Rassismus
Junge Secondos drohen Juden auf Facebook – SIG reicht Anzeige ein

Seit Ausbruch des Gaza-Konflikts gab es auf sozialen Netzwerken mehrere Fälle von Drohungen und antisemitische Hetztiraden gegen Juden durch junge muslimische Secondos. Der Israelitische Gemeindebund hat 15 von ihnen angezeigt.

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Demonstration gegen die Gewalt in Gaza in Genf. (Symbolbild)

Demonstration gegen die Gewalt in Gaza in Genf. (Symbolbild)

Keystone

Es handelt sich um vorwiegend männliche Secondos, die sich oft in kurzer Zeit radikalisiert haben. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) hat auf die neue Entwicklung reagiert: «Der SIG hat 15 Personen bei den Behörden angezeigt und sie gebeten, gegen diese Personen ein Verfahren wegen Drohungen und diskriminierenden Äusserungen zu eröffnen», bestätigt Patrick Studer, SIG-Beauftragter für Prävention und Information, gegenüber der Zeitung „Schweiz am Sonntag“. «Es geht in der Mehrzahl um Männer zwischen 18 und 30 Jahren, um Secondos aus der Türkei, dem Kosovo und dem Balkan.»

Es ist die Facebook-Seite «Demo für Palästina in der Schweiz», in der junge Frauen und Männer türkischer, albanischer und kosovarischer Herkunft mit judenfeindlichen Hasstiraden und Gewaltaufrufen auffallen. Dem SIG fiel es leicht, Muslime zu identifizieren, die in Kommentaren hetzen oder drohen. Einzelne schreiben unter ihrem echten Namen, andere haben ihn nur leicht verfremdet. Dritte wiederum posieren vor ihrem Wagen mit unverdeckter Autonummer.

Die islamischen Organisationen haben Kenntnis von den Vorfällen. «Wir verurteilen in aller Schärfe und mit Nachdruck alle Aufrufe zu Hass und Gewalt», sagt Hisham Maizar, Präsident des islamischen Dachverbands Fids. Der Konflikt in Gaza sei hochemotional. «Da lassen sich einige wenige fehlgeleitete Drohreaktionen leider nicht vermeiden. Dennoch müssen sie verfolgt und geahndet werden.»

Maizar warnt aber, nun von den Muslimen als Bedrohung für die Juden zu sprechen. «Das wäre verantwortungslos.» Er habe SIG-Präsident Herbert Winter «ausführlich dargelegt, dass wir alles tun, um eine Eskalation abzuwenden». Maizar hat seinen Kollegen Winter eingeladen, eine jüdische Botschaft «an die Palästinenser und alle Muslime in der Schweiz zu richten». Für das «gegenseitige Verständnis».

Dass es solche Fälle gebe, „bestreite ich nicht», sagt auch der grüne Nationalrat Daniel Vischer, Präsident der Gesellschaft Schweiz - Palästina. «Das ist ein fanatisierter Kreis. Daraus darf man aber nicht auf eine Grundstimmung bei den Muslimen in der Schweiz schliessen.»

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