UNO-Tribunal

Karadzic nennt Srebrenica-Opferzahl stark übertrieben

Ex-Serbenführer Karadzic (Archiv)

Ex-Serbenführer Karadzic (Archiv)

Der einstige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic hat die mutmassliche Zahl der Opfer des Massakers von Srebrenica vor Gericht als «um Tausende» zu hoch bezeichnet.

Karadzic ist wegen des Massakers vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, als politischer Anführer der bosnischen Serben einer der Hauptschuldigen der Gräueltaten von Srebrenica zu sein.

Er wolle beweisen, dass die bislang stets genannte Zahl von rund 8000 Toten weit übertrieben sei, erklärte Karadzic vor dem Gericht in Den Haag. Zuvor hatte das Gericht von der Staatsanwaltschaft eine Beschleunigung des Verfahrens verlangt.

Bei der routinemässigen Anhörung zur Vorbereitung des eigentlichen Prozesses verlangte Karadzic unter anderem Zugang zu DNA-Untersuchungen. Zudem müsse "eine korrekte Liste von Opfern" vorgelegt werden. Dann würde sich erweisen, dass es Tausende weniger gewesen seien als behauptet.

Beim Massaker von Srebrenica wurden nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft im Juli 1995 von bosnisch-serbischen Milizen in der seinerzeit offiziell unter UNO-Schutz stehenden Muslim-Enklave rund 8000 bosnische Muslime zusammengetrieben, ermordet und in Massengräbern verscharrt.

Das Massaker gilt als das schwerste Verbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Bislang sind die sterblichen Überreste von etwa 4000 Menschen aus Massengräbern bei Srebrenica geborgen, identifiziert und würdevoll beigesetzt worden. Experten rechnen fest mit der Entdeckung weiterer Massengräber.

Karadzic, der sich selbst verteidigt, geht nach eigenen Angaben davon aus, dass viele der Menschen bereits vor dem Srebrenica-Massaker gestorben sind oder bei Gefechten umkamen.

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