Carla Lozza

Wenn tendenziell gewaltbereite Schüler während eines Klassenausfluges unbegleitet in den Ausgang dürfen, stellen sie ein Risiko für die Öffentlichkeit dar. Das hat sich Anfang Juli im Fall München gezeigt, wo drei 16-jährige Burschen aus Küsnacht unbeteiligte Passanten niederschlugen und teilweise lebensgefährlich verletzten.

Keine Zeit für den Ausgang

"Ich glaube, so etwas würde bei uns nicht passieren", sagt David Kerschbaumer, Verantwortlicher für die Weiterbildung J+S der Sektion Sport Kanton Aargau. "Unsere Lager sind streng geführt und kontrolliert". Für Jugendlager des J+S des Kantons Aargau gilt für bis 20-Jährige ein generelles Alkohol- und Rauchverbot. Ausserdem sei das Programm so angelegt, dass die Jugendlichen kaum Zeit hätten, um in den Ausgang zu gehen, wie Kerschbaumer gegenüber a-z.ch/news erklärt.

So gebe es denn auch selten Ausschreitungen, sagt David Kerschbaumer. Uneinsichtige würden zudem unverzüglich nach Hause geschickt. Diese gute Bilanz führt Kerschbaumer unter anderem darauf zurück, dass die Jugendlichen freiwillig an den Lagern teilnehmen.


Schulleitung und Lehrer setzen die Regeln individuell fest

Etwas anders sieht es bei Schullagern aus, wo nicht immer alle Jugendlichen freiwillig mitgehen, und wo die Lehrer das Programm nach eigenem Gutdünken mehr oder weniger strikt gestalten können.

«Wie streng die Regeln bei einem Klassenausflug oder einem Schullager formuliert werden, ist Sache der lokalen Schulbehörde, der jeweiligen Schulleitung und der verantwortlichen Lehrer», betont der Zentralpräsident der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, Beat W. Zemp gegenüber a-z.ch/news. Er spricht sich klar dagegen aus, dass die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) gesamthaft und schweizweit einheitliche Weisungen für Klassenausflüge erteilt. Dazu seien die Verhältnisse zu verschieden. Für spezielle Schülergruppen könnten die Lehrer zudem spezielle Anordnungen erteilen, sagt Zemp.

Dass diese Handhabung im Fall München versagt hat, führt Zemp darauf zurück, dass die Schulleitung nicht über die kriminelle Vergangenheit von zweien der drei Jugendlichen informiert gewesen sei.
«Wäre der Schule im Vorfeld des Ausfluges bekannt gewesen, dass die zwei Jugendlichen vorbestraft sind, hätten sie nur in Begleitung eines Lehrers in den Ausgang gehen dürfen. » Oder sie wären, so Zemp, von Anfang an von diesem Klassenlager ausgeschlossen worden.