Montagsinterview

Kardinal Kurt Koch über das Weihnachtsfest: «Man sollte solche Bräuche nicht infrage stellen»

Kardinal Kurt Koch im Vatikan auf dem Balkon des herrschaftlichen Gebäudes, in dem er arbeitet. Im Hintergrund rechts die Kuppel des Petersdoms.

Kardinal Kurt Koch im Vatikan auf dem Balkon des herrschaftlichen Gebäudes, in dem er arbeitet. Im Hintergrund rechts die Kuppel des Petersdoms.

Kardinal Kurt Koch arbeitet seit acht Jahren im Vatikan. Ein Gespräch über die Faszination des Weihnachtsfests und über innerkirchliche Rücktrittsforderungen an Papst Franziskus.

Plötzlich ist er da, sein Chef. Papst Franziskus lächelt sympathisch von einem riesigen Gemälde herab. Und sein «Ökumene-Minister», der Schweizer Kardinal Kurt Koch, posiert gerne für ein Foto zusammen mit dem Heiligen Vater.

Das Gemälde hängt in einem der langen, ausladenden Korridore am Sitz des Präsidiums des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, einen Steinwurf entfernt von den vatikanischen Mauern in Rom. Das vierstöckige, herrschaftliche Gebäude ist der Arbeitsort von Kardinal Koch, der diesem päpstlichen Rat vorsteht.

Kurt Koch, warum ist Weihnachten weltweit so geliebt und erfolgreich?

Kurt Koch: Ich denke, das hängt mit seinem Inhalt zusammen. Die Mitte des Weihnachtsfestes ist die Menschwerdung Gottes. Gott wird aber nicht einfach abstrakt Mensch, sondern konkret als Kind geboren. Und es steht die Heilige Familie im Zentrum und von daher ist es ein Familienfest geworden, bei dem die Kinder und mit ihnen viele Emotionen im Vordergrund stehen. Das ist es, was dieses Fest bei vielen Menschen so besonders macht.

Das Weihnachtsfest wird in vielen Gesellschaften und Glaubensgemeinschaften gefeiert, die mit dessen Ursprung gar nichts zu tun haben. Wie präsent ist die christliche Essenz überhaupt noch?

Sicher wissen die Christen, die an Weihnachten in die Kirche gehen, noch, worum es geht. Auch wenn im ursprünglichen Sinn einiges verloren gegangen sein mag: Vieles ist in den Bräuchen erhalten geblieben. Zum Beispiel im Brauch des Schenkens. Sich beschenken lassen und andere beschenken, das hat etwas mit dem Kern von Weihnachten zu tun, nämlich dass das Wesentliche im Leben nicht von uns gemacht, sondern von Gott geschenkt ist. Daher sollte man solche Bräuche nicht infrage stellen, sondern vom Eigentlichen her vertiefen.

Weihnachten ist in der römischkatholischen Lehre nicht das wichtigste Kirchenfest. Christi Geburt steht zwar am Ursprung der Heilsgeschichte, bedeutsamer sind aber Auferstehung und Entsendung des Heiligen Geistes. Nichtsdestotrotz sind die Kirchen am 24. und 25. Dezember voller als an Ostern und Pfingsten.

Die theologische Reihenfolge ist das eine, die emotionale das andere. Darum steht heute bei vielen Menschen das Weihnachtsfest an erster Stelle. Dem muss man Rechnung tragen und sich darüber freuen, dass die Menschen die religiöse Dimension dieses Festes erspüren und es auch in der Kirche feiern wollen.

Ist die Weihnachtszeit auch eine Chance, die Menschen wieder näher an die Kirche zu führen?

Wichtig ist vor allem, das, was bei den Menschen lebt, nicht einfach infrage zu stellen, sondern es aufzunehmen und im Licht des christlichen Glaubens zu vertiefen. Darin besteht die Aufgabe der Pastoral und vor allem der Predigt im Gottesdienst. Das anzusprechen, was den Menschen am Herzen liegt, und es vor Gott zu bringen.

