Utzensdorf

Kein Überbrücken – dem Bürger zuliebe

Eine telefonische Umfrage zeigt: Auch einen Tag nach der Auffahrt haben etliche Gemeindeverwaltungen in der Region Emme offen. Die Mitarbeitenden sitzen aber nicht etwa wartend da – die Bevölkerung nutzt dieses Angebot rege und gerne. (Illustration: Jürg Kühni)

Brücke

Eine telefonische Umfrage zeigt: Auch einen Tag nach der Auffahrt haben etliche Gemeindeverwaltungen in der Region Emme offen. Die Mitarbeitenden sitzen aber nicht etwa wartend da – die Bevölkerung nutzt dieses Angebot rege und gerne. (Illustration: Jürg Kühni)

Einen Tag nach der Auffahrt haben zahlreiche Menschen frei, machen die so genannte Brücke und geniessen ein langes Wochenende. Auch die Gemeindeverwaltungen in der Region Emme bleiben geschlossen; das denken deren Kundinnen und Kunden teilweise. Keine Auskunft heute, nur der Anrufbeantworter, der mitteilt: «Wir haben frei.» Doch nach einer Umfrage muss zugegeben werden: Die Annahme ist nicht unbedingt richtig.

Fabienne Wüthrich

Hart gearbeitet wird beispielsweise auf Utzenstorfs Gemeindeverwaltung. «Dem Bürger zuliebe verzichten wir auf die Brücke nach der Auffahrt», sagt Christoph Hubacher, Leiter der Gemeindeverwaltung. Das sei ein Bedürfnis und werde von den Kunden geschätzt. Er erklärt: «Wir handhaben das bereits seit mehreren Jahren so.» Selbstverständlich hätten ein paar Mitarbeitende frei - jede Abteilung sei aber besetzt. «Wir ziehen keine Lose, wer arbeiten muss. Das geht nach Einsatzplan», sagt Hubacher lachend. Sie würden versuchen, die Dienste fair aufzuteilen. «Ein Jahr ist ein Mitarbeitender zum Dienst nach der Auffahrt eingeteilt - dann wieder nicht.»

Haben sie etwas zu tun? - so lautet die freche Frage an den Gemeindeschreiber. «Natürlich», sagt er, «wir sind hier nicht am Jassen.» Würde sich das nicht rentieren, hätten die Verwaltung zu. Als Beweis erklärt Hubacher: Just in diesem Moment seien zwei Autos auf den Parkplatz gefahren. «Sie sehen, die Leute kommen durchaus vorbei.» Momentan würden vor allem Pässe und Identitätskarten beantragt - heute seien es zehn gewesen. Laut Hubacher kamen etwa 25 Personen vorbei, sie beschäftigten Themen wie Kehrrichtmarken, Steuererklärungen und das Fundbüro. Zudem rief die Polizei an. «Diese wollte etwas über einen Einwohner in Wiler wissen.» Da die dortige Gemeindeverwaltung geschlossen sei, versuchte sie es in Utzenstorf. «Wir konnten leider nicht weiterhelfen», sagt er.

Mit der Polizei muss sich Zielebachs Gemeindschreiberei einen Tag nach der Auffahrt nicht auseinandersetzen. Denn nach drei Mal klingeln lassen ist klar: Zielebachs Verwaltung bleibt geschlossen. «Ich bin heute nicht da», sagt Gemeindeschreiberin Verena Niederhauser ab Band. Am Montag sei sie wieder erreichbar. Zum Schluss haucht sie noch freundlich: «Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.»

Das wünscht sich auch Schalunens Gemeindeschreiberin Susanne Ryser. Aber: «Ich habe Etliches zu erledigen», sagt sie. Deshalb sei die Verwaltung nicht geschlossen. «So kann ich in Ruhe arbeiten.» Es würden nämlich nicht viele Menschen die Verwaltung aufsuchen. «Obwohl sie mein Auto sehen, schauen die Leute nur vereinzelt vorbei.» Diese würden höchstens Kehrichtmarken abholen. Jammern über den Arbeitstag mag Ryser nicht: Ihre Kollegin und sie könnten jeweils auswählen, ob nach der Auffahrt die Brücke gemacht werde oder nicht.

Obwohl Rüdtligen-Alchenflühs Verwaltung nach der Auffahrt nicht offen hat, bietet deren Gemeindeschreiber Urs Lüthi einen guten Service an. Er nimmt sich an seinem freien Tag Zeit, um einen Artikel zu lesen und Korrekturen anzubringen. «Das ist kein Problem», so Lüthi. Gesagt, geschickt - nach wenigen Minuten hat er den Text bereits geändert zurückgemailt. Wenn das nicht vorbildlich ist.

Mustergültig ist ebenfalls Bätterkinden: «Wir sind voll am Arbeiten», sagt Gemeindeschreiber Paul Röthlisberger. Er sei seit 32 Jahren in dieser Position tätig und bisher hätten sie die Verwaltung nach der Auffahrt nie geschlossen. Er konkretisiert: «Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb und haben für die Leute da zu sein - nicht sie für uns.» So wolle die Verwaltung den Menschen die Möglichkeit bieten, an ihrem freien Tag vorbeizukommen. Natürlich seien nicht alle Mitarbeitenden anwesend, manche hätten frei. Die anderen würden ihren Dienst ohne jegliches Murren leisten. Laut Röthlisberger sind solche Öffnungszeitung nur dank einer guten Organisation möglich. Andere Verwaltungen würden über diese Tage geschlossen, «was durchaus erlaubt ist», sagt er. «Wir handhaben das einfach anders.» Langweilig werde es dem Personal nicht. «Es gibt genug zu tun.»

Arbeit ist doch immer genug vorhanden, trotzdem soll dem Gemeindepersonal einmal eine kleine Verschnaufpause vergönnt sein. Das denken auf jeden Fall die Gemeinden Alchenstorf, Hellsau, Höchstetten, Kirchberg Koppigen, Wiler und Willadingen - sie haben alle bis am Montagmorgen geschlossen. Vor allem die Gemeinde Kirchberg hofft hierbei auf die Toleranz der Bevölkerung und erklärt ab dem Telefontonband: «Wir danken Ihnen für das Verständnis.» Das hat sie sicherlich.

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