Erstes Gripen-Opfer

Kein Geld mehr für Folklore: Maurer will Patrouille Suisse abschaffen

Ab 2016 soll die Schweizer Kunstflugstaffel nicht mehr fliegen. Das hat Verteidigungsminister Ueli Maurer in einer Sitzung der Sicherheitspolitischen Kommission ganz nebenbei verkündet. Bürgerliche Politiker sind empört.

Die Patrouille Suisse ist das Aushängeschild der Schweizer Armee. Doch geht es nach Bundesrat Ueli Maurer, braucht die Armee diesen Imageträger nicht mehr. 2016 sollten die ersten Gripen-Kampfjets in die Schweiz geliefert und die Tiger F5 ersetzt werden. Für Verteidigungsminister ist deshalb klar: 2016 endet die Geschichte der Schweizer Kunstflugstaffel, die 1964 gegründet wurde.

Gemäss einem Artikel der «Basler Zeitung» hat Maurer in einer Sitzung der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates (SIK) das Aus der Patrouille Suisse verkündet. Zwar könnten in Zukunft FA18 oder der Gripen (wenn er denn gekauft wird – der Entscheid steht noch aus) für Flugvorführungen benutzt werden. Doch rot bemalte Kampfjets mit Schweizer Kreuz will Maurer nicht mehr. Um Folklore zu machen, habe die Schweiz künftig keine Flugzeuge mehr, wird Maurer von der «BaZ» zitiert.

Das VBS will das Ende offiziell zwar noch nicht verkünden. «Über die Zukunft der Kunstflugstaffel Patrouille Suisse ist im VBS noch nichts entschieden worden», wir VBS-Sprecherin Karin Suini auf Anfrage «Der Nordwestschweiz» sagt. Sie lässt aber auch durchblicken, dass das Ende wohl unausweichlich ist: «Tatsache ist, dass die Tiger F5 das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben und nach ihrer Ausserdienststellung eine partielle Weiterführung nur für die Patrouille Suisse zu hohe Betriebskosten verursachen würden, welche in keinem Verhältnis zu den weiteren Aufträgen der Armee stehen.»

Bürgerliche Politiker schütteln den Kopf

Bei bürgerlichen Politikern löst Maurers Ankündigung Kopfschütteln aus. CVP-Präsident Christophe Darbelley sagte: «Maurer muss aufhören, alles Sympathische der Armee infrage zu stellen. Das schadet der Armee.» Für BDP-Präsident Martin Landolt kommt das Aus der Patrouille Suisse nicht in Frage.

Das Ende der Patrouille Suisse ist mit der geplanten Ausmusterung der Tiger-Flieger schon länger absehbar. Doch so deutlich wie in der SIK, hatte sich Maurer bislang noch nie geäussert. Die Abschaffung ist denn auch in der Armee nicht unumstritten. Markus Gygax, der bis Ende 2012 Luftwaffenkommandant der Armee war, skizzierte in der «NZZ am Sonntag» einen Rettungsplan für die Patrouille Suisse.

Gygax schwebte vor, dass die Tiger nicht alle auf einmal aus dem Verkehr gezogen werden. Zudem sei eine gemeinsame Kunstflugstaffel mit Schweden zu prüfen, um die Kosten zu senken. Gygax hält die Patrouille Suisse für notwendig. «In unserer direkten Demokratie brauchen wir die Patrouille Suisse, weil wir die Armee immer wieder dem Volk präsentieren müssen.» Schliesslich fälle das Volk an der Urne Entscheide zur Armee, so Gygax. Zum Beispiel, ob die Schweiz den Gripen überhaupt kaufen wird. (dk)

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