Weihnachten ist das Fest der kleinsten gesellschaftlichen Zelle, der Familie. Diese ist aber schon lange nicht mehr homogen, es gibt ganz unterschiedliche Familienkonstellationen und -durchmischungen. Ist das ein Problem für die Kirche, die nach wie vor vom traditionellen Familienmodell ausgeht?

Man muss die Familiensituation zunächst so nehmen, wie sie ist. Wir müssen versuchen, den Menschen zu helfen, ihr Leben so zu gestalten, dass es sinnvoll wird. Und wir müssen dann aufzeigen, was der tiefere christliche Sinn der Ehe und der Familie ist. Es geht nicht einfach um ein traditionelles Modell, sondern um die Sicht der Ehe von Mann und Frau als Sakrament.

An den Festtagen gibt es überdurchschnittlich viele Konflikte, gerade in Familien.

Das ist die Kehrseite des bisher Gesagten, dass das Emotionale beim Weihnachtsfest bei vielen Menschen so stark im Vordergrund steht.

Sind Adventszeit und Weihnachtstage für einen kirchlichen Würdenträger wie Sie auch Festtage? Oder ist das vor allem eine Zeit mit vielen Verpflichtungen?

Die Gefahr bei einem Seelsorger ist tatsächlich, dass er in der Adventszeit von Besinnung zu Besinnung hetzt. Das ist natürlich ein Widerspruch in sich. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, für sich auch ruhige Zeiten vorzusehen und sich persönlich auf das Fest vorzubereiten, sodass nicht nur die Wohnstube hergerichtet, sondern auch das eigene Herz vorbereitet wird.

Ist das für Sie persönlich schwieriger geworden?

Nein. (schmunzelt) Es gibt eine alte Weisheit beim Heiligen Franz von Sales: Ein Christ soll pro Tag eine Stunde beten. Und wenn er gar keine Zeit hat, dann zwei Stunden. Das ist nicht leicht zu realisieren. Aber dahinter steckt eine tiefe Weisheit. Je mehr Verantwortung man trägt, umso notwendiger ist es, zu sich selber zurückzufinden, und zwar vor und mit Gott.

Wie und wo feiern Sie Christi Geburt?

Ich feiere Weihnachten im Campo Santo Teutonico. Das ist im Vatikan ein Haus für Priester aus deutschsprachigen Ländern, die weiterstudieren oder in der Kurie arbeiten. Dort feiere ich am Heiligen Abend die Heilige Messe, an der viele deutschsprachige Einwohner Roms teilnehmen, weil sie an Weihnachten gerne einen Gottesdienst in ihrer Muttersprache feiern möchten. Anschliessend bin ich mit dem Heiligen Vater an der Weihnachtsmesse. Und am Weihnachtstag feiere ich nochmals den Gottesdienst im Campo Santo.

Und gehören für Sie auch ein Festbraten, ein Glas Wein und Geschenke dazu?

Im Campo Santo wird es ein gutes Abendessen geben zusammen mit den Bewohnern und Gästen. In diesem Jahr kommt einer meiner beiden Brüder mit seiner Frau zu mir auf Be-
such. Mit ihnen zusammen werde ich Weihnachten feiern.

Sie sind nun seit acht Jahren Kardinal. Vermissen Sie die alte Heimat?

Natürlich bin und bleibe ich mit der Heimat und besonders mit der Ortskirche Basel verbunden, in der ich fast 15 Jahre lang Bischof gewesen bin. Doch Heimweh habe ich nicht. Es macht wenig Sinn, stets an das zu denken, was man nicht mehr hat. Jede neue Aufgabe hat ihren Reiz und ihre Herausforderung. Es ist wichtig, in der Gegenwart zu leben.

Das Bistum Basel, wie häufig ist Ihr Kontakt dorthin? Beispielsweise mit Bischof Felix Gmür in Solothurn, wie Sie ein Luzerner?

Wenn Bischof Felix sich in Rom aufhält, kommt er zu einem Besuch vorbei, bei dem wir uns austauschen. Ich meinerseits halte mich möglichst wenig in seiner Diözese auf, weil man seinem Nachfolger alle Freiheit lassen soll.

