Karadzic-Prozess

Karadzic: «Schuld am Bosnienkrieg waren die Muslime»

Der mutmassliche Kriegsverbrecher Karadzic verdeidigt sich selbst

Der mutmassliche Kriegsverbrecher Karadzic verdeidigt sich selbst

Bei seiner ersten Stellungnahme vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal hat der frühere Serbenführer Radovan Karadzic keinerlei Reue gezeigt und jegliche Schuld von sich gewiesen. Der Kampf der Serben im Bosnienkrieg sei «gerecht und heilig» gewesen, erklärte Karadzic.

Die Schuld für den Konflikt mit 100'000 Toten liege bei den Führern der bosnischen Muslime, sagte der 64-Jährige in Den Haag. Sie hätten alle Vorschläge für eine Machtteilung zurückgewiesen, um einen fundamentalistischen islamischen Staat zu etablieren.

Die bosnischen Serben seien dagegen nie für eine "Kriegslösung" gewesen und hätten "um des Friedens willen" viele Zugeständnisse gemacht, sagte Karadzic.

"Es gab niemals die Absicht, die Idee oder noch weniger einen Plan, die Muslime und Kroaten aus Bosnien zu vertreiben." Bei dem Krieg sei es einzig um den Schutz "unserer Köpfe, unseres Eigentums und unserer Gebiete" gegangen, sagte der Ex-Serbenführer.

Karadzic muss sich wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs (1992-95) verantworten.

Im Mittelpunkt der Anklage steht das Massaker von Srebrenica, bei dem rund 8000 muslimische Jungen und Männer getötet wurden. Die insgesamt elf Anklagepunkte beziehen sich auch auf die fast zweijährige Belagerung von Sarajevo, während der rund 10'000 Menschen ums Leben kamen.

Karadzic war im Juli 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Belgrad gefasst worden. Ihm droht für den Fall einer Verurteilung lebenslange Haft. Der gelehrte Psychiater erschien vor den Richtern in einem schwarzem Anzug. Seine weissen Haare waren wie üblich zerzaust.

Die vorbereitete Stellungnahme trug er in serbokroatisch vor. Dabei sprach er häufig von sich selbst in der dritten Person. Seine Behauptungen versuchte er mit einer Reihe von Videos und Dokumenten zu untermauern. Er werde die reine Wahrheit präsentieren, sagte der ehemalige Serbenführer.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1