Coronakrise

Kassensturz deckt auf: VBS beschaffte in China unnütze Masken gegen Coronavirus

Zahlreiche Masken, welche das VBS zu Beginn der Coronakrise in China beschafft hat, genügen medizinischen Ansprüchen nicht. (Symbolbild)

Zahlreiche Masken, welche das VBS zu Beginn der Coronakrise in China beschafft hat, genügen medizinischen Ansprüchen nicht. (Symbolbild)

Zahlreiche Masken, welche das VBS zu Beginn der Coronakrise in China beschafft hat, genügen medizinischen Ansprüchen nicht. Sie schützen bestenfalls vor Luftverschmutzung, nicht aber vor dem Coronavirus.

(sat) Als Hygienemasken im Frühling weltweit Mangelware waren, beschaffte das Bundesamt für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) 18 Millionen Masken. An den Mann und die Frau gebracht wurden diese schliesslich via Detailhandel und Apotheken. Doch nun zeigt sich: Viele dieser Masken schützen wohl nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Wie die «Tagesschau» von Fernsehen SRF am Donnerstag publik machte, wurden und werden diese Masken fälschlicherweise als sogenannte Masken des Typ II verkauft. Damit sind medizinische Gesichtsmasken respektive chirurgische Masken und damit medizinisches Material gemeint. Laut einer Recherche des «Kassensturz» von SRF dürften diese Masken allerdings gar keine CE-Kennzeichnung tragen.

«Die CE-Kennzeichnung erweckt den Anschein, diese Maske entspreche den europäischen Anforderungen», sagt Expertin Margit Widmann. «Im Kleingedruckten entdecke ich dann einen chinesischen Standard, der gegen Luftverschmutzung ist.» Gegenüber dem «Kassensturz» verweigerte das VBS zwar eine Einsichtnahme in die Prüfberichte der Maskenbeschaffung. Die Konsumentensendung kommt aufgrund von Recherchen jedoch zum Schluss: Sie ist kein konformes Medizinprodukt. Der entsprechende Hinweis fehle jedoch. «Konsumentinnen bekommen den Eindruck, sie würden ein zertifiziertes Produkt mit einem hohen Qualitätsstandard kaufen», urteilt der Kassensturz-Bericht.

VBS klärt ab, wie viele Masken noch nicht verkauft sind

Gegenüber SRF bestätigt Brigadier Markus Näf die Recherchen. «Diese Maske ist als Medical-Face-Mask deklariert, aber das ist nicht korrekt.» Sie sei im Rahmen der sogenannten Anschubverteilung, bei welcher die Masken über Grossverteiler verteilt wurden, «irrtümlich falsch deklariert», so der VBS-Mann. Und Näf hält fest: «Die Maske erfüllt aber die Kriterien, so dass sie keine Gefährdung darstellt für die Bevölkerung.» Nun prüfe das VBS, wie viele dieser Masken bereits verbraucht sind. Falls noch Bestände vorhanden seien, müsse diskutiert werden, ob diese mit einem Aufkleber versehen werde, der darüber informieren würde, dass die Masken nicht für den medizinischen Gebrauch sind.

Die Heilmittelbehörde Swissmedic hat bis jetzt laut «Kassensturz» über 100 Meldungen zu nicht konformen medizinischen Gesichtsmasken erhalten. «Für den Konsumenten ist die Lage unübersichtlich», sagt Michel Pürro von Swissmedic. «Swissmedic setzt sich aber mit Marktüberwachungsmassnahmen dafür ein, dass zukünftig vermehrt Medizinprodukte auf den Markt kommen.» Wer nicht korrekt deklarierte Masken entdeckt, solle dies Swissmedic melden, bittet der Vertreter der Schweizer Heilmittelbehörde.

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