TV-Auftritt

Junger Eritreer packt aus: «Das Schlimmste ist die politische Hetze in den Medien»

«Es ist lebensgefährlich»: Yonas Gebrehiwet schildert seine Sicht der Dinge über das Leben in Eritrea und die Flucht aus dem Land

«Es ist lebensgefährlich»: Yonas Gebrehiwet schildert seine Sicht der Dinge über das Leben in Eritrea und die Flucht aus dem Land.

Sehen Sie hier die wichtigsten Momente aus der Sendung «TalkTäglich» vom Dienstagabend im Zusammenschnitt. Oder die ganze Sendung im Video weiter unten im Text. 

Eritreer Yonas Gebrehiwet flüchtete vor vier Jahren in die Schweiz. Heute macht der 19-Jährige eine Lehre und spricht fast perfekt Deutsch. Yonas will das Image seiner Landsleute verbessern. Im «TalkTäglich» sagte er, weshalb er nicht zurück kann.

Yonas Gebrehiwet war 14, als er seine Heimat verlassen hat. Sein Vater sei verhaftet worden und seine Mutter sei bedroht worden, weil sie angefangen habe, kritische Fragen zu stellen. Das habe sie zur Flucht gezwungen, erzählt der junge Eritreer in einwandfreiem Schweizerdeutsch in der Sendung «TalkTäglich».

«Man hat nur Pflichten»

Und an dieser Stelle von Yonas' Geschichte  der Kern seiner Botschaft: «Man hat keine Rechte in Eritrea, man hat nur Pflichten.» Und wer aufbegehre, der komme ins Gefängnis und werde dort gefoltert. 

Das passiere zudem «fast jedem Eritreer, der Militärdienst macht», sagt Gebrehiwet. Denn dieser sei reine «Sklaven- und Zwangsarbeit» – «Jeder, der Macht hat, nützt dich aus, du musst zum Beispiel für einen Armeechef ein Haus bauen.» Aus diesem Grund hätte er spätestens mit 17 flüchten müssen.

«Alle sind an Leib und Leben bedroht!»

Vor einer Woche war Toni Locher, Honorarkonsul für Eritrea in der Schweiz, in derselben Sendung zu Gast und sagte etwas komplett anderes: «Keiner ist an Leib und Leben gefährdet.» Dass junge Eritreer flüchten, sei eine Modeerscheinung. «Meiner Meinung nach sollte man Junge wieder zurückschicken», so Locher.

Am 4. November sagte der eritreische Honorarkonsul in der Schweiz, Toni Locher, in derselben Sendung, die Flucht aus Eritrea sei eine Modeerscheinung. So kontert Yonas Gebrehiwet.

Am 4. November sagte der eritreische Honorarkonsul in der Schweiz, Toni Locher, in derselben Sendung, die Flucht aus Eritrea sei eine Modeerscheinung. So kontert Yonas Gebrehiwet.

Der junge Eritreer Gebrehiwet doppelt nach: «Es sind alle an Leib und Leben bedroht! Weil sie keine Rechte haben und wissen, was passiert, wenn sie etwas sagen. Menschen würden willkürlich verhaftet, viele würden einfach verschwinden. «Ich würde mindestens 300 Bilder von vermissten Eritreern auf Facebook finden, wenn ich jetzt suchen würde. Das sind Fakten.»

«Keine Wahl – du musst flüchten»

Yonas Gebrehiwet lebte nach der Flucht seiner Mutter bei den Grosseltern. Danach kam er mit seinen Brüdern als Familiennachzug in die Schweiz.

Doch als Jugendlicher komme man auch so nicht legal aus dem Land. «Deshalb hast du keine Wahl: Du musst flüchten. Aber das schafft fast jedes kleine Kind.» Schwierig sei es nicht, «aber sobald man über die Grenze ist, muss man damit rechnen, erschossen zu werden. Es ist lebensgefährlich.»

Zurück könne man nach der Flucht nicht mehr. «Aber man ist ein freier Mann.»

«Jetzt bin ich ziemlich ein Schweizer»

Doch auch in der Schweiz war und ist nicht alles rosig für Yonas. «Am Anfang war es schwierig – die Kultur, das Wetter, alles war anders.»

Dass er eine reguläre Oberstufenklasse besuchen konnte, sei für ihn das Wichtigste gewesen – er lernte schnell Deutsch, heute ist er im dritten Lehrjahr als Textiltechnologe und lebe wie seine Kollegen auch. «Jetzt bin ich ziemlich ein Schweizer», sagt er.

Ein Eritreer packt aus – sehen Sie hier die ganze Sendung «TalkTäglich» vom Dienstagabend.

Ein Eritreer packt aus – sehen Sie hier die ganze Sendung «TalkTäglich» vom Dienstagabend.

Mühe mache ihm «die politische Hetze gegen Eritreer in den Medien». Angefeindet werde er auch persönlich: «Die Leute sagen mir, ich sei ein Sozialschmarotzer, dass ich wieder zurück nach Afrika soll.»

Würde er das denn – vorausgesetzt, die Lage in seiner Heimat würde sich bessern?, fragt Moderator Oliver Steffen zum Schluss. Ja, er könne sich vorstellen, wieder zurückzugehen, sagt Yonas, auch wenn es sicher nicht leicht wäre. Denn: «In Eritrea war ich ein Kind und hier bin ich erwachsen geworden.»

Aber: «Ich würde gern die Mentalität der Schweiz nach Eritrea bringen – und aus Eritrea ein demokratisches Land machen.» (smo)

Meistgesehen

Artboard 1