Gesundheit

«Keime des Patienten von vorher am Gerät»: Grosse Missstände in Schweizer Spitälern

50'000 Menschen erkranken jedes Jahr wegen Spitalinfektionen. (Symbolbild)

50'000 Menschen erkranken jedes Jahr wegen Spitalinfektionen. (Symbolbild)

Jedes Jahr werden in der Schweiz über 50'000 Menschen krank wegen Spitalinfektionen.

Recherchen der SonntagsZeitung zeigen nun mögliche Quellen: Hersteller beliefern Spitäler zum Teil mit Geräten oder auch Implantaten, die nicht steril sind.

Mindestens zwölf Patienten erkrankten hierzulande nach Herzoperationen wegen demselben Bakterium – weltweit sollen es über 100 sein. Brisant: Bei allen Eingriffen wurde ein Kühlgerät des britischen Herstellers Livanova benutzt. Der Anwalt eines betroffenen Patienten will nun gegen die Firma klagen. 

Von 2005 bis 2018 gab es bei der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic insgesamt 690 Rückrufe wegen nicht steril gelieferten Medizinprodukten. Zahlen zeigen aber auch, dass Spitäler ihre Geräte nicht ausreichend reinigen. Besonders nach Eingriffen im Darm sind Infektionen häufig. Laut der SonntagsZeitung infizierte sich zwischen Oktober 2016 und Oktober 2017 jeder fünfte Patient nach einem solchen Eingriff.

Inspektionsberichte von Swissmedic offenbaren, dass Spitäler Endoskope nicht sachgerecht desinfizieren und aufbewahren. Diese Sonden werden für Untersuchungen im Darm benutzt. So wurden die Geräte teilweise in alten, nicht belüfteten Holzschränken gelagert.

Frédy Cavin, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Sterilgutversorgung, geht als Experte bei Kontrollen der Heilmittelbehörde mit. Er sagt: «Wenn man die Wiederaufbereitung von Endoskopen nicht richtig macht, sind noch die Keime des Patienten von vorher am Gerät.» 

Swissmedic hat gegen die Privatklinik Hirslanden, das Kinderspital Zürich und das Kantonsspital Aarau Sanktionen ausgesprochen. Allerdings fallen die Strafen sehr milde aus. Die Klinik Hirslanden musste nur 1200 Franken Busse bezahlen – das Kinderspital in Zürich 9200 Franken. Letzteres hat für die Behebung der Mängel zwei Jahre benötigt.

Swissmedic vertritt die Meinung, dass die Strafen zu harmlos seien. Deshalb sollen 2019 in einer Schwerpunktaktion besonders die Endoskope unter die Lupe genommen werden. (vom)

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