Politisch mag das Trio wenig gemeinsam haben, doch ihre Karrieren lassen sich durchaus vergleichen: Christian Levrat, Christophe Darbellay und Toni Brunner schafften jung den Sprung in den Nationalrat, politisieren schon jahrelang in Bern, führen seit längerem ihre Partei – und sind nun an einem ähnlichen Punkt angelangt. Politisch erfahren und mit 43 (Levrat), 42 (Darbellay) sowie 39 Jahren (Brunner) weit entfernt vom Rücktrittsalter stellt sich ihnen die Frage, welche Stufe der Karriereleiter sie als nächstes erklimmen könnten.

Allen voran CVP-Parteipräsident Christophe Darbellay steht vor einer ungewissen Zukunft: Eine Amtszeitbeschränkung der Unterwalliser CVP verhindert, dass der 42-Jährige ein viertes Mal für den Nationalrat kandidieren darf. 2015 muss er seinen Sitz in der grossen Kammer räumen, das Parteipräsidium gibt er gleichzeitig ab. Was bleibt, ist vorerst die Politik auf kantonaler Ebene. So gab er bereits jetzt – fast vier Jahre vor den nächsten Wahlen – seine Kandidatur für den Walliser Staatsrat bekannt. Im ersten Anlauf 2009 blieb ihm der Exekutivsitz in der Heimat verwehrt – die Partei stellte ihn nicht zur Wahl auf.

Die Karriere von SVP-Parteipräsident Toni Brunner begann rasant – mit 21 Jahren zog er in den Nationalrat ein. Dort sitzt er nun seit 18 Jahren. Zweimal scheiterte der 39-jährige St. Galler bei der Wahl in den Ständerat – zuletzt 2011 am Gewerkschafter Paul Rechsteiner. «Zwei Mal darf es derselbe Kandidat versuchen, aber nicht drei Mal», sagte Brunner damals. Ambitionen auf einen St. Galler Regierungssitz hat er bisher keine angemeldet; der Bundesrat ist auch kein Thema.

In einer ähnlichen Lage befindet sich auch Christian Levrat, der seit 2008 die SP präsidiert. Der Freiburger sagte kürzlich, er hege keine Ambitionen auf einen Regierungssitz in seinem Heimatkanton. Der 43-Jährige wurde 2003 in den Nationalrat gewählt und übernahm letztes Jahr den Ständeratssitz von Alain Berset nach dessen Wahl in den Bundesrat. Solange der Freiburger Sozialdemokrat Berset in der Landesregierung sitzt, bleibt Levrat der Einzug in die Exekutive verwehrt.

Resignation oder neue Stärke

«Das Phänomen des versperrten Karrierewegs lässt sich nicht auf den politischen Kontext beschränken», sagt Silvan Winkler, promovierter Arbeitspsychologe, der für das Marktforschungsunternehmen GfK als Organisationsforscher die Befindlichkeit von Arbeitnehmenden analysiert. Speziell frustrierend sei diese Situation für Personen, die sich gewohnt sind, mitzugestalten und einen Beitrag zu leisten – so wie das auf viele Politiker zutrifft.

«Ändert sich über längere Dauer nichts an dieser Situation, kann das zu Frustration oder zu einer resignativen Arbeitszufriedenheit führen.» Die Betroffenen finden sich mit der Situation ab, büssen aber an Leidenschaft und Tatendrang ein. Doch nicht alle reagieren gleich auf eine blockierte Karriereleiter: «Es gibt durchaus Leute, die daran erstarken und sich als Reaktion darauf etwa in neue politische Themen und Interessengebiete einarbeiten», sagt Winkler. Sein Rat an Politiker, die in ihrer Karriere anstehen: «Selber aktiv werden und nach neuen Optionen suchen, sich proaktiv anbieten, statt zu warten, bis jemand die Tür aufmacht.»

Rücktritt vor dem 40. Geburtstag

Ein Rat, den Ursula Wyss beherzigte. Nach 13 Jahren trat die damals 39-Jährige 2012 als SP-Fraktionspräsidentin aus dem Nationalrat zurück. Seither politisiert sie als Gemeinderätin der Stadt Bern – wo sie in drei Jahren Chancen aufs Stadtpräsidium hat.

«Den Entscheid habe ich bisher nie bereut», sagt sie. Die Rückkehr auf die nationale Ebene sei zurzeit kein Thema. Es sei sicher etwas anderes, jung und nicht am Ende der Karriere in ein politisches Amt gewählt zu werden, sagt Wyss. «Für die Zeit danach braucht es eine gewisse Offenheit. Die allermeisten jungen Politiker sind sich dem sehr wohl bewusst.»