Urs Byland

Die Sek-1-Reform verändert die Schullandschaft in Grenchen wesentlich. Das zeigt sich bereits daran, dass die Grenchner Projektgruppe in ihren Varianten für das neue Zentrum Oberstufe auch einen Neubau in Betracht zieht. Die dafür nötigen und berechneten 41 Mio. Franken dürften aber jenseits von Gut und Böse liegen, wie die Diskussion im Gemeinderat ergab. Dort stellte die Projektgruppe den Zwischenstand der Arbeiten vor, und wollte vom Gemeinderat hören, in welche Richtung die weiteren Arbeiten geführt werden sollen.

Die Vorgaben kommen vom Kanton, nachdem das Stimmvolk die Sek-1-Reform im November 2006 gutgeheissen hatte. Im Schulkreis Grenchen soll bis 2016 ein Sekundarschulzentrum gebildet werden, das heisst eine geleitete Schule an einem Standort und in einer Schulanlage. Sie bietet anstelle der heutigen Schularten Progymnasium, Bezirks-, Sekundar-, Oberschule und Werkklassen neu die Sekundarschulen P (Progymnasium), E (Erweiterte Anforderungen), B (Basisanforderungen) und K (Kleinklasse) an. Soweit die Vorgaben, die das Ziel haben, die Schüler der Oberstufen besser auszubilden sowie der heute anzutreffenden Ausgrenzung der schulisch schwächeren Schüler entgegenzuwirken.

Bettlach geht eigenen Weg

Bereits im letzten Jahr hat sich Bettlach mit Ausnahme der Sekundarstufe P von Grenchen verabschiedet. Bettlach will eine eigene Sekundarschule für E und B anbieten. Dies erlaubt der Kanton, solange die Schülerzahlen stimmen. Sollte es einmal an Schülern mangeln, bestünden, laut Gemeindepräsident Hans Kübli, mit Grenchen vertragliche Abmachungen in Bezug auf einen Schüleraustausch. «Dieser Vertrag muss zuerst ausgehandelt werden», sagt Grenchens Schulverwalterin Maya Karlen.

Aufgrund der Schülerzahlen rechnet die Projektgruppe mit 22 Klassen bis 2016. Zum Vergleich: heute führt die Oberstufe Grenchen 30 Klassen an vier Standorten. Die Projektgruppe hatte also die Aufgabe, ein Oberstufenzentrum zu finden, das rund 25 Klassenzimmer sowie diverse Nebenräume anbieten kann. Damit fielen die beiden Schulkomplexe Kastels und Eichholz ausser Rang und Traktanden: zu wenig Schulräume.

Problematische Ballung?

Im Gemeinderat wurden vier Varianten vorgestellt, darunter der eingangs erwähnte Neubau für 41 Mio. Franken und die Variante Halden, die mit baulichen Erweiterungen rund 17 Mio. Franken kosten würde. Beide Varianten fanden keine Gnade. Übrig blieben die Variante Zentrum mit Kosten von 7,2 Mio. Franken und eine Variante Zentrum/Halden mit Kosten von 6,25 Mio. Franken. Beide Varianten beinhalten den Bau einer zusätzlichen Turnhalle beim Schulhaus Halden.

Die Variante Zentrum fand sowohl bei der FdP wie bei der CVP wenig Applaus. Befürchtet wird eine problematische Ballung (über 600 «pubertierende» Schülerinnen und Schüler im Zentrum). Beide Parteien favorisieren die Variante Zentrum/Halden, die zu einer Aufteilung der Klassen auf zwei Standorte führen würde. Die SP zieht die Variante Zentrum vor. So oder so dürfte in den nächsten Jahren eine Schülerwanderung in Grenchen stattfinden. Denn auch die Primarschüler müssen teilweise an neue Schulstandorte verteilt werden. «Plötzlich ist beim Kanton der Schulweg kein Thema mehr», kommentiert Stadtpräsident Boris Banga die Situation.