Kampfjet
Nach Bundesratsentscheid für den Tarnkappenjet F-35: Die Konkurrenten geben sich nicht geschlagen

Trotz europäischer Charmeoffensive entscheidet sich der Bundesrat für den texanischen Tarnkappenbomber F-35 als neuen Kampfjet.

Henry Habegger
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Viola Amherd mit Armeechef Thomas Süssli, Darko Savic (Armasuisse) und Rüstungschef Martin Sonderegger. Der F-35 ist für den Bundesrat der beste Flieger.

Viola Amherd mit Armeechef Thomas Süssli, Darko Savic (Armasuisse) und Rüstungschef Martin Sonderegger. Der F-35 ist für den Bundesrat der beste Flieger.

Bild: Key

Der Fight wurde mit allen Mitteln geführt. Die vier Hersteller aus den USA und Europa schenkten sich nichts im Rennen um die bis zu 6 Milliarden, welche die Schweiz für neue Kampfjets ausgeben will. Auch in der Schweizer Landesregierung schieden sich die Geister, so äusserten Finanzminister Ueli Maurer, Aussenminister Ignazio Cassis und Innenminister Alain Berset im Vorfeld Vorbehalte.

Der Zwist gipfelte offenbar darin, dass einige Schweizer Botschaften über geheime Unterlagen aus der Schweizer Jet-Evaluation verfügten, die sie angeblich mit Vertretern von Gastländern teilten. Mutmasslich ging es darum, mögliche Schwachstellen in der Argumentation von Verteidigungsministerin Viola Amherd zu finden.

Es half alles nichts, der Bundesrat hat am Mittwoch abgesegnet, was Amherd beantragt hatte: Der US-Tarnkappenbomber F-35 soll das nächste Kampfflugzeug der Schweiz sein. Für exakt 5,068 Milliarden (Stand Teuerung Februar 2021) sollen 36 Flugzeuge des Hightech-Jets gekauft werden als Ersatz für den alternden F/A-18. Der F-35 des texanischen Herstellers Lockheed Martin setzte sich gegen den lange Zeit favorisierten Rafale (Dassault, Frankreich) sowie den Eurofighter (Airbus, Deutschland) und den F/A-18 Super Hornet durch.

«Kein Spielraum für politische Überlegungen»

«Der F-35 ist das für die Schweiz am besten geeignete Kampflugzeug», so Amherd, flankiert von Armeechef Thomas Süssli und Rüstungschef Martin Sonderegger, vor den Medien. Der Jet habe die Evaluation des Bundesamts für Rüstung Armasuisse klar gewonnen, er sei sowohl in Sachen Wirksamkeit, Anschaffungs- als auch Betriebskosten der beste. Auf 336 Bewertungspunkte kam der US-Jet, 95 mehr als der zweitbeste. Laut Amherd gab es angesichts des klaren Testsieges «keinen Spielraum für politische Überlegungen». Die umfangreichen politischen Angebote der europäischen Hersteller kamen also umsonst.

Zu den 5,068 Milliarden kommt noch die auflaufende Teuerung. Auch so passten die Jets unters Kostendach von 6 Milliarden, die das Volk im letzten September haarscharf bewilligte, so Amherd. Insgesamt soll der amerikanische Tarnkappenjet über seine anvisierte Betriebsdauer von 30 Jahren 15,5 Milliarden Franken kosten. Das seien 2 Milliarden weniger als der zweitgünstigste Kandidat. Die Flottengrösse von 36 Jets ergab sich aufgrund von «Erkenntnissen aus der Evaluation», so das Verteidigungsdepartement.

Diese Modelle haben da Rennen nicht gemacht:

Der Kampfjet Rafale wird von der französischen Dassault Aviation Group produziert. Emmanuel Macron hat für den Flieger geworben.
3 Bilder
Neben dem F-35 das zweite US-amerikanische Modell im Renen: Der Boeing F/A-18 Super Hornet (30. April 2019)
Der Airbus Eurofighter war das vierte Modell, das zur Auswahl stand. (12. April 2019)

Der Kampfjet Rafale wird von der französischen Dassault Aviation Group produziert. Emmanuel Macron hat für den Flieger geworben.

AP / Keystone

Tarnkappenjet F-35 gilt in den USA als sehr teure Maschine

Der supermoderne Tarnkappenflieger gilt in den USA als extrem teuer im Unterhalt. Auf die Journalistenfrage, ob das Verteidigungsdepartement die Angaben des US-Rechnungshofs berücksichtigt habe, wonach die Flugstunde des F-35 doppelt so teuer sei wie beim Super Hornet, sagt Amherd, man stütze sich «auf verbindliche Offerten» der Hersteller. Dies werde vertraglich abgesichert. Auch ein Funktionär aus Amherds Departement gab an, man habe die Betriebskosten aufgrund der Herstellerangaben berechnet.

«Günstiger» wurde der F-35 auch dadurch, dass er weniger echte Flugstunden brauche, so der Bund. Vieles könne dank einfacher Systembedienung und der Informationsüberlegenheit des F-35 auf dem Simulator trainiert werden. So brauche der F-35 20 Prozent weniger Flugstunden und damit auch weniger Starts und Landungen. Mitentscheidend war für das Verteidigungsdepartement der «ausgeprägte technologische Vorsprung» des Tarnkappen-Jets.

Auch der zweite Preis geht an die USA. Für 1,97 Milliarden will der Bundesrat das amerikanische Raketenabwehrsystem Patriot kaufen. Auch hier zogen die Franzosen den Kürzeren. Ihr System SAMP/T sei weniger wirksam und teurer. Auf 30 Jahre berechnet koste Patriot das System 3,6 Milliarden.

Konkurrenten geben sich noch nicht geschlagen

Nimmt man die Fussball-EM dazu, war das für Frankreich definitiv keine gute Schweizer Woche. Die Auslieferung der beiden US-Systeme, so Rüstungschef Sonderegger, sollte «bis 2030 abgeschlossen sein». Über die Armeebotschaft 2022 hat das Parlament das letzte Wort zur Jetbeschaffung. Kampfjetkritiker wollen den Kauf zudem per Volksinitiative verhindern.

Die US-Botschaft in Bern freute sich am Mittwoch, dass der Bundesrat den F-35 und, wie die Schweizer Regierung ebenfalls entschied, noch dazu für zwei Milliarden das US-Luftabwehrsystem Patriot von Raytheon kaufen wolle. Noch nicht aufgeben dürften allerdings die gestrigen Verlierer Airbus (Eurofighter), Dassault (Rafale) und Boeing (Super Hornet). So hält Eurofighter-Hersteller Airbus fest, «unsere Offerte und Gesprächsbereitschaft besteht weiterhin».

Verfügten Botschaften über geheime Informationen?

Nicht ausgeschlossen wird beispielsweise, dass sich bei den konkreten Vertragsverhandlungen um den F-35-Deal noch unliebsame Überraschungen für die Schweiz ergeben könnten.

Was Schweizer Botschaften im Ausland betrifft, die angeblich über Infos zur Evaluation verfügten, heisst es beim Aussendepartement: Davon habe man keine Kenntnis. Das sagt auch das Verteidigungsdepartement, das mit den Verteidigungsattachés im Ausland vor Ort ist. Es fügt noch an, es habe «keine solchen Informationen» weitergeben oder weitergeben lassen.