Susi Gut
Jetzt will Susi Gut im Aargau politisieren - weil wir so nett sind

Sie brachte Corine Mauch die Klage ein, scheiterte aber mit ihrer Partei für Zürich grandios am Stadtpräsidium und Gemeinderat. Jetzt überlegt sich die Zürcherin Susi Gut, im Aargau zu politisieren. Denn: Die Aargauer sind viel netter!

Merken
Drucken
Teilen
Susi Gut

Susi Gut

Keystone

Claudia Landolt

Susi Gut ist eine pragmatische Frau. Ein Arbeiterkind, wie sie sagt. Und Arbeiterkinder haben bekanntlich einen langen Atem: Deshalb will Susi Gut jetzt im Aargau weiter politisieren. Doch der Reihe nach:

Im Stadtzürcher Wahlkampf wollte sie die amtierende Stadtpräsidentin Corinne Mauch aus dem Amt hebeln und "Stadtmutter" werden. Dieses Vorhaben scheiterte jetzt. Sie verlor mit ihrer Zwei-Personen-Partei Partei für Zürich nicht nur haushoch den Kampf ums Präsidium, sondern auch den Gemeinderatssitz. Sie hatte gegen die Sozialdemokraten und den Aufmarsch an Grünliberalen keinen Stich. In ihrem Wahlkreis holte sie nur 1,5 Prozent und scheiterte damit an der 5-Prozent-Hürde.

Ohne politisches Mandat ist die Partie obsolet. Susi Gut sieht denn auch eher die Auflösung der Partei. Die Politik ganz aufgeben will sie aber nicht. im Gegenteil: "Ich könnte mir gut vorstellen, im Aargau als Parteilose zu politisieren." Zum Aargau hat Gut eine beosndere Beziehung: Ihr Freund lebt in Jonen, und sie ist am Wochenende oft dort. Auch, weil sie die Joner sehr sympathisch findet: "Ich muss sagen, die Aargauer sind viel netter als die Zürcher. Natürlich ist es dort viel kleiner, aber man wird mit offenen Armen aufgenommen", erzählt sie. Ein Beispiel: Die passionierte Joggerin hat in Zürich öfters mal einen wütenden Hundebesitzer am Hals, im Aargau würden die Hundebesitzer ihre Tiere selbstverständlich zurückpfeifen oder an die Leine nehmen, wenn ein Jogger in Sichtweite ist.

Kontakte knüpft es sich im Aargau leichter

Auch sei noch nie "blöd über mich gesprochen worde", erzählt Susi Gut. "Kontakt knüpfen liegt mir natürlich im Blut", sagt sie. "Ich würde mich dort gerne engagieren, sofern die Gemeinde das auch möchte. Insbesondere den kleinen Leuten hefle ich gern. Denn Millionäre brauchen ja keinen Anwalt." In Zürich errang Susi Gut unter anderem kürzlich Popularität, weil sie sich die Verteidigung der beiden Betreibern der Schwulen-Bar "Nervous Bar" auf die Brust schrieb. Diese Bar wurde von Mauch ohen schliessungsverfügung geschlossen, Corinne Mauch erhielt deshalb eine Anzeige wegen Nötigung.

Das Wirken im Kleinen scheint Gut nach eigenen Angaben zu liegen. Da ihre Partei über kein grosses Budget verfügte, warb die erfinderische Frau kurzerhand in grossen Inseraten mit ihren Backkünsten. "Die Idee war, bei Kaffee und Kuchen mit den Leuten ins Gespräch zu kommen", sagt sie. Insgesamt habe sie wohl gut und gerne 35 Kuchen gebacken, und es sei bei den Leuten immer "sehr gut" angekommen.

In Zürich gescheitert, im Aargau willkommen?

Sie ist überzeugt: "Im Aargau mags man intimer. Ich bin sicher, wenn man mit den Leuten zusammensitzt, kann man gute Gespräche führen. Und vielleicht erinnert man sich dann an einen, wenn es um eine Wahl geht." Sicherlich sei es wertvoller, im Aargau Politik zu machen als bei den verwöhnten Zürchern.

Eines muss man Susi Gut lassen: So leicht gibt sie nicht auf. Auch wenn sie in der Limmatstadt die Wahlen haushoch verloren hat, kann man ihr eines nicht vorwerfen: Mangelnden Erfindungsgeist. Gut möglich, dass es bald zu einem Wiedersehen kommt. Vielleicht bei Kaffee und Kuchen.