Kanton schafft Anlaufstelle gegen häusliche Gewalt

Der Kanton Aargau tut etwas gegen häusliche Gewalt. Ab 1. Juli wird eine Anlaufstelle geschaffen, die sich sowohl an gewaltbetroffene wie auch an gewaltausübende Personen richtet. Zurzeit rückt die Kantonspolizei Aargau rund viermal täglich wegen häuslicher Gewalt aus.

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Wie Regierungsrat Urs Hofmann gegenüber Radio Argovia mitteilt, soll in Zukunft auf von häuslicher Gewalt betroffene Personen zugegangen werden. «Die Anlaufstelle kontaktiert die Personen und sagt ihnen, was sie für Möglichkeiten haben. Man fragt nach, ob sie Hilfe benötigen.»

Damit begeht der Kanton Aargau neue Wege. Kein Kanton in der Schweiz geht das Problem so direkt und offensiv an. Neu ist auch, dass neben den Gewaltopfern auch die Täter in die Beratung involviert sind.

Das genaue Vorgehen ist laut Medienmitteilung des Kantons wie folgt: Nach einer Polizeiintervention wird die Anlaufstelle über den erfolgten Einsatz informiert. In der Folge nimmt die Anlaufstelle mit den Beteiligten Kontakt auf und bietet ihnen eine Kurzberatung an. Damit wird nicht mehr zugewartet, bis oder ob die Betroffenen von sich aus aktiv werden und eine Beratungsstelle aufsuchen.

Die Frauenzentrale Aargau, welche die Anlaufstelle im Auftrag des Kantons betreibt, hat die Geschäftsführung der Anlaufstelle gegen häusliche Gewalt Frau Adrienne Marti übertragen. Sie ist Rechtsanwältin und Sozialpädagogin. Wie Adrienne Marti gegenüber Radio Argovia sagte, ist sie überzeugt, dass die Massnahmen fruchten werden. «Viele Täter schämen sich nach der Gewaltausübung für Ihre Tat und fühlen sich hilflos. Sie möchten ihr Verhalten ändern, wissen aber nicht wie.»

Weitere Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten

Neben der Anlaufstelle werden weitere Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten sowohl für Gewaltbetroffene wie auch für Gewaltausübende geschaffen. Zu erwähnen ist ein spezielles Angebot für Kinder, die häusliche Gewalt direkt erfahren oder als Zeugen miterleben. Sie erhalten eine Primärversorgung und Nachbetreuung.

Erstmals werden im Kanton Aargau Beratungs- und Auffangmöglichkeiten für Gewaltausübende eingerichtet. Sie können freiwillig besucht oder behördlich angeordnet werden. Ab 1. Juli 2009 wird den Gewaltausübenden neben der Kurzberatung durch die Anlaufstelle gegen häusliche Gewalt auch eine längerfristige Beratung angeboten.

Zudem wird ein Lernprogramm eingesetzt, das die Gewaltausübenden anleiten wird, ihr Verhalten zu ändern. Da Nachbarkantone bereits seit einigen Jahren erfolgreich Lernprogramme anbieten, wird der Kanton Aargau kein eigenes Angebot schaffen, sondern die ausserkantonalen Programme in Anspruch nehmen.

Alle Beratungs- und Betreuungsaufgaben werden mit wenigen Ausnahmen nicht vom Kanton selber, sondern von privaten oder halbprivaten Trägerschaften übernommen (wie Frauenzentrale, Frauenhaus, Bewährungshilfe, Kinderschutzgruppen der Kantonsspitäler Aarau und Baden).
(aen)