Zuwanderung

Job, Lohn und Natur: Darum wandern EU-Bürger in die Schweiz ein

Kantone wie das Wallis haben pro Kopf am meisten Zuwanderer. Keystone

Kantone wie das Wallis haben pro Kopf am meisten Zuwanderer. Keystone

Berufsperspektiven, Lohn, aber auch Naturschönheiten ziehen die Leute aus der EU und den Efta-Staaten an. Dies zeigt eine Studie des Bundesamt für Migration (BFM).

Schlagworte dominieren den Abstimmungskampf zur SVP-Masseneinwanderungs-Initiative, über welche die Schweizer Bevölkerung am 9. Februar abstimmt.

«Masslosigkeit schadet», schreibt das Initiativkomitee in dicken Lettern auf die Plakatwände, die Gegner haben die Vorlage längst in «Abschottungsinitiative» umbenannt.

Eine Studie, die das Bundesamt für Migration (BFM) im Dezember veröffentlichte, die bisher aber kaum Beachtung fand, versucht die Debatte nun zu versachlichen.

Zwischen Oktober 2012 und März 2013 wurde zum ersten Mal schweizweit untersucht, aus welchen Gründen Ausländer aus den EU- und Efta-Staaten in die Schweiz einwandern.

Die 2800 Befragten gaben in erster Linie die beruflichen Perspektiven an, die sie in die Schweiz gelockt haben.

Für knapp einen Drittel war das höhere Einkommen, das sie erzielen können, ausschlaggebend.

Dabei zeigte die Studie, dass eine gefährdete Einkommenssituation im Heimatland (Push-Faktor) fast ebenso entscheidend ist wie die höheren Lohnmöglichkeiten in der Schweiz (Pull-Faktor) –  ein Abbild der wirtschaftlich prekären Situation in vielen Staaten Europas.

Im Schnitt 30 Jahre alt

So weit, so erwartbar. Wenn man etwas genauer hinschaut, fördert die Befragung aber überraschende Ergebnisse zutage:

Die Schönheit der Schweizer Natur und die Freizeitmöglichkeiten werden als dritthäufigster Migrationsgrund genannt – noch weit vor steuerlichen Anreizen, besseren Arbeitsbedingungen oder sozialer Sicherheit bei Arbeitslosigkeit (und das, obwohl Mehrfachnennungen möglich waren).

Dagegen waren familiäre Gründe verhältnismässig unbedeutend, nur 21 Prozent der im Schnitt 30-jährigen Befragten migrierten wegen Verwandten oder Freunden. Das erklärt, weshalb 65 Prozent der Ausländer alleine in die Schweiz reisten.

Die grossen Kantone Zürich, Waadt und Bern absorbierten den grössten Anteil der Zuwanderung. Vergleicht man sie aber mit den Einwohnerzahlen, sieht das Bild ganz anders aus:

In den Kantonen Graubünden, Basel-Stadt und Wallis ist die Pro-Kopf-Einwanderung am grössten – was im Fall der Bergkantone unter anderem mit dem starken Tourismussektor zusammenhängen dürfte.

In der Deutschschweiz und im Tessin ist der Zustrom erwartungsgemäss aus Deutschland respektive Italien am stärksten, in der Romandie halten sich Franzosen und Portugiesen überraschend die Waage.

Branchenfremde Ingenieure

Ein heisses Eisen im Abstimmungskampf zur Masseneinwanderungs-Initiative sind Migranten, die ohne Anstellung in die Schweiz reisen und hier eine Arbeitsstelle suchen.

Auch hierzu liefert die BFM-Studie Zahlen: 21 Prozent der befragten Zuzüger hatten bei der Einreise keinen Arbeitsvertrag in der Tasche, wobei der kantonale Wert zwischen 7 Prozent (Uri) und 31 Prozent (Tessin) schwankte.

Rund die Hälfte der Zuzügerinnen und Zuzüger ohne Arbeitsvertrag – in erster Linie Studenten und Hausfrauen – waren gar nicht auf Jobsuche.

Von den rund zehn Prozent aller Befragten, die sich in der Schweiz auf Arbeitssuche begaben, waren Personen ohne nachobligatorische Ausbildung im Vergleich mit Akademikern deutlich übervertreten. Zudem ist die Romandie stärker als andere Landesteile davon betroffen.

Bei gewissen Berufsgruppen sind auch die Statistiker überrascht. So bilden die Schweizer Hochschulen grundsätzlich nicht zu wenige Ingenieure aus – dennoch wandern überdurchschnittlich viele zusätzlich ein (und finden auch eine Stelle in ihrem Bereich).

Der Grund ist simpel: Viele Ingenieure arbeiten am Ende gar nicht in der Branche, für die sie eigentlich zuvor die Schulbank gedrückt hatten.

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