Katastrophen
Grüne und Co. bekämpfen Dieselgeneratoren: Geht der Klimaschutz auch bei Stromausfall vor?

Kommt's zum Blackout, müssen die Senderanlagen des Bundes weiterhin funktionieren. Das Notfall-Funknetz soll mit Ökoenergie betrieben werden, fordern Politiker nun.

Sven Altermatt
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Bei einem Stromausfall müssen Rettungsorganisationen und Sicherheitsbehörden weiterhin kommunizieren können.

Bei einem Stromausfall müssen Rettungsorganisationen und Sicherheitsbehörden weiterhin kommunizieren können.

Bild: Archiv TZM

Und plötzlich würde es dunkel. Ein flächendeckender Stromausfall. Bald wäre der Mobilfunk lahmgelegt, die Telefone tot. Über die öffentlichen Netze könnte nicht mehr kommuniziert werden. Besonders die Rettungsorganisationen und Sicherheitsbehörden stünden dann vor ernsthaften Problemen – die Polizeien, Feuerwehren und Ambulanzen ebenso wie der Zivilschutz.

Für dieses Szenario will sich der Bundesrat besser rüsten. Wenn nichts mehr geht, soll zumindest das Sicherheitsfunksystem Polycom reibungslos funktionieren. Es ermögliche die Einsatzkommunikation «in allen Lagen», betont die Landesregierung. Sie will die bundeseigenen Sendestandorte aufrüsten. Rund ein Drittel der 750 Polycom-Sendestandorte ist im Besitz der Eidgenossenschaft. Die Anlagen befinden sich vornehmlich in 18 grenznahen Kantonen und werden von der Zollverwaltung betrieben.

Eine Analyse zeigte: Bei einem Stromausfall von mehr als acht Stunden wäre die Funkabdeckung in diesen Kantonen stark beeinträchtigt. Deshalb will der Bund in die Notstromversorgung seiner Standorte investieren. Kostenpunkt: 36,5 Millionen Franken. Der Verpflichtungskredit ist weitgehend unbestritten. In der Vernehmlassung, die diesen Sommer zu Ende gegangen ist, wurden kaum Bedenken vorgebracht.

Es gehe schlicht und einfach darum, dass der Bevölkerungsschutz bei einer Katastrophe einsatzfähig bleiben kann, lautet der Tenor. Im Chor warnen die Kantone vor einem «landesweiten Versagen der Krisenbewältigungsmassnahmen».

Die Grenzen des Klimaschutzes

In der Politik regt sich jedoch überraschend Widerstand. Er kommt von jenen Parteien, die sich beim Klimaschutz als Vorreiter verstehen. Sie stört, dass die Stromversorgung der Sendeanlagen im Krisenfall vornehmlich mit Dieselgeneratoren sichergestellt werden soll. Aus ihrer Sicht muss der Bund konsequent eine Vorbildrolle einnehmen – Notfälle hin oder her. In ihrer Stellungnahme fordern die Grünen:

«Eine auf fossilen Ressourcen basierende Energieversorgung von Anlagen des Bundes ist daher grundsätzlich nicht weiter zu verfolgen.»

Nach Meinung der Partei sollen «nur noch auf erneuerbaren Energien basierende Lösungen eingesetzt werden». Technisch hält sie dies für möglich, etwa mit einer Kombilösung aus Solarenergie und Batterien. Der überschüssige Solarstrom könnte so ins Netz eingespeist werden. Dies mache die Anlagen erst noch finanziell attraktiv, finden die Grünen. Fast deckungsgleich äussern sich die Grünliberalen.

Soll immer funktionieren: das Behördenfunknetz Polycom. (Im Bild ein Polycom-Funkmast in der Nordwestschweiz.)

Soll immer funktionieren: das Behördenfunknetz Polycom. (Im Bild ein Polycom-Funkmast in der Nordwestschweiz.)

Bild: HO

Derweil erinnern die Sozialdemokraten ans Netto-Null-Ziel bis 2050. Es müssten «primär Lösungen in Betracht gezogen werden, die auf erneuerbaren Energien basieren», verlangt die SP. Fossile Lösungen sollten bloss zweitrangig sein. In den Plänen des Bundes ist dies freilich gerade umgekehrt. Solarzellen etwa fallen demnach lediglich in die Kategorie der «weiter zu prüfenden Alternativen». Rund 80 Prozent der Sendestandorte sollen mit einer dieselbetriebenen Netzersatzanlage ausgerüstet werden.

Keine wirtschaftliche Alternative

Krisenbewältigung first, Klimaschutz second? Am Ende geht es um eine grundsätzliche Frage. Darum, ob bei einem Blackout vor allem die möglichst reibungslose Notstromversorgung zählt. Oder ob es eine Kraftanstrengung braucht, um die Klimaziele auch in einer solchen Situation nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Bund hat dazu eine klare Haltung. Man habe bereits in der Vergangenheit versucht, Standorte mit alternativen Energien zu betreiben, hält die zuständige Eidgenössische Zollverwaltung fest. «Bisher konnte aber keine Lösung gefunden werden, die bei erschwerten meteorologischen Bedingungen und auch in den Bergen zuverlässig funktionieren würde.» Deshalb stellten Dieselgeneratoren als Stromquelle die heute wirtschaftlichste Lösung dar.

Das letzte Wort wird das Parlament haben. Wie sauber der Strom sein soll, mit dem die Kommunikation in Krisen aufrechterhalten wird, dürfte noch zu reden geben.

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