Krankenkasse
Junge Erwachsene werden zur Kasse gebeten

Künftig müssen Krankenkassen Prämienrabatte für junge Erwachsene begründen. Das fordert das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Damit werden Altersgruppen mit geringem Einkommen noch mehr belastet.

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Keystone

Die Krankenkassenprämien dürften nach dem massiven Anstieg vor einem Jahr auch auf das nächste Jahr hin wieder überdurchschnittlich steigen. Nun zeichnet sich ab, dass junge Erwachsene im Alter zwischen 19 und 25 Jahren besonders davon betroffen sein könnten. Der Grund dafür: Bei vielen Krankenkassen profitierten junge Erwachsene bisher von einem Prämienrabatt auf die Erwachsenenprämie.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat nun in einem Kreisschreiben an die Krankenkassen festgelegt, dass eine Prämienreduktion von über 15 Prozent zu begründen ist. Kann eine Krankenkasse den Rabatt nicht begründen, muss sie die Prämien der jungen Erwachsenen erhöhen, um den Vorgaben des BAG zu entsprechen.

Doppelbelastung für Versicherte

«Wenn die Krankenkassen Rabatte für die jungen Erwachsenen kürzen müssen, träfe dies eine Altersgruppe, in der viele Personen noch ein geringes Einkommen haben oder ihre Eltern die Prämien bezahlen, was die Prämienbelastung von Familien weiter vergrössern würde», sagt Richard Eisler, Geschäftsführer von comparis.ch. Störend an der Anordnung des BAG sei der Zeitpunkt, so Eisler weiter. Denn dass die Prämien für die jungen Erwachsenen bei einigen Kassen zu tief seien, sei kein neues Phänomen, sondern schon seit über 10 Jahren bekannt.

In diesem Jahr, so Eisler, drohten aber generell überdurchschnittliche Prämienerhöhungen. Damit belastet eine mögliche Senkung des Rabatts das Budget der Versicherten gleich doppelt. «Solche Einzelmassnahmen, die bestimmte Versicherte separat stärker zur Kasse bitten, verstärken den Unmut der Betroffenen über die Krankenkassenprämien noch mehr», erklärt Eisler. «Letztlich lösen solche Änderungen das Problem der stetig steigenden Gesundheitskosten nicht, sondern regeln nur deren Finanzierung neu.» (sza)

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