Döttingen
Kein Geld, Wahrzeichen hin oder her

Die Döttinger mögen kein Geld in das alte Gemeindehaus stecken – und sprechen sich gegen den Projektierungskredit für die Sanierung aus.

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Haus

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Aargauer Zeitung

Michael Hunziker

«Das alte Gemeindehaus ist in einem renovationsbedürftigen Zustand und muss dringend saniert werden», sagte Lilli Knecht, Vizeammann in Döttingen, an der Gemeindeversammlung am Freitagabend. Sie sprach von einem Wahrzeichen von Döttingen, einem geschichtsträchtigen Haus, das zum Ortsbild gehöre.

Vorgesehen sei, so Lilli Knecht, die Räumlichkeiten den Vereinen und der Musikschule zur Verfügung zu stellen und ein Büro für die Jugendarbeit einzurichten. Ebenfalls entstehen soll ein Raum für öffentliche Veranstaltungen - für Ausstellungen oder Kurse. Die Vertreterin der Kulturkommission Pro Döttingen bestätigte, dass es heute schwierig sei, geeignete Lokalitäten für kulturelle Anlässe zu finden. Das markante Haus gehöre zum Dorf.

Mehrere Stimmberechtigte hielten dagegen. Eine Sanierung wäre aufwändig, die Kosten stünden in keinem Verhältnis zum gewünschten Nutzen. Es sei mit Problemen zu rechnen. Beim alten Gemeindehaus, so stellte ein Anwesender fest, handle es sich um einen Zweckbau. Das Gebäude sei weder schön noch schützenswert. Seine Forderung: Der Gemeinderat sei zu beauftragen, neue Vorschläge für das Areal «Altes Gemeindehaus» und «Chilbert» ausarbeiten zu lassen, eventuell in Form eines Wettbewerbes. Es gelte, mutig zu sein, in die Zukunft zu schauen und etwas zu wagen. «Es gibt Möglichkeiten.» Sein Überweisungsantrag wurde klar angenommen. Keine Chance hatte der Projektierungskredit von 155 000 Franken. Diesen lehnten die 148 anwesenden Stimmberechtigten mit 80 zu 40 Stimmen ab.

Raum für Pflanzen und Tiere

Mit grosser Mehrheit genehmigte die Gemeindeversammlung den Kredit von 120 000 Franken für die Gestaltung des Naturschutzgebietes Surbe-Neuwingerte. Gemeinderat Mike Spannagel wies auf die Massnahmen hin, mit denen Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen werden soll. Ziel dieses Initialprojekts des Landschafts-Entwicklungs-Konzeptes sei es, das Gebiet aufzuwerten.

Es wurden auch kritische Stimmen laut. Ein Stimmberechtigter vertrat die Ansicht, es müsste ein Gesamtkonzept für das ganze Areal ausgearbeitet werden. Auch die benachbarten Flächen seien zu berücksichtigen und einzubeziehen. Ein anderer bezeichnete die Kosten für die jährliche Pflege als zu hoch. Gemeinderat Spannagel betonte, dass Erweiterungsmöglichkeiten bestehen.

Die Schlüsselmassnahme

Zu einzelnen Fragen und Anmerkungen führte auch die geplante Sanierung der Hauptstrasse im Abschnitt Bücklirain bis Ochsenkreuzung. Zu reden gab vor allem die Verengung im Bereich Müligasse und Kanzleigasse. Ein Rückweisungsantrag wurde allerdings abgelehnt, der Kredit von 1,27 Mio. Franken deutlich angenommen. Ebenfalls mit grosser Mehrheit gutgeheissen hat die Gemeindeversammlung den Planungskredit von 45 000 Franken für das Verkehrskonzept «Einführung Tempo 50/30». Laut Gemeinderat Mike Spannagel ist dieses Modell die Schlüsselmassnahme des Verkehrskonzeptes.

Diskussionslos bewilligt wurden - in knapp zweieinhalb Stunden - die weiteren Geschäfte: Einbürgerungen, Kreditabrechnung, Satzungsänderungen des Gemeindeverbandes Regionalbibliothek Klingnau sowie Voranschlag 2010 mit einem Steuerfuss von 60 Prozent. Ein Antrag aus der Versammlung, es sei ein Betrag von 50 000 Franken für die Anschaffung eines Fahrzeugs für den FC Döttingen aufzunehmen, wurde mit 47 zu 39 Stimmen genehmigt. Unter «Verschiedenes» wurden die zurücktretenden Mitglieder der Schulpflege und der Finanzkommission verabschiedet.

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