Kantonsregierungen
Reine Männerrunde: Bald werden sieben Kantone ohne Frauenbeteiligung regiert

Im März dürfte im Wallis eine weitere rein männliche Regierung gewählt werden.

Christoph Bernet
Merken
Drucken
Teilen
Frauen in der Regierung? Fehlanzeige. Im Bild: Der Aargauer Regierungsrat mit Jean-Perre Gallatti, SVP; Alex Huerzeler, SVP; Markus Dieth, CVP; Dieter Egli, SP; und Stephan Attiger, FDP; v.l.n.r.

Frauen in der Regierung? Fehlanzeige. Im Bild: Der Aargauer Regierungsrat mit Jean-Perre Gallatti, SVP; Alex Huerzeler, SVP; Markus Dieth, CVP; Dieter Egli, SP; und Stephan Attiger, FDP; v.l.n.r.

Keystone

Nach 12 Jahren und drei Amtszeiten tritt die Walliser SP-­Gesundheitsdirektorin Esther Waeber-Kalbermatten (68) nicht mehr zur Wiederwahl an. Ihr erstmaliger Einzug in den Staatsrat 2009 war historisch: Zum ersten Mal, seit die Frauen im Wallis 1970 das Wahlrecht erhalten hatten, war die Kantonsregierung damit kein rein männliches Gremium mehr.

Mit dem Rückzug Waeber-Kalbermattens dürfte es wieder dazu kommen. Denn aussichtsreiche Frauenkandidaturen sind keine in Sicht. Damit wäre das Wallis bereits der siebte Kanton ohne eine Frau in der Regierung. Ende 2014 sass noch in jeder kantonalen Exekutive eine Frau.

Seither sind in Luzern, Tessin, Appenzell Ausserrhoden (2015), Aargau (2016), Graubünden (2018) und Uri (2020) reine Männerregierungen gewählt worden. Kommt das Wallis hinzu, so lebt eine Bevölkerung von 1,7 Millionen in Kantonen ohne weibliche Regierungsbeteiligung, darunter vier der neun einwohnerstärksten Kantone.

Das stärkste Pferd im Stall der SP ist ein Mann

Im Wallis kommt es bei den Wahlen vom 7. März zu zwei Vakanzen. Die SP will Waeber-Kalbermattens Sitz mit Nationalrat Mathias Reynard verteidigen. Der 33-Jährige gab im Juni seine Kandidatur für das Co-Präsidium der SP Schweiz auf, um ins Rennen um einen Sitz im Staatsrat einzusteigen.

Er betonte zwar stets, er wolle keiner Frau im Weg stehen. Doch in der SP war allen klar: Reynard ist das stärkste Pferd im Stall. Der Lehrer ist über die Parteigrenzen ­hinaus populär und verpasste 2019 nur äussert knapp die Wahl in den Ständerat.

Auch für die Nachfolge des zurücktretenden CVP-Staatsrats Jacques Melly liess sich trotz der laut Partei «grossen Anstrengungen» keine Frauenkandidatur finden. Den Sitz soll der wenig bekannte Serge Gaudin (47) verteidigen. Er kann zwar Erfahrung in der Privatwirtschaft vorweisen, doch ist sein politischer Leistungsausweis als CVP-Exekutivmitglied der 1600-Seelen-Gemeinde Evolène bescheiden.

«Im Wallis müssen die Galaxien richtig stehen»

Wie der «Walliser Bote» in einer Analyse schrieb, dürfen neben den Bisherigen Christophe Darbellay (CVP) und Roberto Schmidt (CSPO) SP-Kandidat Mathias Reynard und SVP-Mann Franz Ruppen mit einer Wahl rechnen. Beim fünften Sitz geht die Zeitung von einem Zweikampf zwischen CVP-Neuling Serge Gaudin und dem bisherigen FDP-Staatsrat Frédéric Favre aus.

Den einzigen weiblichen Anwärterinnen, Magali Di Marco und Brigitte Wolf von den Grünen, werden nur Aussenseiterchancen zugestanden. Dass die im Wallis dominierende CVP nicht in der Lage war, eine Frauenkandidatur aufzubauen, verärgerte viele Frauen: «Im Wallis müssen nicht nur die Planeten, sondern ganze Galaxien richtig stehen, damit eine Frau in den Staatsrat gewählt wird», sagte eine Grünen-Politikerin zu «Le Matin Dimanche».

Aus Frauensicht hoffnungsvoller sieht es bei den zeitgleich stattfindenden Wahlen im Kanton Solothurn aus. Die Chancen, dass neu drei Frauen im fünfköpfigen Regierungsrat sitzen, sind gut. Es wäre nach der Waadt, Zürich und dem Thurgau der vierte Kanton mit weiblicher Regierungsmehrheit.