Hundegesetz
Kampfhundeverbot: Wohin mit den aggressiven Vierbeinern?

Tierheime wehren sich gegen die Aufnahme von Kampfhunden und kritisieren die Verschärfung der Hundegesetze. Grund: Die aggressiven Vierbeiner lassen sich nur schwer vermitteln und müssen deshalb vermehrt eingeschläfert werden.

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Keystone

Sven Zaugg

Nach dem grausamen Tod des fünfjährigen Süleyman, der im Dezember 2005 von drei Pitbull Terriern zerfleischt wurde, haben zahlreiche Kantone - darunter Zürich, Genf, Wallis und Fribourg - ihre Hundegesetze verschärft. Gewisse Rassentypen (Listenhunde) wurden gar verboten. Im Aargau ist eine Verschärfung des Hundegesetzes per 1.1.2012 geplant.

Krankhaftes Verhalten der Hunde

So konsequent ein Verbot für gewisse Rassen auch scheinen mag, die Folgen unterschiedlicher kantonaler Gesetzgebungen bekommen in erster Linie die Tierheime zu spüren: «Wir sind voll ausgelastet», sagt Marlies Widmer vom Aargauischen Tierschutzverein. Vor allem schwer vermittelbare Tiere - wozu ebengerade die Kampfhunde gehörten - können nicht mehr aufgenommen werden.

Die Tierschützerin beschreibt den so genannten Kampfhund als ein sehr sensibles Tier, das eine starke Beziehung zu seinem Besitzer aufbaue. «Wenn die Hunde nicht richtig betreut werden, können sie ein schwer kontrollierbares Verhalten entwickeln.»

Besonders solche Vierbeiner fühlten sich in Heimen überhaupt nicht wohl, weil ihnen die nötige Aufmerksamkeit fehle, sagt Widmer. Konsequenz: Die Hunde entwickeln Verhaltensauffälligkeiten, werden krank oder resignieren. Die Folge davon ist nicht selten die todbringende Spritze.

Halter sind überfordert

Widmer kritisiert zudem, dass sich die Halter ihrer Verantwortung nicht im Geringsten bewusst sind. Grosse Hundetypen seien relativ schwierig zu betreuen. «Die Halter sind schnell überfordert - der Gang ins Tierheim nur eine Frage der Zeit», sagt die Aargauerin.

Euthanasierung

Gemäss Statistik des Schweizer Tierschutzes (STS) fanden lediglich 139 Listenhunde Platz in einem Tierheim. Von den rund 40 STS-Sektionen gaben 23 an, Schwierigkeiten beim Platzieren von Listenhunden zu haben, für lediglich fünf Sektionen - die sich in Kantonen mit liberalen Hundegesetzen befinden - ist dies kein Thema. In neun STS-Sektionen mussten Hunde unter anderem wegen hoher Aggressivität eingeschläfert werden. Bezeichnend für die Kampfhunde-Problematik ist die Aussage der Sektion Biel-Seeland, die festhält, dass Euthanasierung (Einschläfern) zwar selten vorkomme, aber auch in Erwägung gezogen werden müsste. (sza)

Durch die Verschärfung des Hundegesetzes, so wie es einige Kantone vollzogen haben, scheint das Problem mit Kampfhunden also nicht gelöst. Für viele Experten vermittelt das Verbot von Rassentypen ohnehin ein falsches Gefühl von Sicherheit. Die Rassentypenliste könne leicht umgangen werden, etwa mit Kreuzungen. Auf nationaler Ebene ist darum kein Verbot von Hunderassen geplant.

Platzierung von Listenhunden «unmöglich»

Ein Blick in die aktuelle Statistik des Schweizerischen Tierschutzes (STS), die «a-z.ch» vorliegt, bestätigt die Schwierigkeiten bei der Platzierung von Listenhunden.

Die Sektion Biel-Seeland nahm 2009 rund 38 Kampfhunde auf und weist daraufhin, dass es immer schwieriger werde, die Tiere zu platzieren. Für die Sektion Interlaken ist gemäss Statistik die Platzierung von Listenhunden gar unmöglich.

Der Verein Tierschutz beider Basel kämpft derweil mit behördlichen Auflagen, die eine Vermittlung erschweren. «Die Tiere können in der Regel nur noch in die Zentralschweiz vermittelt werden», heisst es. Der Betreuungsaufwand für solche Fälle sei sehr hoch.

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