einem möglichen Mittäter hätte zugeordnet werden können.

Explizit erläutert Kühne, dass aufgrund der kriminaltechnischen und rechtsmedizinischen Untersuchungen am Suizid von Urs Hans von Aesch kein Zweifel bestehen könne. Auf seiner Leiche, insbesondere an seiner Hand, seien Schmauchspuren gesichert worden.

Über 1500 Hinweisen nachgegangen

Auch den in den Medien erhobenen Anschuldigungen, man habe Zeugen nicht ernst genommen oder deren Aussagen falsch gewürdigt, widersprachen ILL und Kühne. Die Polizei sei mehr als 1500 Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen. Dabei hätten sie allerdings feststellen müssen, dass viele davon nicht den Tatsachen entsprechen würden.

Das gelte auch für die beiden Zeugen, die vergangene Woche in mehreren Medien zu Wort gekommen sind. Sowohl ILL als auch Kühne wunderten sich in ihren Erläuterungen darüber, dass die Erinnerungen von Zeuge A.R. und Zeugin N.B. nach zwölf Jahren konkreter als damals geworden seien und weder mit früheren eigenen Aussagen noch mit Aussagen weiterer Zeugen oder der Spurenlage übereinstimmten.

Kein begründeter Tatverdacht gegen andere Personen

Eine Wiederaufnahme des Falls Ylenia sei juristisch nicht möglich, zumal keine Wiederaufnahmegründe vorhanden seien, sagt ILL. Auch nach den medialen Spekulationen gebe es keinen begründeten Tatverdacht gegen eine andere Person als gegen Urs Hans von Aesch. «Trotzdem nehmen wir neue Hinweise aus der Bevölkerung jederzeit entgegen und leiten sie zur Beurteilung an die Staatsanwaltschaft weiter», sagt Kripo-Leiter Stefan Kühne.

Alle Ausführungen der St.Galler Staatsanwaltschaft können Sie in unserem Newsticker nachlesen: