"Die Buben und jungen Männer haben sehr viel erlebt. Hier im Kinderdorf sind sie gut aufgehoben und können zur Ruhe kommen", sagte die Bundesrätin am Donnerstagmittag vor den Medien. Sie sei beeindruckt, wie der Kanton Appenzell Ausserrhoden die anspruchsvolle Aufgabe der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern (UMA) angehe.

Sie habe beim gemeinsamen Mittagessen junge Menschen kennengelernt. "Eigentlich sind sie noch Buben", sagte Sommaruga. Einer sei erst acht Monate in der Schweiz und könne bereits sehr gut Deutsch. "Ein Jugendlicher sagte mir, er wolle Arzt werden, um helfen zu können." Es sei wichtig, dass die Jugendlichen gut betreut und ausgebildet werden. "Eine rasche Integration der jungen Menschen liegt im Interesse von uns allen", sagte die Bundesrätin.

Kantone fordern mehr Geld

Die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) fordert mehr Geld für die Betreuung der Flüchtlinge, insbesondere für diejenige von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen, welche viel mehr Unterstützung brauchen. Heute bekommen die Kantone pro Person eine einmalige Integrationspauschale von 6000 Franken und eine Tagespauschale von 50 Franken pro Tag - gleichviel wie für die Betreuung erwachsener Flüchtlinge.

Das reiche bei weitem nicht, heisst es im jüngsten Newsletter der KdK. Bei der Unterbringung und Betreuung der MNA entstünden für die Kantone jährlich ungedeckte Kosten von mindestens 60 bis 70 Mio. Franken.

Der Bundesrat sei derzeit dabei, eine Lösung zu suchen, sagte Sommaruga. Bund, Kantone und Gemeinden müssten zusammenarbeiten. Die Betreuung der UMA's brauche jedoch nicht nur Geld, sondern das Engagement der Behörden. "Eine gute Integration junger Flüchtlinge ist eine Investition in die Zukunft", sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD).

Gemeinsame Aufgabe

Die Betreuung für einen Jugendlichen kostet in Appenzell Ausserrhoden pro Tag rund 100 Franken. 50 Franken bekommt der Kanton vom Bund, der Rest wird von den Gemeinden (90 Prozent) und vom Kanton (10 Prozent) finanziert. Flüchtlingsbetreuung sei eine Verbundaufgabe, sagte Matthias Weishaupt, Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales: "Wir kümmern uns so gut wie möglich um die Jugendlichen, die Kostenfrage steht dabei nicht im Zentrum."

Besondere Betreuung

Im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen AR leben zur Zeit 18 jugendliche Asylbewerber, zehn Kinder werden bei Pflegefamilien oder in Wohngruppen betreut. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden hat für die Unterbringung der Jugendlichen zwei Häuser von der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi gemietet.

Betreut und ausgebildet werden die 14- bis 18-Jährigen im Kinderdorf von Fachleuten des Vereins tipiti. Trotz ihrer schwierigen Lebensumstände soll den Jugendlichen eine Perspektive aufgezeigt werden. Der Asylstatus spielt bei der Begleitung eine sehr untergeordnete Rolle.