Keine Kinderklinik an den Spitalstandorten, keine Notfallorganisation der privaten Kinderärzte für Kinder: Gründe für diese Versorgungslücke im Kanton Solothurn sind zu hohe Kosten und Personalmangel. So müssen Eltern oft weite Wege gehen, um ihr Kind behandeln zu lassen.

Damit soll ab dem nächsten Montag – zumindest für den oberen Kantonsteil – Schluss sein: Acht Kinderärzte aus Solothurn und Grenchen starten einen Pilotversuch und haben in Zusammenarbeit mit den Hausärzten und der Notfallstation des Bürgerspitals ein neues kinderärztliches Notfallreglement geschaffen.

Die Pilotphase soll das ganze Jahr 2009 dauern und dazu dienen, möglichst viele Erfahrungen, beispielsweise in der Zusammenarbeit mit Hausärzten oder der Notfallstation, zu sammeln, heisst es bei den beteiligten Kinderärzten. Wenn also der eigene Kinderarzt seine Praxis geschlossen hat, erreichen Eltern unter der Notfallnummer 0848 112 112 den diensthabenden Kinderarzt.

Und dies zu folgenden Zeiten: Unter der Woche von 8 Uhr bis 20 Uhr und an Wochenenden sowie Feiertagen von 10 Uhr bis 22 Uhr. Der jeweils diensthabende Kinderarzt wird das Kind wenn nötig in seiner Praxis empfangen, untersuchen und behandeln.

24-Stunden-Betrieb unmöglich

«Für uns Kinderärzte bedeutet diese Notfallorganisation eine deutliche Mehrbelastung», erklärt Thomas Ernst, Kinderarzt in der privat geführten Gruppenpraxis im Bürgerspital. Dennoch sei man überzeugt, damit eine gute Abdeckung bieten zu können.

Mit diesem Angebotsausbau sei allerdings die obere Grenze des Machbaren erreicht, betonen die Kinderärzte. «Mehr können wir nicht bieten. Es ist unmöglich, mit acht Pädiatern einen durchgehenden Notfalldienst zu leisten. Insofern ist das neue Angebot ein Kompromiss», so Ernst.

Unterstützung von Spitäler AG

Hans Binz, Leiter Medizincontrolling bei der Solothurner Spitäler AG (soH), ist froh über den Ausbau des Angebots. Auch für ihn ist klar: «Die 12 Stunden pro Tag inklusive Wochenenden sind das Maximum im Rahmen des Möglichen.» (mz/flu/fhe)