Der vom Regierungsrat bei 47 000 Personen festgelegte Höchstwert beim Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) ist im Jahr 2008 überschritten worden, sagte die Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer gestern Abend vor den Medien. Total fühlten sich letztes Jahr 49 035 Menschen tagsüber stark belästigt und in der Nacht stark gestört. Damit wurde der ZFI-Richtwert um gut vier Prozent überschritten. Der Monitoringwert, der sich an der subjektiven Lärmbelastung orientiert, nahm im Vergleich zu 2008 um sechs Prozent zu. Gemäss Flughafengesetz müssen die Zürcher Behörden darauf hinwirken, dass der Richtwert nicht überschritten wird.

Dass der ZFI-Höchstwert bereits im zweiten Erhebungsjahr erreicht wird, hätte sich der Regierungsrat nicht gedacht, wie Fuhrer einräumte. Der Zuwachs sei zu rund 60 Prozent durch den Flugbetrieb verursacht worden, für 40 Prozent sei das Bevölkerungswachstum rund um den Flughafen verantwortlich. Menschen, die in die Nähe des Flughafens zögen, müssten sich bewusst sein, dass es in dieser Region laut sei.

Wegen der Überschreitung des ZFI-Höchstwerts müssen Massnahmen getroffen werden. Aber, so die SVP-Politikerin, «es sind keine Massnahmen geplant, die eine rasche Reduktion des Werts zuliessen». Das vom Regierungsrat verabschiedete Massnahmenkonzept setze beim Flugbetrieb und bei der Raumentwicklung an. Eine Beschränkung der Flugbewegung oder die Ausdehnung der Nachtflugsperre kämen aber nicht in Frage, erklärte Rita Fuhrer. Ein Marschhalt sei erst bei jährlich 320 000 Flugbewegungen vorgesehen.

Im Verkehrsrichtplan «Flughafen Zürich» will der Kanton Zürich mit einer neu zu schaffenden Abgrenzungslinie dafür sorgen, dass in Gebieten, in denen der Lärmgrenzwert erreicht oder überschritten wird, keine neuen Siedlungsgebiete und Neueinzonungen für Wohnzwecke mehr möglich sind. Um- oder Aufzonungen sollen ebenfalls nicht mehr erlaubt werden, und Wohnungen innerhalb dieser Abgrenzungslinie sollen mit hochwertigen Lärmschutzmassnahmen ausgestattet werden.

Die SP und die Grünen reagierten mit Besorgnis auf den ZFI-Bericht. Zusammen mit dem Dachverband Fluglärmschutz forderten sie eine konsequente Einhaltung der Nachtruhe von sieben Stunden. Die SVP forderte daneben auch ein konsequentes Vorgehen des Regierungsrates und des Bundes bei Verhandlungen mit der deutschen Regierung. Pro Flughafen begrüsste das Massnahmenkonzept des Regierungsrates. (MRE/Ap)