Oberwil-Lieli
Kandidatur gegen SVP-Glarner

Der 20-jährige Jungsozialist Matthias Ammann fordert den SVP-Gemeindeammann Andreas Glarner in Oberwil-Lieli heraus. Er kandidiert auch für die Gemeindeexekutive und will damit «ein Zeichen gegen den rechten Populismus» von Glarner setzen.

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Matthias Ammann

Matthias Ammann

Aargauer Zeitung

Eddy Schambron

Matthias «Mats» Ammann hat eben das Maturazeugnis erhalten und wird ab Herbst in Basel Biologie studieren. Aber er kandidiert auch als Gemeindeammann von Oberwil-Lieli. «Meine Kandidatur soll zeigen, dass es noch Menschen gibt, die Andreas Glarner die Stirn bieten wollen», sagte er gegenüber der MZ. Denn Glarners Rechtspopulismus und seine Provokationen passen für ihn nicht zum Amt eines Gemeindeammanns, der für alle da sein muss.

«Verhalten undemokratisch»

Ammann betont, dass sein Engagement nicht gegen die Partei gerichtet sei - «in einer Demokratie haben verschiedene Ansichten Platz» -, sondern gegen die Person Glarners: «Sein Verhalten ist undemokratisch.» Seine Kandidatur soll all jenen Hoffnung geben, «die mit dem amtierenden Gemeindeammann als Vertreter unserer Gemeinde nicht einverstanden sind», hält Ammann fest. Selber will er sich vor allem in ökologischer Hinsicht für die Gemeinde einsetzen.

Massive Unterstützung erhält Ammann von seiner Partei, den JungsozialistInnen Aargau. Auf der am Samstag eigens geschalteten Homepage www.gegenglarner.ch ruft die Juso Aargau die Stimmberechtigen von Oberwil-Lieli auf, Glarner nicht als Ammann zu wählen. «Dieser Aufruf erfolgt, weil die Juso es nicht zulassen kann, dass ein skrupelloser Politiker wie Andreas Glarner problemlos als Gemeindeammann einer aargauischen Gemeinden wiedergewählt wird.» Unliebsame politische Kontrahenten würden von Glarner «mit geschmacklosen, anonym geschalteten Inseraten verunglimpft», spricht die Partei das Kindertränen-Inserat gegen den ehemaligen Bildungsdirektor Rainer Huber an. Fremdländische Kulturen würden ausserdem von Glarner regelmässig als minderwertig dargestellt (Plakate «Aarau oder Ankara - Baden oder Bagdad» im Nationalratswahlkampf 2007).

«Jede Stimme für Mats Ammann soll als symbolische Handlung gegen die hetzerische, menschenfeindliche und erzkonservative Politik von Andreas Glarner verstanden werden», heisst es auf der Homepage. Verfehle Glarner im ersten Wahlgang das absolute Mehr, wäre dies «ein deutliches Misstrauensvotum des Stimmvolks und die Aufforderung an die Ortsparteien von Oberwil-Lieli, für den zweiten Wahlgang den Wählerinnen und Wählern eine akzeptable Alternative zu Andreas Glarner zu präsentieren.»

«Miese Gesellschaft»

«Ich wünsche Matthias Ammann viel Spass und freue mich auf einen fairen Wettstreit», erklärte gestern Andreas Glarner gegenüber der MZ. Er hatte von der wilden Kandidatur noch keine Kenntnis. Die Kampagne der Jungsozialisten - gemäss Glarner «eine miese Gesellschaft» - macht ihm keinen Kummer: «Die Jungsozialisten haben sich bisher eher mit widerrechtlichem Betreten von Grundstücken, mit Alkohol- und Kifferpartys hervorgetan. Ich bin gespannt, wie sie jetzt in die Sachpolitik einsteigen.» In Oberwil-Lieli gebe es die Partei ja nicht einmal. Er hätte auch keine Mühe, den Platz als Gemeindeammann zu räumen, wenn ein guter Nachfolger gewählt würde. «Von Anfang an als Gemeindeammann zu amten», sagte Glarner, «wäre aber ein rechter Hosenlupf.»