Sie wurde von der Stiftung Aids & Kind seit 2002 organisiert, traf sich vierteljährlich, um sich auszutauschen. Die «Gruppe» bot ihnen eine psychosoziale Begleitung. Damit ist nun Schluss: Die Stiftung hat entschieden, dass die Jugendgruppe in eine autonome Organisation überführt werden soll. «Die Mitglieder der Gruppe sind keine Kinder mehr», sagt Generalsekretär Linus G. Jauslin, der die Jugendgruppe von Anfang an begleitet hat.

Kommt hinzu, dass es in der Schweiz dank standardisierten HIV-Tests während der Schwangerschaft sozusagen keine Mutter-Kind-Übertragungen des HI-Virus bei der Geburt mehr gibt – und damit in einigen Jahren der «Nachwuchs» für die Jugendgruppe fehlt.

Gegen die Ausgrenzung antreten

Der Autonomie-Beschluss verstörte die Gruppenmitglieder zunächst. «Die erste Reaktion war Panik», erinnert sich Jauslin. «Dann aber nahm der Tatendrang überhand. Die Betroffenen wollen Verantwortung übernehmen.» Aus der «Jugendgruppe» ist inzwischen offiziell der Verein Swiss youth+group geworden – das «+» soll als «positive» gelesen werden. Vor wenigen Tagen hat der Vorstand seine erste Sitzung abgehalten.

Für den Präsidenten des Vereins, Jonas Eschenmoser, ist es eine neue Erfahrung, sich öffentlich zu seiner Krankheit zu bekennen. Der 27-jährige gelernte Automechaniker aus dem Kanton Zürich sagt, er habe schon länger damit geliebäugelt. «Ich wartete nur auf den richtigen Moment.» Eschenmoser, der als Kind Tag für Tag 29 Tabletten schlucken musste, ist überzeugt, dass der neue Verein wichtig ist. «Es braucht die Gruppe, um in der Schweiz längerfristig etwas gegen die Ausgrenzung der Menschen mit Aids zu erreichen», sagt er. «Wenn wir es nicht machen, dann macht es niemand.»

Die Vereinsmitglieder wollen dazu beitragen, dass Menschen, die mit HIV oder Aids leben, «in allen Bereichen ein würdevolles Leben» ermöglicht wird. Zudem werden sie weiterhin Aufklärungs- und Präventionsarbeit an Schulen leisten. «Wenn einer von uns vorne steht, macht das den Schülern einfach mehr Eindruck, als wenn ein Theoretiker über die Gefahren sexuell übertragbarer Krankheiten aufklärt», so Eschenmoser.

Formales als Herausforderung

Für die 19-jährige Schwyzerin Jennifer Annen ist es nichts Neues, in der Öffentlichkeit zu stehen. Seit einigen Jahren schon gibt sie HIV-positiven Jugendlichen ein Gesicht, indem sie vor Schulklassen auftritt oder in Medien über das Leben mit HIV Auskunft gibt. Im neuen Verein amtet sie als Vizepräsidentin. «Mich plagen manchmal Zweifel, ob wir das alles schaffen», gesteht sie, die gerade ihre KV-Lehre mit Bravour bestanden hat.

Jauslin sagt, die meisten der ehemaligen «Gruppen»-Mitglieder hätten keine Vereinserfahrung. «Die grösste Herausforderung für sie ist, das Vereinsleben mit allen formellen Aspekten zu lernen. Und sie müssen die volle Verantwortung für ihre Ideen und Projekte übernehmen.»