Der frühere Aussenminister Abdullah kam laut dem jüngsten Zwischenergebnis auf 31,3 Prozent. Verglichen mit früheren Ergebnissen erhöhte sich Karsais Vorsprung damit deutlich. Wegen der geringen Zahl der ausgezählten Stimmen sind die Angaben nur begrenzt aussagekräftig.

Besonders aus dem unsicheren Süden Afghanistans liegen erst wenige Ergebnisse vor. Dort ist die Unterstützung für Karsai hoch - gleichzeitig jedoch konzentrieren sich hier die Beschwerden über Wahlbetrug.

Ein Sprecher der von den Vereinten Nationen unterstützten Beschwerdekommission (ECC) teilte in Kabul mit, seit dem Wahltag habe das Gremium über 2000 Einwände registriert. 567 davon hätten "hohe Priorität" und könnten den Wahlausgang beeinflussen - mehr als doppelt so viele wie am Freitag.

Beobachter befürchten, dass aufgrund der zahlreichen Unregelmässigkeiten Kandidaten die Legitimität der Wahl infrage stellen könnten. Unter anderem wirft Ex-Aussenminister Abdullah dem Karsai-Lager Manipulationen vor.

Der nächste Stand der Auszählung soll an diesem Montag vorgelegt werden. Ein vorläufiges Ergebnis wird in den nächsten Tagen erwartet, ein amtliches Endergebnis Mitte September. Sollte kein Kandidat die absolute Mehrheit der Stimmen erreichen, findet im Oktober eine Stichwahl zwischen Spitzenreiter und Zweitplatziertem statt.