Kanton zahlt über drei Millionen

Polizei sorgt bei FCB-Spielen vor dem Stadion für Ordnung. Das kostet Basel-Stadt mehrere Millionen Franken pro Saison

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Polizei sorgt bei FCB-Spielen vor dem Stadion für Ordnung. Das kostet Basel-Stadt mehrere Millionen Franken pro Saison

Der FCB übernimmt 16,4 Prozent der Sicherheitskosten des Kantons. Laut Bundesgericht könnten es bis zu 80 Prozent sein. Der FCB zahle eh schon am meisten, sagt der FCB-Sprecher.

David Weber

Ein Bundesgerichtsurteil von Mitte März dieses Jahres hat die Diskussion um die Sicherheitskosten rund um Sportveranstaltungen neu lanciert. 60 bis 80 Prozent der Kosten, welche die Polizei für ihre Sondereinsätze hat, könnten den Sportclubs aufgebürdet werden. «Gratis» für die Clubs wäre ein Basisdispositiv mit 12 Patrouillen à zwei Mann. Mit diesem Grundsatzentscheid stützte das Bundesgericht eine entsprechende Verordnung des Kantons Neuenburg.

Nun hat das Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) erstmals exakt nachgerechnet: Der Aufwand für die Sicherheit rund um die Heimspiele des FC Basel betrug in der Saison 2007/08 3,9 Millionen Franken, 100 000 davon entfallen auf Sanität und Feuerwehr, wie JSD-Sprecher Klaus Mannhart auf Anfrage erklärt. Vom FC Basel erhält Basel-Stadt Rückvergütungen in der Höhe von 640 000 Franken. Das entspricht einem Prozentsatz von 16,4 Prozent. Den Rest, 3,26 Millionen Franken berappt der Steuerzahler.

«Latentes Unbehagen»

Mannhart spricht von einem «latenten Unbehagen» von Seiten der Polizei über das Verhältnis zwischen Kosten und Rückvergütung. Und die Schere gehe weiter auseinander, denn die Kosten nähmen zu. Mannhart hält sich zurück mit Forderungen. Es müsse aber eine sachliche Diskussion darüber stattfinden, wie hoch der Anteil des FCB sein soll und was die Öffentlichkeit bereit ist zu zahlen. Das Bundesgerichtsurteil, hofft er, werde nun die Diskussion auf politischer Ebene und beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) lancieren.

Beim SFV steckt diese Diskussion allerdings noch in den Kinderschuhen. «Ja, das Bundesgerichtsurteil ist ein Thema», sagt SFV-Sprecher Marco von Ah, für Ergebnisse sei es aber zu früh. «Das Urteil ist an der nächsten Sitzung des Zentralvorstandes traktandiert, die noch diesen Monat stattfindet», weiss von Ah. Die Clubs würden dann zu einem späteren Zeitpunkt in die Diskussion einbezogen.

«Wettbewerbsverzerrung»

FCB-Sprecher Josef Zindel seinerseits gibt sich relativ gelassen. «Uns erschüttert das Bundesgerichtsurteil insofern nicht, weil wir eh schon bezahlen müssen», sagt Zindel und macht klar: Der FC Basel zahle mit Abstand am meisten an die Sicherheitskosten aller Schweizer Super League Vereine. Die Clubs in Zürich etwa würden nichts an die Sicherheitskosten des Kantons zahlen.

Dies bestätigt Marco Bisa, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei. «Die Stadtpolizei wälzt keine Sicherheitskosten auf die Sportvereine ab», sagte Bisa, schränkt aber ein: Mit Inkrafttreten des neuen Polizeiorganisationsgesetzes könnte sich dies aber ändern. In Bern bezahlen BSC Young Boys und SC Bern nur eine jährliche Pauschale von 60 000 Franken.

«Diese kantonalen Unterschiede sind wettbewerbsverzerrend», erklärt Zindel und fordert: Es brauche in der Schweiz eine absolut einheitliche Regelung. Wichtig sei auch, dass sich Politik und rechnungsstellende Behörden bewusst seien, was der FC Basel leiste, berichtet Zindel, für den Nachwuchs und für die Bevölkerung. «Der immatrielle Gegenwert für die Gesellschaft ist sehr gross.»

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