Hotellerie
Kampfansage gegen Booking.com: Schweizer Hotels klagen über «Knebelverträge»

Über 70 Prozent aller Schweizer Online-Buchungen laufen über die Plattform Booking.com. Was die Gäste nicht wissen: Das Hotel erhält vom bezahlten Preis oftmals nur die Hälfte. Wie und warum die Politik nun dagegen vorgehen möchte.

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Für den Gast ist die Online-Buchung von Ferien ein Segen.Für die Schweizer Hoteliers wird sie zunehmend zum Fluch. (Symbolbild)

Für den Gast ist die Online-Buchung von Ferien ein Segen.Für die Schweizer Hoteliers wird sie zunehmend zum Fluch. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Herr und Frau Schweizer sind Schnäppchenjäger. Und das Internet hilft: Noch nie war es so einfach, Preise in Erfahrung zu bringen, sie zu vergleichen und so das günstigste Angebot zu finden. Auch bei der Ferienplanung wird gerne gespart. Abhilfe schaffen Buchungsplattformen wie Booking.com oder Expedia. Die globalen Player helfen dem Gast, sich in der Vielzahl von Angeboten zurechtzufinden und das für ihn passendste – sprich günstigste – Hotelzimmer zu finden.

Nur: Was für den Gast Segen ist, wird für Schweizer Hoteliers zunehmend zum Fluch. Die Verträge, welche Buchungsplattformen wie Booking.com den Hotels anbieten, verlangen einerseits hohe Komissionen und andererseits sehr restriktive Vertragsklauseln.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, will nun die Politik der Schweizer Hotelbranche unter die Arme greifen. Dazu hat der Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof eine Motion gegen die «Knebelverträge der Online-Buchungsplattformen» eingereicht. Unterstützt wird er fast vom halben Ständerat – 20 Mitglieder der kleinen Kammer, stammend aus allen politischen Lagern, haben sich der «Anti-Booking-Koalition» von Bischof angeschlossen.

Pirmin Bischof, Ständerat der CVP.

Pirmin Bischof, Ständerat der CVP.

Peter Klaunzer/Keystone

Hauptsächlich sieht die Motion eine Gesetzesänderung vor, die den Plattformen sogenannte Preisparitätsklauseln verbieten soll. Aktuell schreiben die Buchungsplattformen den Hotels vor, dass sie auf ihrer Hotel-Webseite keine günstigeren Tarife anbieten dürfen als auf der Plattform.

Natürlich sind die Hotels nicht gezwungen, solche Verträge einzugehen. Allerdings hält die Plattform Booking.com einen Marktanteil von über 70% auf alle Schweizer Online-Hotelbuchungen. Wer also nicht auf Gäste verzichten will, muss sich mit der Plattform auseinandersetzen – und die Knebelverträge in Kauf nehmen. «Ein Hotelier hat gar nicht mehr die Wahl, ob er auf Booking ist oder nicht», sagt Christophe Hanse von Hotelleriesuisse. «Die Plattform ist so dominierend geworden, dass der Markt nicht mehr funktioniert.»

Aktuell einziges Schlupfloch für die Hotels: Direktbuchungen. Hier dürfen die Hotels ihren Gästen Rabatte gewährleisten. Hoteliers empfehlen deshalb ihren Gästen, sich zuerst via Booking.com über verfügbare Zimmer zu informieren, dann aber direkt telefonisch oder per Mail beim Hotel zu buchen. Eine Win-Win-Situation für Gast und Hotel: Der Gast schlägt ein Rabatt heraus und das Hotel spart sich die Kommission. (gin)