Ferienheim Huttwil
Kein Platz für Asylbewerberzentrum

Zuerst wollte der Kanton das Ferienheim Huttwil im Eriz zur Unterbringung von Asylbewerbern kaufen, dann mieten. Daraus wird nichts: Das Ferienheim steht wieder Schulen für Lager zur Verfügung. Was die Erizer freut, ärgert das kantonale Migrationsamt.

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Berner Rundschau

Bruno Utz

«Wir sind in Abklärungen und Verhandlungen. Mehr will ich dazu nicht sagen.» Konfrontiert mit der Tatsache, dass das für rund 50 Asylbewerber vorgesehene Ferienheim Huttwil im Eriz nicht wie mit den Huttwiler Verantwortlichen vertraglich abgemacht ab Mai als so genanntes Sachabgabezentrum für abgewiesene Asylbewerber genutzt werden darf, gibt sich Florian Düblin, der Leiter des kantonalen Migrationsamtes zugeknöpft.

Zu spät erkundigt

«Es ist ein Fehler passiert. Das ist nicht so gut für uns», gibt hingegen Peter Röthlisberger unumwunden zu. Der Präsident der Huttwiler Ferienheim-Stiftung räumt ein, man habe sich zu spät beim Amt für Sozialversicherungen und Stiftungsaufsicht (ASVS) nach der Rechtmässigkeit der Umnutzung erkundigt. Vor zwei, drei Wochen habe er dann erfahren, dass es nicht klappt. «Wir haben die Stiftungsgründer Einwohnergemeinde, Burgergemeinde, Herdgemeinde und Kirche informiert und warten auf den Bescheid, wie es weitergehen soll», sagt Röthlisberger. Das Heim sei nun wieder für die Durchführung von Schullager und Landschulwochen zu haben. www ferienheim-eriz.ch sei bereits wieder im Internet aufgeschaltet.

Der ursprünglich geplante Verkauf des bald 40-jährigen Heimes werde jedoch erneut aufs Tapet kommen, ist Röthlisberger überzeugt. Laut dem Huttwiler Gemeindepräsidenten Hansjörg Muralt stand das Ferienheim gestern Abend auf der Traktandenliste des Gemeinderates. Die Gemeinde stehe nicht unter Druck. «Aber die Umnutzung ist nicht optimal gelaufen», räumt Muralt ein.
Straffes Stiftungsrecht

Gestolpert sind die Verantwortlichen von Kanton und Huttwil über den Stiftungszweck. «Um dem Missbrauch mit Stiftungen vorzubeugen, ist das Recht sehr straff», sagt ASVS-Vorsteherin Regula Hartmann. Es sei schwierig, den einmal definierten Zweck beinahe grundlos abzuändern. Dass das Anfang vergangenen Winter stillgelegte Ferienheim Twannberg als Asylzentrum genutzt werden kann, erklärt Hartmann mit einer anderen Zuständigkeit. «Die Stiftung Twannberg untersteht eidgenössischem Recht.»

Erizer wollen kein Zentrum

Während sich Migrationsamt und Stiftung in Schadensbegrenzung üben, löst die Wende im Eriz selber Freude aus. «Ist das sicher, offiziell habe ich davon noch nichts gehört», sagt Gemeindepräsident Fritz Kropf. Er sei jedoch sehr froh darüber, wenn das Asylbewerber-Zentrum nicht komme. Am öffentlichen Info-Anlass des Migrationsamtes vom 24. März sei die Stimmung hitzig gewesen. «Die Bürgerinnen und Bürger wollten nicht akzeptieren, dass die Asylbewerber in unser, abgelegenes kleines 500 Seelen-Dorf abgeschoben werden», so Kropf.

Selbstverständlich seien die gewohnten Nutzer der drei Ferienheime im Eriz weiterhin willkommen. Neben Huttwil besitzen noch Steffisburg und Wynigen am Hang des Hohgant ein Ferienheim. Dasjenige der Wyniger liegt nur wenige Meter entfernt des Huttwiler Heimes. «Es ist gut, wenn das Asylzentum nicht realisiert wird», sagt Ernst Wagner, der Präsident des Vereins Ferienheim Wynigen. Nach Bekanntwerden der Pläne habe es zwei Absagen gegeben. Wagner: «Im übrigen läuft jedoch alles normal. Wir sind gut besetzt.»