"Ich stelle fest, dass Herr Karadzic nicht anwesend ist", sagte der vorsitzende Richter O-Gon Kwon. Der Angeklagte habe sich trotz einer dringenden Aufforderung des Gerichtshofes entschieden, nicht an der Eröffnungssitzung teilzunehmen.

Karadzic hatte den Boykott des Verfahrens vor dem UNO-Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag in der vergangenen Woche angekündigt. Karadzic, der sich selbst verteidigen will, verlangt zehn weitere Monate zur Vorbereitung auf den Prozess. Richter O-Gon Kwon wies dies als unbegründet zurück.

Die Fortsetzung des Prozesses hat der aus Südkorea stammende Richter für Dienstagnachmittag angesetzt. Dann soll die Anklage wegen Kriegsverbrechen in elf Fällen verlesen werden. Karadzic bestreitet die Anklagevorwürfe.

Ein Sprecher des juristischen Beraterteams von Karadzic erklärte jedoch, der Angeklagte werde auch am Dienstag nicht vor Gericht erscheinen. Er sei in seiner Zelle "mit Enthusiasmus" dabei, sich auf seine Verteidigung zu einem späteren Zeitpunkt vorzubereiten.

Richter O-Gon Kwon sagte, das Gericht denke über die Berufung eines Pflichtverteidigers nach, falls Karadzic den Prozess weiterhin boykottieren sollte. Sollte das Gericht einen Pflichtverteidiger einsetzen, müssten diesem Monate zum Aktenstudium eingeräumt werden.

Karadzic war im Juli 2008 nach fast 13-jähriger Flucht in Belgrad verhaftet und an den Gerichtshof in Den Haag ausgeliefert worden. Er hatte seitdem Zeit, sich auf den Prozess vorzubereiten.