Rechtsextremismus
"Kein Rockkonzert, sondern ein Balladeabend" – Pnos-Präsident rechtfertigt nächste Rechtsrock-Veranstaltung

Die Pnos spricht von einem «Balladeabend». Der Flak-Sänger ist jedoch bekannt.

Doris Kleck
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Dominic Lüthard, Präsident der Pnos, wurde 2002 wegen Landfriedensbruch verurteilt.

Dominic Lüthard, Präsident der Pnos, wurde 2002 wegen Landfriedensbruch verurteilt.

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6000 Rechtsextreme besuchten am Samstag ein Konzert im toggenburgischen Unterwasser. Die Schweiz ist schockiert – doch eine deutsche Rechtsband namens «Flak» kann das nicht verstehen. «Die Schweiz steht kopf – ohne Grund», postete die Band heute Abend auf Facebook. Und: «Danke für die Werbung». Sie machte sich nicht nur lustig über die «schreibende Gutmenschen-Brigade», die «keine Beweise» für Straftaten habe. Die Band ruft auch noch auf, am Samstag wieder in die Schweiz zu reisen für einen «sympathischen Balladeabend von Phil». Aus der Nachricht wird deutlich, dass Phil am letzten Abend auch in Unterwasser war.

Phil, das ist der Sänger der Band Flak. Er tritt am Samstag an einer Veranstaltung der Pnos (Partei national orientierter Schweizer) auf. Gemäss der Organisation Antifa findet der Anlass in Rapperswil statt. Pnos-Präsident Dominic Lüthard will diese Information weder bestätigen noch dementieren. Er sagt nur, dass der Anlass in der Ostschweiz durchgeführt werde. Lüthard kann nicht verstehen, dass die Veranstaltung für Schlagzeilen sorgt. Sie sei nicht mit dem Konzert in Unterwasser vergleichbar – ausser dass es um ein ähnliches Gedankengut gehe. Die Pnos feiere die Gründung von fünf neuen Sektionen in der Ostschweiz.

Dominic Lüthard

Der 33-jährige Dominic Lüthard kommt aus dem Oberaargau und ist Präsident der Pnos (Partei national orientierter Schweizer). 2002 wurde er wegen Landfriedensbruch verurteilt. Lüthard fiel mehrfach durch seine Äusserungen auf. Die ehemalige Miss Schweiz Whitney Toyloy bezeichnete er etwa als «Geschwür». 2011 hetzte er auf dem Rütli gegen «ausländisches Lumpenpack». Gemäss Lüthard hat die Pnos 400 Mitglieder: «Wir sind Eidgenossen und unser Ziel ist, dass in 50, 70 oder 100 Jahren in der Schweiz die Eidgenossen immer noch in der Mehrheit sind.»

Für den musikalischen Rahmen sei der Sänger von Flak verantwortlich: «Es handelt sich nicht um ein Rockkonzert, sondern um einen Balladeabend.» Gemäss Lüthard wird die Veranstaltung in einem privaten Rahmen durchgeführt. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass in Rapperswil-Jona kein Bewilligungsgesuch der Pnos eingegangen ist, wie Stadtschreiber Hansjörg Goldener sagt.

In den Augen des Pnos-Präsidenten, er bezeichnet die Berichterstattung um das Neonazi-Konzert im Toggenburg als «Hexenjagd», handelt es sich bei Phil also um einen harmlosen Balladensänger. Indes: Er ist in der rechtsextremen Szene ein beschriebenes Blatt. So ist der Sänger involviert in einen der grössten Neonazi-Prozesse in Deutschland. Am Landgericht Koblenz wird seit vier Jahren der Prozess gegen das Aktionsbündnis Mittelrhein verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft den 26 Angeklagten unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzung, schwerer Landfriedensbruch und Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen vor.

Die Band Flak hatte ihr erstes Album 2010 veröffentlicht, es wurde in Deutschland auf den Index gesetzt. Seit der Razzia gegen das Aktionsbündnis Mittelrhein im 2012 hat die Band keine Konzerte mehr gegeben. Im letzten Jahr hat sie nun ihr zweites Album veröffentlicht und im November wird die Band ihr erstes Konzert seit vier Jahren spielen: An einem Neonazi-Event in Deutschland – zusammen mit Frontalkraft, eine Rechtsrockband, die in Unterwasser auf der Bühne stand. Aus Facebook-Einträgen von Flak lässt sich schliessen, dass der Vorverkauf für den Event am letzten Samstag gestartet wurde – im Toggenburg.