Jetzt wollen die Nachbarn wegziehen

Seit drei Monaten leben in Rekingen 90 Asylbewerber. Ernsthafte Zwischenfälle gab es bis jetzt zwar noch nicht. Sorgen macht man sich in Rekingen und Bad Zurzach trotzdem.

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Von Maja Sommerhalder

«Es ist nicht angenehm, neben einer Asylunterkunft zu leben. Es gibt zwar keine Lärmprobleme und ich habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Aber meine Frau wurde schon angemacht», sagt Dasurim Spahiu, der in einem Mehrfamilienhaus im Rekinger Sodaquartier wohnt.

Vor drei Monaten hat der Kanton in seinem Nachbarhaus 90 Asylsuchende aus Afrika einquartiert, ohne dass die Anwohner informiert wurden. Nicht einmal die Behörden von Rekingen und Bad Zurzach kannten den Einzugstermin. Der Rekinger Gemeindeammann Anton Barth bezeichnete damals die Informationspolitik des Kantons als eine Katastrophe. Wütend war man auch in Bad Zurzach, da sich die Asylunterkunft an der Gemeindegrenze befindet.

Drei Monate später haben sich die Behörden mit den Asylbewerbern arrangiert. «Bis jetzt gab es wenige Probleme», bestätigt der Rekinger Gemeindeammann Anton Barth. Trotzdem sind die Behörden von Bad Zurzach und Rekingen der Ansicht, dass der Kanton zu wenig für die Asylbewerber macht. Vor einem Monat schrieben sie an den kantonalen Sozialdienst einen Brief, in dem sie eine 24-Stunden-Betreuung und verstärkte Sicherheitsmassnahmen forderten.

Bis jetzt hat der Kanton noch keine Antwort geschickt. Dies ärgert Barth: «Momentan haben die Asylbewerber am Wochenende und in der Nacht keinen Ansprechpartner. Auch der kantonale Wachdienst ist nicht rund um die Uhr vor Ort.»

Auch in Bad Zurzach gab es kaum Zwischenfälle. Trotzdem ist Gemeindeammann Franz Nebel nach wie vor in Sorge: «Die Asylbewerber brauchen mehr Betreuung, damit sie in unserer Kultur besser zurechtkommen. Wir beobachteten beispielsweise, dass sie Abfall auf die Strasse werfen.» Zudem fehle es an einer sinnvollen Beschäftigung: «Es kann zu Aggressionen kommen, wenn man nichts zu tun hat.»

Ende Januar bangte Nebel um das Image des Kurortes Bad Zurzach. Damals sagte er in der AZ: «Der Kurort lebt von seinen Gästen. Für uns ist es schlecht, wenn sich die Leute nicht mehr sicher fühlen.» Drei Monate später hatten weder die Regionalpolizei Zurzibiet noch die Bad Zurzach Tourismus AG Negatives von den Touristen gehört - im Gegenteil. «Die Asylbewerber sind sehr freundlich und grüssen mich auf der Strasse», so Peter Andres, Präsident der Bad Zurzach Tourismus AG.

Auch Heinz Dätwyler, Vorstand vom Bahnhof Bad Zurzach, hatte noch nie Probleme: «Sie sind anständig und hängen nicht am Bahnhof herum.» Gemeindeammann Franz Nebel hingeben bekam schon einige Mails von besorgten Einwohnern: «Es sind zwar nicht viele, aber wir nehmen die Ängste ernst. Eine Einwohnerin schrieb, dass sie sich in Bad Zurzach nicht mehr wohl fühle und wegziehen will.»

Diesen Schritt macht nun auch Dasurim Spahiu, der direkt neben der Asylunterkunft in Rekingen wohnt: «Ich habe meine Wohnung gekündigt. Meine Nachbarn wollen auch ausziehen.» Ende Juni wird er seine neue Wohnung beziehen - in Bad Zurzach wohlverstanden.