Affäre Hildebrand

Kashya Hildebrand ist schockiert über Bankgeheimnisverletzung

Kashya Hildebrand

Kashya Hildebrand

Jetzt meldet sich die Ehefrau von Philipp Hildebrand zu Wort. Die Dollar habe sie gekauft, weil ein grosser Teil der Transaktionen in ihrer Kunstgalerie in Dollar getätigt würden. Dass Finanzdokumente gestohlen wurden, ist für sie schockierend.

Wenn die Schweizerische Nationalbank (SNB) in den vergangenen Monaten Kritik einstecken musste, dann nur aus den Reihen der SVP. Nachdem am Wochenende bekannt geworden war, dass Kashya Hildebrand, Gattin des Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand, im August für rund eine halbe Million Franken US-Dollars gekauft und damit einen satten Währungsgewinn erzielt hatte, verlangten gestern Parlamentarier von links bis rechts mit deutlichen Worten Transparenz von der Nationalbank. Hildebrand, eine Galeristin, hatte die Dollars im August, wenige Wochen vor der Einführung des Frankenmindestkurses erworben. Der Umfang des Kaufs war bis zum Sonntag nicht bekannt gewesen.

Statement von Kashya Hildebrand

Gestern meldete sich Kashya Hildebrand gegenüber der Nachrichtensendung «10 vor 10» erstmals in einem schriftlichen Statement selber zu Wort. Sie erklärte, dass in ihrer Kunstgalerie «70 bis 80 Prozent der finanziellen Transaktionen» in Dollar stattfänden. Das hänge vor allem mit der internationalen Ausrichtung ihres Geschäfts zusammen. «Wir nehmen an vielen Kunstmessen rund um die Welt teil.»

Den Zeitpunkt des Kaufs begründete sie damit, dass der Dollar im August auf einem Rekordtief und «fast lächerlich billig war». Da sie über 15 Jahre lang im Finanz- und Bankensektor tätig gewesen sei, habe sie bei der Transaktion ein gutes Gefühl gehabt. Die Nationalbank sei schon am Tag danach über den Dollar informiert worden. «Deshalb bin ich sehr erstaunt über das gegenwärtige Interesse daran», so Hildebrand.

Viel wichtiger sei für sie die Tatsache, «dass jemand unsere Finanzdokumente von unserer Privatbank gestohlen hat, und dass man damit die Schweizerische Nationalbank destabilisieren will. Ich finde, dies ist ein schockierender Vorfall und ich würde gerne die Motive dahinter verstehen.» Mit dem letzten Teil ihres Statements zielt Kashya Hildebrand auf SVP-Nationalrat Christoph Blocher ab, der den Bundesrat im Dezember über den Devisenkauf informiert hatte und so die Affäre ins Rollen brachte.

Blocher war laut Berichten der Sonntagspresse im Besitz von Bankbelegen des eines Bankkontos der Familie Hildebrand. Eine Person aus dem Umfeld der besagten Bank muss das Bankgeheimnis verletzt haben. Ob sich Blocher der Anstiftung oder Gehilfenschaft schuldig machte, ist unklar. Er wollte sich gestern nicht zum Fall äussern.

Keine Vorkehrungen getroffen

Ob Kashya Hildebrand nun etwas mehr Klarheit in die Affäre gebracht hat, besteht weiterhin viel Spekulationsraum darüber, wie die «Affäre Hildebrand» überhaupt entstehen konnte. Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern, sagt: «Wie auch immer die genauen Umstände des besagten Dollarkaufs aussehen – es war ungeschickt von Herrn Hildebrand, dass er es zu dieser Situation kommen liess.»

Laut Kunz hätte der SNB-Chef seit seinem Amtsantritt im Januar 2010 alle Vorkehrungen treffen müssen, damit er als Nationalbankpräsident nicht angreifbar wird. «Jeder Verwaltungsratspräsident einer grösseren Bank ergreift Vorsichtsmassnahmen in seinem persönlichen Umfeld», so Kunz. Es gelte zu verhindern, dass Ehefrau, Kinder oder andere Personen in der unmittelbaren Verwandtschaft Transaktionen tätigen, die den Anschein des Insiderhandels erwecken.

Die Nationalbank versuchte im Dezember, genau diesen Eindruck zu verhindern. Nachdem der Bundesrat vom Devisenkauf erfahren hatte, trat sie die Flucht nach vorne an und machte «die Gerüchte aus unbekannter Quelle» gleich selbst publik. In der entsprechenden Medienmitteilung betonte die SNB, dass keine der von der Familie Hildebrand im Jahr 2011 vorgenommenen Banktransaktionen das interne Reglement über Eigengeschäfte verletze. Den Inhalt des Reglements über die Eigengeschäfte hält die SNB bis heute geheim.

Der Druck des Parlaments auf die Nationalbank, das Reglement zu veröffentlichen, ist gross und breit abgestützt. «Durch die Nichtveröffentlichung des Reglements erhält man den Eindruck, die Nationalbank hätte etwas zu verstecken», sagt die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer. Sofern der Devisenkauf von Kashya Hildebrand rechtens gewesen sei, sei dies ein Missstand, den es zu beheben gelte. Nicht ganz so scharf fordert der Berner SVP-Nationalrat Hansruedi Wandfluh die Veröffentlichung des Reglements: «Es wäre sicher gut, wenn sich die Nationalbank von sich aus zu einer Offenlegung entscheiden würde», sagt er.

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