Reden wir über Papst Franziskus. Es wurden seit seinem Amtsantritt 2013 viele Hoffnungen auf ihn als Erneuerer und Reformer gerichtet. Zu Recht?

Erwartungen werden manchmal an einen Menschen gestellt, ohne dass er gefragt wird, ob er diese erfüllen will und kann. Das war mit Papst Franziskus auch so.

Der 266. Papst ist und war nie ein Erneuerer?

Der Papst hat viele Hoffnungszeichen ausgesandt und auch seine Anliegen ausgedrückt. Er will die Kirche erneuern, aber nicht von aussen, sondern vom Kern her. Sein wichtiger Wunsch ist, dass die Kirche missionarischer wird.

Das heisst?

Die Kirche soll nicht um sich selber kreisen, sondern sich zur Welt hin öffnen und in ihr ihre Sendung wahrnehmen. Wie weit das, was er als Anspruch formuliert, von den einzelnen Ortskirchen aufgenommen wird, kann ich nicht von aussen beurteilen. Ich denke, dass vieles, was er bewegt hat, rezipiert worden ist. Vieles allerdings nicht, da man nicht immer hinhört, was er sagt.

Aber die Päpste sind in ihren Ansprüchen und Botschaften schon unterschiedlich.

Jeder Papst hat seinen eigenen Charakter und seine Schwerpunkte. Die Aufgaben seines Amtes sind so gross, dass er gar nicht alle wahrnehmen kann. Man muss deshalb auch auf
die besonderen Akzente achten, die ein Papst setzt.

Die Welt säkularisiert sich weiter, im Alltag wird der Glaube immer weniger praktiziert. Wohin führt das die römisch-katholische Kirche?

Wenn die Kirche – zu Recht! – überzeugt ist, dass sie mit dem Evangelium eine grossartige und wunderschöne Botschaft erhalten hat, dann wird sie alles daransetzen müssen, dass diese Botschaft bei den Menschen ankommt. Wichtig ist vor allem, dass das, wofür die Kirche einsteht, im Vordergrund ist: das Gelingen des menschlichen Lebens mit Gott und der Ausblick auf die Ewigkeit.

Die Vermittlung dieser Botschaft ist aber schwierig geworden. Die Kirchenführung steht oft in der Kritik. Sie sei weltfremd, ewiggestrig. Dazu kommen massive Probleme in den eigenen Reihen: Konservative Kardinäle opponieren öffentlich gegen den Papst, es gibt schwere Fälle von jahrelangem sexuellem Missbrauch durch Priester ...

Man muss hier unterscheiden. Eine schlimme Wunde in unserer Kirche sind die sexuellen Missbräuche. Diese gibt es zwar nicht nur in der Kirche, aber in ihr sind sie doppelt schlimm. Es gibt im menschlichen Leben zwei sehr intime Bereiche, nämlich die Religion und die Sexualität. Wenn beide miteinander in Konflikt geraten – und dies noch unter dem Baldachin des Heiligen –, dann ist dies besonders schrecklich. Das muss angeklagt werden, und die Kirche muss alles daransetzen, dass solches nicht mehr geschieht.

Und die weiteren Kritikpunkte?

Beim Vorwurf, die Kirche hinke der Zeit hinterher, müsste man genauer fragen, was damit gemeint ist. Die Kirche kann selbstverständlich die Offenbarung Gottes, die sie erhalten hat, nicht ändern. Sie muss sie aber so verkünden, dass sie in der jeweiligen Zeit verstanden und angenommen werden kann. Die Verkündigung muss ursprungsgetreu und zeitgemäss zugleich sein.

Innerkirchliche Dispute gab es in der Geschichte immer wieder. Aber ist die Art und Weise, wie in den vergangenen Monaten aus Kardinalskreisen öffentlich gegen Papst Franziskus opponiert wurde, nicht sehr aussergewöhnlich?

Nein, wenn sie beispielsweise an die massive Kritik denken, die der Enzyklika Humanae Vitae von Papst Paul VI. (die Kontroverse um die Verwendung der Pille zur Empfängnisverhütung aufgrund besagter Papst-Schrift von 1968; d. Red.) gerade auch in der Schweiz entgegengebracht worden ist. Neu ist heute, dass die Richtung der Opposition sich geändert hat: Bei den früheren Päpsten waren es vor allem progressive Kreise, die Kritik äusserten; heute sind es eher konservative Kreise.

