Biologie

Kaum Mischlinge aus Wolf und Hund in den Schweizer Alpen

Paarungen zwischen Wolf und Hund mit Nachwuchs scheinen in den Schweizer Alpen kaum vorzukommen. Unter den drei bekannten Wolfsrudeln gibt es einer Studie zufolge keine Mischlinge. (Archivbild)

Paarungen zwischen Wolf und Hund mit Nachwuchs scheinen in den Schweizer Alpen kaum vorzukommen. Unter den drei bekannten Wolfsrudeln gibt es einer Studie zufolge keine Mischlinge. (Archivbild)

Weniger als zwei Prozent der Wölfe, die während der letzten zwanzig Jahre in den Schweizer Alpen lebten, sind Mischlinge aus Wolf und Hund. Die genetische Integrität des wilden Wolfsbestands sei nicht gefährdet, berichten Lausanner Forscher.

Beim Anblick eines Pudels und eines Wolfes mag man kaum glauben, dass sie zur selben Art gehören. Und doch sind Hunde eigentlich Wölfe, die vor 10'000 bis 30'000 Jahren vom Menschen domestiziert und fortan gezüchtet wurden. Die zahmen Begleiter des Menschen und ihre wilden Cousins können fruchtbare Nachkommen zeugen und taten dies im Laufe der Geschichte auch immer wieder.

Forschende um Luca Fumagalli von der Universität Lausanne sind der Frage nachgegangen, ob es unter den in die Schweizer Alpen zurückgekehrten Wölfen Anzeichen einer Durchmischung mit Hunden in früheren Generationen gibt. Nachdem Wölfe im späten 19. Jahrhundert in dieser Region ausgerottet worden waren, kehrten sie Mitte der 1990er Jahre allmählich von Italien her in die Schweiz zurück.

Nur zwei von 115 Tieren

Im Fachblatt "Scientific Reports" berichten die Forscher, dass nur knapp zwei Prozent der Wölfe in den Schweizer Alpen tatsächlich genetische Anzeichen einer Kreuzung mit Hunden in einer früheren Generation tragen. Die DNA-Analysen beruhten auf Proben von Speichel, Kot oder Haaren, die zwischen 1998 und 2017 ans Labor für Naturschutzbiologie gelangten. Von 3463 Proben konnten sie 1645 insgesamt 115 Tieren zuordnen.

Das Erbgut dieser 115 Wölfe verglichen die Wissenschaftler mit einer Referenzgruppe von 70 Hunden. Mithilfe mathematischer Simulationen und statistischer Modelle legten sie eine Schwelle fest, ab der ein Wolf nicht mehr als "reiner" Wolf galt. Nur zwei der Tiere verfehlten diese Schwelle, waren also keine "reinen" Wölfe. Frühere Studien in Italien und Spanien lieferten ähnliche Ergebnisse, schrieb die Uni Lausanne.

Die beiden Mischlinge, ein Männchen und ein Weibchen, waren wohl Nachkommen einer Kreuzung zwischen einem Wolfsweibchen und einem Hund, die zwei bis drei Generationen zuvor stattgefunden haben müsse, hiess es weiter. Zudem scheinen die beiden Tiere bereits Ende 2017 die Schweiz wieder verlassen zu haben. Die drei derzeit bekannten Rudel in den Schweizer Alpen zeigen keine Anzeichen von Kreuzungen mit Hunden, betonen die Forscher.

Argument für Abschuss

Die Vermischung von Wolf und Hund hat Bedeutung für die Debatte rund um die Wolfschutzpolitik. Der Wolf sei zwar streng geschützt, aber um die Mischlinge herrsche eine rechtliche Ungenauigkeit, erklärte Fumagalli gemäss einer Mitteilung seiner Hochschule vom Mittwoch. Im Allgemeinen empfehle die nationale Gesetzgebung, Mischlinge aus dem Bestand zu entfernen, um die genetische Integrität der Wolfspopulation zu erhalten. Dies werde teils als Argument für den Abschuss von Tieren genutzt.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Hund-zu-Wolf-Hybridisierung tatsächlich sehr begrenzt, wenn nicht sogar anekdotisch ist, und dass die genetische Integrität der in den Alpen lebenden Wildwolfpopulationen erhalten bleibt", sagte Fumagalli. Eine weitere genaue genetische Überwachung halte er dennoch für sinnvoll, um mögliche Mischlinge zu identifizieren. Wenn es darum gehe, die genetische Integrität der Wölfe zu wahren, sollte die Frage jedoch vor allem lauten, wie sich streunende Hunde von den Wolfsrudeln fernhalten lassen, so der Forscher.

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