Keine Burka für Aargauer Lehrerinnen

Die Regierung sieht keine Notwendigkeit, Kruzifixe aus den Schulzimmern zu entfernen. Bei Lehrkräften duldet sie aber keine starken religiösen Symbole wie eine Burka oder ein Kopftuch.

Mathias Küng

In manchen Schulzimmern hängt heute noch ein Kruzifix. Das führt immer wieder zu Debatten über die von öffentlichen Schulen verlangte religiöse Neutralität. Jüngst auch wieder im Aargau – ausgelöst durch eine entsprechende Forderung der Jungsozialisten. Davon aufgeschreckt, wollte SD-Grossrat René Kunz in einer Interpellation Auskunft über den Stand der Dinge.

In ihrer Antwort schreibt die Kantonsregierung, der Zusammenhalt der Gesellschaft erfordere «in der Beziehung zwischen Religionsgemeinschaften gegenseitige(n) Respekt, Toleranz und Rücksichtnahme». Die Regierung erachtet es nicht als erforderlich, «generelle Regelungen oder Verbote dort durchzusetzen, wo selbstständige Schulen vor Ort Traditionen pflegen, welche die Erfüllung gesetzlicher Aufgaben nicht hindern und nicht Anlass zu Reklamationen geben». Stetig wachsende Glaubensforderungen sind der Regierung im Übrigen nicht bekannt.

Konkret sieht sie «keine Notwendigkeit und keine Verpflichtung, Kruzifixe oder andere christliche Symbole aus Schulzimmern und öffentlichen Räumen zu verbannen». Weiter ist sie der Auffassung, «dass es Schulpflegen, Schulleitungen und Lehrpersonen der lokalen Schulen überlassen werden darf, die Kruzifix-Frage selbstständig zu regeln, wenn und soweit ein Regelungsbedarf überhaupt besteht».

Rechtsordnung bleibt Fundament

Auf die drängende Frage von Kunz, ob «unsere ethischen Werte die christlich-abendländischen Grundwerte beinhalten sollen», antwortet der Regierungsrat, die schweizerische und kantonale Rechtsordnung seien und blieben «das massgebende Fundament und Regelwerk für das Zusammenleben aller Menschen unseres Landes».

Burka kommt nicht infrage

Zur Frage religiöser Symbole in der Kleidung stellt die Regierung klar, das aargauische Schulrecht kenne keine Kleidervorschriften für Schülerinnen und Schüler. Daher müssten religiöse Kleidungsstücke toleriert werden. Die Regierung würde hier ohne Not auch keine generellen Verbote aufstellen.

Der Regierungsrat ist weiter der Auffassung, dass Respekt, Toleranz und Rücksichtnahme von Lehrpersonen gegenüber konfessionell gemischten Klassen sowie die Wahrung optimaler Unterrichtsbedingungen das Tragen starker religiöser Symbole – wie Kopftücher und Burkas – durch Lehrkräfte ausschliessen. Ob und allenfalls wie weit Angestellte des Staats berechtigt sind, solche Symbole zu tragen, hänge im Einzelfall stark von der Abwägung konkreter Interessen von Arbeitgeber und Angestellten ab.

«Umgang mit religiösen Bedürfnissen an der Volksschule» (www.ag.ch/ike/de/pub/schulkultur/religionen.php)

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