Eine Partie Hangman zum Schluss: Die Joiz-Redaktion gab das Ende ihres Senders am Montagabend bekannt, wie es typisch für sie war – mit einer kräftigen Prise Galgenhumor. Und so, dass man sich als Zuschauer nie sicher sein konnte,ob man nun laut lachen oder sich fremdschämen soll. Während die Zuschauer im Spiel obenaus schwangen – sie errieten die Zeile «Joiz Schweiz Habe Fertig», bevor die Figur am Galgen ihren qualvollen Tod fand –, ziehen sie im realen Leben den Kürzeren: Der vor fünfeinhalb Jahren gestartete Schweizer Jugendsender Joiz macht dicht. Seit gestern Nachmittag werden keine neuen Sendungen mehr produziert. Von der Schliessung sind 75 Mitarbeitende betroffen.

«Frecher, direkter, schräger»

Sehr kurzfristig hätten potenzielle Investoren ihre Zusagen für die Expansionzurückgezogen, so Joiz-CEO und Mitgründer Alexander Mazzara. Während der Sommerferien sei es unmöglich gewesen, neue Investoren zu finden. «Noch vor wenigen Wochen hätte ich nie und nimmer mit diesem schnellen Ende gerechnet.» Noch im Juni habe er für die Expansionspolitik mehrere zuvor im Ausland tätige Personen eingestellt.

Joiz habe sich jüngst positiv entwickelt, sagt Mazzara. «In der Woche erreichten wir zuletzt weit über eine Million Bruttokontakte, auf joiz.ch hatten wir pro Monat rund eine Million Unique Clients.» Diese Währungen seien für ihn und seine Werbekunden wichtiger gewesen als die offiziellen, «antiquierten» Einschaltquoten.

Und was bleibt von Joiz über den Tod hinaus?

Interaktion und Ansprache: Im Unterschied zu herkömmlichen TV-Anstalten bezog Joiz sein Publikum von Beginn an mit ein, es integrierte sie via soziale Medien in Sendungen. «Joiz stand für eine völlig neue Herangehensweise», sagt sein früherer Programmchef Alexander Sautter, der mittlerweile als trimedialer Programmentwickler bei SRF News arbeitet. «Der Sender sprach seine Zielgruppe frecher und direkter, schräger und unkonformistischer an, als es sich beispielsweise eine SRG erlauben kann.» Längst hat der Sprachduktus Nachahmer gefunden, ob bei «20min.ch›» oder «Watson». Selbst SRF integriert an Abstimmungssonntagen oder bei Grossereignissen längst Twitter- und Facebook-Reaktionen.

Werbeformate: Früh setzte Joiz auf sogenannten «branded content», sprich gesponserte Sendungen: Zuschauer mussten dann etwa erraten, welche verrückten Geschichten aus dem Leben von Prominenten sich tatsächlich ereignet hatten. «Inzwischen werden solche Werbeformate von diversen Medienunternehmen kopiert», sagt Mazzara. Kein Wunder: Sie bringen gutes Geld, auch wenn sie medienethisch umstritten sind.

Neue Gesichter: Für Moderatoren wie Knackeboul, Gülsha oder Alexandra Maurer war Joiz das Sprungbrett zu SRG oder ausländischen Privatsendern. Bei den nun auf der Strasse stehenden 75 Joiz-Mitarbeitern wird sich wohl primär der Ringier-Verlag bedienen, der sein Webvideoteam eh vergrössern wollte. Aber auch die SRG.

SRF plant neue Formate

Für Schweizer Radio und Fernsehen stellt das Ende von Joiz eine Chance dar, schliesslich verliert die Zielgruppe der Teenager auf einen Schlag ihre Fernsehheimat. Und doch bedauert Stefano Semeria den Wegfall der Konkurrenz. Seit März ist er verantwortlich für das SRF-Jugendangebot. Im Oktober sollen neue Formate starten.

Für Joiz hält Semeria zum Abschied ein Lob bereit: «Wir wollen den Sender zwar nicht einfach kopieren», sagt er. «In der Interaktion und der direkten Ansprache des Publikums aber können wir von Joiz einiges lernen.»