Über mangelnde Aufmerksamkeit können sich Schweizer Jungpolitiker nicht beklagen. Der Wechsel von David Roth zu Fabian Molina an der
Juso-Spitze wurde breit kommentiert, Anian Liebrand will mit seiner Jung-SVP medienwirksam die Universitäten erobern und Maurus Zeier von den Jungfreisinnigen schaffte es gar zu einem Auftritt in der SRF-Satiresendung Giacobbo/Müller.

Alles Plattformen, auf denen die Präsidenten der jeweiligen Jungparteien ihre Botschaften präsentieren konnten.

Bei ihrem primären Zielpublikum kommen diese freilich nur sehr bedingt an: Wie die Vox-Analyse des Instituts GfS Bern und der Uni Genf letzte Woche gezeigt hat, nahmen nur gerade 17 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative teil – ein erschreckend tiefer Anteil angesichts der Bedeutsamkeit der Vorlage. Zum Vergleich: Bei den 60- bis 69-Jährigen füllten nicht weniger als 82 Prozent den Stimmzettel aus.

Den Vertretern der Jungparteien ist es also ganz offensichtlich nicht gelungen, ihre Altersgenossen an die Urne zu bewegen. Entsprechend ernüchtert ist nun die Stimmung: «Die Zahlen überraschen uns und lassen uns gleichzeitig etwas ratlos zurück. Denn wir haben im Vorfeld der Abstimmung gemacht, was in unserer Macht stand», sagt Jungfreisinnigen-Präsident Zeier.

Immer mehr Mitglieder

Die tiefe Stimmbeteiligung erstaunt umso mehr, als dass sich die Jungparteien eines nie da gewesenen Mitgliederzuwachs erfreuen. Am deutlichsten konnten in den letzten Jahren die Jungsozialisten zulegen. Sie haben ihre Mitgliederzahl seit 2008 auf gut 3100 fast verdreifacht und damit Kritiker, die den Höhenflug einzig dem Charisma von Ex-Präsident Cédric Wermuth zuschrieben, Lügen gestraft.

Doch auch die JCVP (rund 2000 Mitglieder), die Jungfreisinnigen (rund 3500 Mitglieder) und die JSVP (rund 6000 Mitglieder) konnten ihre Zahlen jüngst steigern – wobei nicht alle Parteien und Sektionen einen Mitgliederbeitrag verlangen.

Auf der anderen Seite der politischen Teilnahme steht die grosse Masse der Jungen, die nicht per se apolitisch ist, die sich aber nur schwerlich zum Urnengang motivieren lässt. Um dieses Potenzial kämpfen nun die Jungparteien: «Der 9. Februar ist für uns ein Weckruf. Wir haben gemerkt, dass wir noch besser aufzeigen müssen, wie stark die Abstimmungen uns alle betreffen.» So sollen beispielsweise Factsheets in prägnanter Form die wichtigsten Positionen vermitteln.

Bei den Jungsozialisten denkt man aber auch weiterhin laut über das Stimmrechtsalter 16, Abstimmungszwang à la Schaffhausen oder das Stimmrecht für Migranten nach.

Auch die JSVP will «noch mehr auf die Jungen zugehen», wie Präsident Liebrand sagt. Das Rahmenprogramm an Parteiveranstaltungen werde konsequent so gestaltet, dass sich junge Leute angesprochen fühlten. Damit hofft man, noch mehr Sympathisanten anzuziehen, die dann wiederum ihr Umfeld zum Abstimmen bewegen sollen. Zudem plant Liebrand für diesen Freitag ein Treffen mit den Spitzen von JCVP und Jungfreisinnigen, um im Hinblick der kommenden Abstimmungen die gemeinsamen Positionen zu erörtern. Diese wolle man dann altersgerecht – «beispielsweise mit Kurzvideos» – unters Volk mischen.

Einen anderen Weg will die Junge CVP beschreiten. Sie macht sich dafür stark, auf nationaler Ebene ein Suppleanten-System, wie es der Kanton Wallis am ausgeprägtesten kennt, zu verankern. Jeder Parlamentarier hätte demnach einen Vertreter («Suppleant»), der ihn in Kommissions- und Plenarsitzungen vertreten kann.

Idee dahinter: Als Suppleanten würden häufiger Junge eingesetzt, was zu einer grösseren Akzeptanz in ihrem Alterssegment und letztlich mehr politischem Interesse führen soll. Die Chancen für einen Systemwechsel stehen allerdings schlecht: 2008 hat der Nationalrat einen entsprechenden Vorstoss von FDP-Parlamentarierin Christa Markwalder überdeutlich versenkt.