Die Opposition gegen den Papst ...

Ich denke nicht, dass man von einer starken Opposition gegen Papst Franziskus reden kann. Der grosse Teil der Mitarbeiter in der Kurie nimmt seine Arbeit in Loyalität im Dienst an der Kirche und im Auftrag des Papstes wahr. In der Öffentlichkeit jedoch wird eher die kritisierende Minderheit unter den Kardinälen wahrgenommen.

Ist das positiv, sodass der Diskurs innerkirchlich schneller und intensiver geführt werden muss?

Auch Kardinäle können selbstverständlich verschiedener Meinung sein, und sie sollen ihre Fragen stellen dürfen. Wenn dies jedoch dazu führt, dass Rücktrittsforderungen an den Papst gestellt werden, ist dies inakzeptabel.

Eine weitere Baustelle: Priestermangel. Der Mangel ist auch darum ein grosses Problem, weil ohne Priester keine Eucharistiefeiern abgehalten werden dürfen. Diese sind aber das zentrale Glaubenselement eines Gottesdienstes. Gibt es ein Rezept, um wieder genügend Nachwuchs zu finden?

Ein Rezept habe ich nicht. Denn die Frage ist sehr komplex, weil auch die Gründe sehr vielschichtig sind. Eingleisige, einfache Lösungen helfen uns nicht weiter.

Welches sind mögliche Ansätze?

Da ist zunächst die Bevölkerungssituation: Wenn früher in einer Familie mit acht Kindern eines Priester werden wollte, machte dies keine grossen Probleme. Wenn heute in einer Ein-Kind-Familie dieses Priester werden will, stellen sich Fragen wie diese ein: Wer führt dann den Betrieb weiter? Hinzu kommt zweitens der Rückgang der Zahl der Gläubigen, vor allem in der westlichen Welt. Weltweit gesehen ist die katholische Kirche freilich am Wachsen. Eng damit zusammen hängt auch das Verdunsten des Glaubens bei uns.

Und drittens?

Ich bin überzeugt, dass jede Ortskirche, wenn sie wirklich lebendig ist, ihre eigenen Priesterberufungen hervorbringen sollte.

Die Pfarrgemeinden sollen stärker in der Pflicht stehen, für eigenen Priesternachwuchs zu sorgen?

Ja. Es braucht eine Berufungspastoral, in der man junge Menschen motiviert, einen kirchlichen Dienst zu wählen. Dies ist heute gewiss nicht einfach, gerade auch wegen der angesprochenen Probleme wie etwa der Missbräuche. Diese sind für Priesterberufungen gewiss nicht förderlich.

Das Ansehen der Priester ist gesunken.

Es besteht in meiner Wahrnehmung eine gewisse Identitätskrise: Was ist ein Priester? Wofür steht er und wozu braucht es ihn? Hinzu kommt, dass er sich zum zölibatären Leben verpflichtet. Er muss deshalb von seiner Berufung überzeugt sein. Denn er kann nur auf etwas Schönes wie Ehe und Familie verzichten, wenn er von seinem Weg überzeugt ist.

Zum Zölibat: Würde man nicht die Chance auf mehr Priesternachwuchs erhöhen, wenn man es abschaffen würde?

Vordergründig ja. Wenn man jedoch in andere Kirchen hineinschaut, die den Zölibat nicht kennen und dennoch Nachwuchsprobleme haben, kann hier nicht der entscheidende Grund liegen. Wir kennen zudem auch in unserer katholischen Kirche in den östlichen Riten wie der griechisch-katholischen Kirche verheiratete Priester. Von daher kann man gewiss die Frage stellen, ob es sie auch in der lateinischen Kirche geben soll. Wenn die Kirche dies ändern möchte, müsste dies aus positiven Gründen geschehen und nicht, weil man den Zölibat an sich ablehnt. Die Kirche hat bisher aber mit guten Gründen an dieser Lebensform für den Priester festgehalten.

