Kanton Bern

Wer wird Regierungsstatthalter des grössten Verwaltungskreises Bern-Mittelland? Die SVP hat Jean-Pierre Vicari nominiert, die FDP bietet Thomas Hanke an. Doch eigentlich wollen die Bürgerlichen nur mit einer Kandidatur ins Rennen gegen den SP-Mann Christoph Lerch steigen.

Merken
Drucken
Teilen

Am Dienstagabend schuf auch die SVP Bern-Mittelland klare Verhältnisse – jedenfalls aus ihrer Sicht: Mit 64 zu 0 Stimmen nominierten die Delegierten den 49- jährigen Jean-Pierre Vicari einstimmig. Der Präsident des Kreisgerichts Bern- Laupen wohnt in Münchenbuchsee, wo er auch die SVP-Fraktion leitet. 2006 war er Präsident des Grossen Gemeinderates. Laut Parteipräsident Peter Bernasconi drängte die Zeit für die Nomination. «Diese liegt bei uns in der Verantwortung der Delegiertenversammlung, und am 16. März läuft bereits die Anmeldefrist ab», erklärt er.

Die schnelle Nomination kommt der FDP ziemlich ungelegen. Am vergangenen Freitag hatten die Freisinnigen der SVP vorgeschlagen, ein überparteiliches Findungsgremium solle in einem «demokratischen und fairen Verfahren» den bürgerlichen Kandidaten bestimmen.

Dieser Vorschlag basiert auf der Idee, dass die bürgerlichen Parteien mit einer einzigen, gemeinsamen Kandidatur in die Wahl steigen. Dabei setzt die FDP auf Thomas Hanke, 53-jähriger Anwalt und Notar mit eigenem Büro. Hanke präsidierte die FDP Muri-Gümligen, die Kreispartei und war Mitglied des grossen und des kleinen Gemeinderates.

«Ich frage mich auch, wie es nun weitergehen soll», sagt FDP-Geschäftsführer Stefan Nobs zur neuen Ausgangslage. Das Argument Zeit sei fadenscheinig. «Es bleiben uns noch mehr als zehn Tage bis zum Meldeschluss. Nobs beurteilt die Wahlchancen von Hanke als valabel. «Im so genannten ‹Speckgürtel› der Stadt Bern sind wir gut verankert. Und unsere Beziehungen zur politischen Mitte beurteilen wir besser als die der SVP.»

Hanke selber meint, «ich muss mir nun überlegen, was ich tun soll». Das Amt reize ihn und er fühle sich geeignet dafür. Die Nominierung der SVP-Delegierten findet Hanke zwiespältig: «Es darf nicht sein, dass eine Partei sagt, wir wollen den besten und das ist unser Kandidat.» Das überparteiliche Findungsgremium wäre das geeignete Organ. Hanke weiter: «Wie es weitergehen soll, müssen nun die Parteioberen entscheiden.»

CVP will über die Bücher Anfänglich interessierte sich auch die CVP für das Regierungsstatthalteramt. Kronfavorit war Henri-Charles Beuchat, Präsident der Stadtpartei und Stadtrat. «Nach reiflichem Überlegen sagte ich ab.» Er richte seinen Fokus auf die Grossratswahlen 2010, wo er einen der beiden von der Stadtpartei angestrebten Sitze erobern wolle.

Am Wochenende beschloss der Vorstand der CVP Kanton Bern, eine geeignete Einerkandidatur der bürgerlichen Kräfte zu unterstützen. «Nach dem Vorpreschen der SVP müssen wir wohl nochmals über die Bücher», kommentiert Kantonalpräsident Valentin Lagger die SVP-Nomination. Das Problem sei nicht die Person Vicari, sondern das Diktat der SVP, sagt Lagger sinngemäss.

BDP lässt sich nicht in die Karten blicken

Die BDP werde niemanden nominieren, sagt Kantonalpräsidentin Beatrice Simon. Der Vorschlag der FDP, den einzigen bürgerlichen Kandidaten via Findungsgremium zu bestimmen, erachte sie als gut. «Ob wir Jean-Pierre Vicari unterstützen würden, ist noch unklar.»

Auch Blaise Kropf, Co-Präsident der Grünen Kanton Bern, lässt offen, wen die Grünen unterstützen werden: «Wir stellen niemanden, Christoph Lerch ist für uns aber eine gute Option. Der Vorstand wird kurz nach Anmeldeschluss befinden. Dann ist die Ausgangslage klar.» (mz/uz/ufl)