Asyl
Katholischer Pfarrer fordert: Asylsuchende sollen in die Klöster

Der katholische «Wort zum Sonntag»-Pfarrer Andreas Rellstab (46) aus Zizers GR macht einen brisanten Vorschlag: Asylsuchende sollen in Klöster untergebracht werden. Die meisten Klöster seien halbleer und hätten Platz, so der Bündner Pfarrer.

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Die Zahl der Asylsuchenden steigt weiter. Doch die Unterkünfte sind überfüllt. Nun macht der katholische «Wort zum Sonntag»-Pfarrer Andreas Rellstab (46) aus Zizers GR einen brisanten Vorschlag. Viele Klöster, sagt er gegenüber dem «SonntagsBlick», verfügten über «immer kleinere Gemeinschaften, jedoch Kapazität an Räumlichkeiten. Sie könnten die Türen öffnen».

Rellstabs Forderung: «Wir müssen uns als Kirche stärker in der Debatte engagieren.» Man könne nicht Christ sein und den Dienst der Nächstenliebe verweigern. «Für uns als christliche Gemeinschaft ist es beschämend, dass niemand die Asylsuchenden aufnehmen will.»

Klöster sind dagegen

Doch bei den Klöstern kommt diese Forderung nicht gut an. «Platz hätten wir schon», räumt Franziskanerbruder René Fuchs vom Kloster Mariaburg in Näfels GL ein. «Aber das passt nicht gut in unsere Gemeinschaft».

Von sämtlichen vom «Sonntagsblick» angefragten Ordensgemeinschaften zeigen einzig die Benediktinerinnen Kloster Melchtal OW eine gewisse Bereitschaft, Asyl zu gewähren. «Wir hätten Platz und könnten uns das auch vorstellen», betont Priorin Schwester Daniela Bieri. Sie fürchtet aber: «Der Widerstand im Dorf wäre wahrscheinlich gross.»

Dulliken hat es probiert

Dass die Sorge begründet ist, zeigt der Fall Dulliken im Kanton Solothurn: «Wir haben letztes Jahr dem Bundesamt für Migration dort ein Haus zur Verfügung gestellt», betont Bruder Willi Anderau, der Regionalobere des Kapuzinerordens. Das Projekt scheiterte am Unwillen der Bevölkerung.

Pfarrer Rellstab versteht die Vorbehalte der Ordensgemeinschaften – «wenn Nächstenliebe konkret wird, ist sie halt häufig unangenehm». Doch er bleibt bei seiner Forderung: «In dieser Notsituation muss auch die Kirche Hand für kreative Lösungen bieten.»

Auch Bischöfe wollen nicht

Auch die Bischofskonferenz reagiert zurückhaltend. Walter Müller, Sprecher der Bischofskonferenz, betont: «Grundsätzlich hat fast jedes Kloster die Möglichkeit, Gäste unterzubringen. Aber die Gemeinschaften leben in Stille. Ich sehe kaum Möglichkeiten, Asylsuchende einzuquartieren.» Im übrigen sei dies sowieso nicht Sache der Kirche: «Ihr Urauftrag ist es, für den Menschen da zu sein. Aber Unterkünfte zu finden, da ist zuerst der Staat gefordert.»

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