Sollen auch Frauen zu Priesterinnen geweiht werden können?

Diese Frage hat bereits Papst Johannes Paul II. negativ entschieden. Und Papst Franziskus hat erklärt, dass er daran festhalte.

Als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen sind Sie der «ÖkumeneMinister» des Vatikans. Wie erklären Sie einem Laien Ihre Aufgabe?

Wenn ein Laie in die Welt blickt, sieht er, dass es zirka 500 verschiedene Kirchen allein im Weltrat der Kirchen gibt. Demgegenüber betet Jesus im Johannes-Evangelium für seine Jünger, dass sie eins sein sollen, «damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast». Von daher wird der Auftrag der Ökumene sichtbar, die Einheit unter den Christen wiederzufinden.

Ökumene meint Dialog und Zusammenarbeit zwischen christlichen Konfessionen. Wie frustrierend sind Rückschläge?

Rückschläge gibt es immer wieder. Deshalb habe ich mir für meine ökumenische Aufgabe einen besonderen Patron ausgewählt: Moses. Er hatte den Auftrag, das auserwählte Volk ins Gelobte Land zu führen. Moses konnte diese Aufgabe aber nicht zu Ende bringen, weil er vorher starb. Deswegen hat er aber nicht resigniert. Auch bei der Aufgabe, die Einheit der Christen wiederzufinden, kann ich mir nicht einbilden, dies zu meiner Lebenszeit erreichen zu können. Ich muss einfach meinen Beitrag leisten, damit dieses Ziel erreicht werden kann. Der eigentliche «Ökumene-Minister» ist ohnehin der Heilige Geist. Ich bin nur sein ohnmächtiges Werkzeug.

Eine viel diskutierte Religion ist der Islam und seine ultrareligiöse, maximal intolerante und gewalttätige Ausprägung: Islamismus.

Man muss zwischen Islam und Islamismus unterscheiden. Gegenüber Letzterem muss klar sein, dass Gewaltanwendung im Namen der Religion ihre schreckliche Perversion ist. Bei den grossen Treffen in Assisi, von denen zwei von Papst Johannes Paul II. und eines von Papst Benedikt XVI. einberufen wurde, wurden alle Religionen eingeladen, öffentlich zu bekennen, dass die Zwillingsschwester der Religion nicht Gewalt, sondern Friede ist. Diese Botschaft müssen alle Religionen gemeinsam verkünden und leben.

Gerade der Islam ist aber in Weltgegenden stark, in denen demokratische Strukturen schwach oder gar nicht vorhanden sind. Und dies wiederum ermöglicht es dem Islam, so stark zu werden.

Das dahinterliegende Grundproblem ist, dass der Islam ein anderes Verständnis vom Verhältnis zwischen Religion und Staat hat. Das Christentum hat im Laufe der Geschichte mühsam gelernt, dass die adäquate Form die Trennung von Kirche und Staat ist. Eine solche gibt es im Islam an sich nicht.

Zurück zur Ökumene, die in der Schweiz sehr ausgeprägt ist. Das geht bis hin zu regelmässigen gemeinsamen Feiern zwischen Katholiken, Reformierten, Christkatholiken, Anglikanern. Viele Stimmen fordern das gemeinsame Abendmahl über Konfessionsgrenzen hinweg. Warum markiert die römisch-katholische Eucharistiefeier die rote Linie?

Ziel der Ökumene ist das Finden von Kirchengemeinschaft. Sie ist die Voraussetzung für die eucharistische Gemeinschaft. Man kann nicht einfach einen wesentlichen Schritt übergehen. Jesus betet nicht um die Kirchenvielfalt, sondern um die Einheit unter den Jüngern.

Wie lautet Ihr Weihnachtswunsch als «Ökumene-Minister»?

Dass wir den tiefen Sinn von Weihnachten wieder neu entdecken und uns daran freuen, dass Gott sich so klein gemacht hat, um in der Krippe uns Menschen auf Augenhöhe begegnen zu können. Wenn wir diese Botschaft neu entdecken, gewinnen wir Sinn und Freude in unserem Leben.

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